Selfkant-Höngen - Konzertabend: Mit Christoph Esser zurück ins Mittelalter

Konzertabend: Mit Christoph Esser zurück ins Mittelalter

Von: Anna Petra Thomas
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Richtig voll wurde es im Höngener Kulturhaus, als Ex-Zivi Christoph Esser, heute Schulrat des Kreises Heinsberg, mit seinen Liedern alte und neue Geschichten erzählte. Foto: Anna Petra Thomas

Selfkant-Höngen. Bis zurück ins Mittelalter zum Minnegesang von Walther von der Vogelweide führte Christoph Esser, im Kreis Heinsberg eigentlich eher als Schulrat bekannt, seine Zuhörer im Kulturhaus in Höngen. Aus allen Nähten platzte der kleine Saal, weil wohl niemand mit solch großem Zuspruch zu diesem literarisch anspruchsvollen Musikabend gerechnet hatte.

„Lieder, die erzählen – Balladen aus alter und neuer Zeit“ hatte Esser den Abend überschrieben, den er mit seiner Gitarre und seinem Gesang tatsächlich in Mittelhochdeutsch begann. „Ouwe war sint verswunden“, was so viel heißt wie „O weh wohin sind sie verschwunden“, hieß das erste Lied des Abends, das von der Vogelweide Anfang des 13. Jahrhunderts für einen Sängerwettstreit auf der Wartburg geschrieben hatte.

Es folgten zwei Balladen aus der Feder von Heinrich Heine: „Die Loreley“ und „Mein Kind wir waren Kinder“. Warum „Die Loreley“ weniger Heine zugeschrieben als vielmehr als Volkslied gilt, wusste Esser seinem Publikum zu erklären: „Der Dichter Heinrich Heine war Jude – und sollte so möglichst nicht in Lieder- und Lesebüchern auftauchen.“ Weiter ging es mit Wilhelm Busch und „In Tour, zu Bischof Martins Zeit“.

„In einem Lied steckt beides: Das Singen und das Erzählen einer Geschichte“, erklärte Esser seinem Publikum. Anders als eine Geschichte immer wieder zu hören, könne man ein gutes Lied mit einer schönen Melodie sehr wohl hundert und tausend Mal singen. Zudem gebe es derart anrührende und exemplarische Geschichten und Ereignisse, die einfach eine Liedfassung verdient hätten. „So verstehe ich den Begriff Ballade für den heutigen Abend“, sagte er und wechselte von einem Hut zum anderen auf seinem Kopf, immer passend zum gerade gewählten Stück.

Impulse für neue Balladen seien insbesondere im 19. Jahrhundert von der Romantik ausgegangen, dann aber auch von neuen politischen Ideen, erklärte der Musiker vor dem Lied „Die freie Republik“ und nach dem Stück „Oh käm das Morgenrot herauf“. Mit dem Lied „Kaspar“ von Reinhard Mey war Esser dann in der Gegenwart angekommen. „Wie gehen wir mit Menschen um, die zu uns kommen und ganz anders sind?“, fragte er in die Runde. Zeugnistag war sein zweites Lied aus selbiger Feder.

Weiter ging es mit Liebesliedern und Bänkelgesang, bei dem sich Susanne Jochims zu ihm gesellte. „Als ich ein Junggeselle war“, sang Esser, bevor er Jochims im Publikum ansprach mit „Frau, du sollst nach Hause kommen“. Jochims sang vom Pfeifer und vom Frauenzimmer Sabinchen und zusammen mit Esser „Der Herr von Falkenstein“.

Ein gutes Lied könne ruhig bescheiden daherkommen, erklärte der Musiker zu Beginn des zweiten Teils seines Konzerts. Seine Mischung sei bunt, auch was die Entstehung und die Urheberschaft angehe. „Viele der Lieder sind traditionell, einige auch selbst komponiert.“ Seine Ehrfurcht vor dem Kulturgut Lied halte sich also in Grenzen, schmunzelte er ins Publikum. „Ich habe es mehr mit robusten Liedern, die so manches vertragen können, dadurch, dass jeder sie etwas anders singt, werden sie oft nur noch lebendiger.“

Esser sang Lieder gegen den Krieg und erzählte von seiner Zeit als Zivildienstleistender in Höngen. Er sei schon Soldat und dann heilfroh gewesen, als er habe ausscheiden können. Sofort habe er eine Zivildienststelle gebraucht. „Bis heute weiß ich nicht, wie Klaus Buyel dies in ein paar Tagen hinbekommen hat, jedenfalls konnte ich hier als erster Zivi der Pfarre Höngen anfangen. Und da freute sich Esser ganz besonders, dass der ehemalige Höngener Pfarrer via Skype aus Burundi das Konzert mitverfolgen konnte.

Gemeinsam mit Heike Philippen (Saxophon) und Michael Kowalski (Cajon) aus Birgden ging das eindrucksvolle Programm weiter, zunächst mit Bertolt Brecht. „Am Grund der Moldau“ appelliere auch heute noch daran, den Wandel besser zu gestalten als ihn aufzuhalten, so Esser. Sein „Mein Lebensweg“ war dann der Einstieg in eine Weile Klezmermusik.

Schließlich besang er die „Bemmelbahn“ des Gangelter Heimatdichters Peter Staas ebenso wie den Bären von Mey oder die Schäferin Margot von Gerges Brassens, zunächst sogar in Französisch, und in Plattdeutsch den Liebesjammer eines Dorfknechts.

Ein ganz buntes Programm eben, das beim Publikum sehr gut ankam.

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