Konzert im Selfkantdom: Musikerlebnis mit Organist Ulrich Peters

Von: Utz Schäzle
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Ulrich Peters zieht sein Publikum im Selfkantdom mit Orgelimprovisationen zum Volkstrauertag in seinen Bann. Foto: Utz Schäzle

Heinsberg. Am Volkstrauertag fand in St.Gangolf ein beeindruckendes Orgelkonzert statt. Im Mittelpunkt stand Organist Ulrich Peters, der an der Seifert-Orgel im Selfkantdom Werke aus verschiedenen Epochen vortrug.

Zahlreiche Zuhörer erlebten einen musikalischen Brückenschlag des Gedenkens an die Vergangenheit und zum Aufbruch in die Zukunft.

Musik und Raum boten Gelegenheit zur inneren Einkehr. Die Zwischengebete, die verbindenden Texte und die informativen Erläuterungen zu den Stücken sprachen Markus Bruns und Sonja Nebe.

Musikalische Gedanken

Zum besseren Verständnis der Werke aus dem 17., 18. und 20. Jahrhundert schrieb Ulrich Peters: Musikalische Improvisationen sind aus dem Stehgreif ersonnene musikalische Gedanken. Sie entwickeln sich zunächst aus der in der Vorstellung formulierten Idee und werden in immer neuen und anderen Konstellationen moduliert und umgesetzt. Dabei können auch gänzlich neue Aspekte entstehen und erklingen.

Improvisationen sind die vermutlich ältesten musikalischen Äußerungen. Sie wurden zu allen Zeiten praktiziert und erlebten ihre nachgewiesene Blütezeit im Barock.

Appell zum Aufstand

Stilistische Improvisationen beziehen sich auf die Tonsprache, die harmonischen Eigenheiten und die Ausdrucksmöglichkeiten der jeweiligen Epoche. Die Bataglia als musikalische Form wurde sowohl für mehrere Einzelinstrumente des Frühbarock (Anfang des 17. Jahrhunderts) komponiert als auch für die Orgel alleine. Sie ist ein fanfarenartiges Musikstück, und die Intention ist der Appell zum Aufstand.

Ulrich Peters zeigte schon zu Anfang all seine Qualitäten, seine auf Durchsichtigkeit angelegte Registrierung, sein deutlich strukturiertes Spiel, Temperament und Gestaltungskraft.

In der Suite entwickelte der Konzert-Organist Klangfarbenkombinationen, welche die typische altfranzösische Orgelregistrierung des 17. Jahrhunderts darstellten. Er schuf Klangwelten voller Kontraste, gepaart mit kurzen Momenten himmlischer Ruhe und transparenter Klarheit.

Die Partita ist ein Variationszyklus, dem ein bestimmtes Liedthema zugrunde liegt. Den Choral: „Werde munter mein Gemüte“ ließ Ulrich Peters strahlend hell, brillant und im Detail filigran in weiteren Variationen erklingen.

Farbige Register

Die Phantasia für Orgel gilt neben Präludium und Toccata als eine der großen freien Formen des Barock. Gemessen feierlich wurde dann auch der erste Teil einer Bach-Kantate verarbeitet. Peters wählte in seinem Spiel bewusst farbige Register und schöpfte so die klanglichen Möglichkeiten der Seifert-Orgel gekonnt aus .

Der abschließende symphonische Zyklus „Priere“ entspricht in seinem theologischen Grundgedanken einer meditationsform, die einen lebensnahen Prozess von Klagen, Bitten, Beten, Erkennen und Aufstehen beschreibt.

In den musikalisch programmatischen Äußerungen werden Themen der Psalmengesänge „Selig seid ihr“ und „Mein ganzes Herz erhebet dich“ zitiert und bearbeitet.

Ulrich Peters zauberte fantastische Stimmungen, spielte kraftvoll wie ganz subtil und brachte so die Konzertbesucher zum intensiven Hinhören. Alleine sein spannungsreiches Musizieren und das herausmodellieren der dynamischen Elemente hatte eine sehr intensive, spannungsgeladene Wirkung auf die Zuhörer, die sich erst in den Schlussakkorden löste und so die ernste Thematik des Volkstrauertages unterstrich.

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