Konzert im Kulturhaus: Eine Reise durch die Epochen

Von: agsb
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Christoph Esser begeisterte vor großer Kulisse im Kulturhaus Höngen mit seinem Liedgut quer durch die Epochen. Foto: agsb

Selfkant-Höngen. „Wenn du ein Lied kennst, das für sich einen Wert hat, ob mit Botschaft, Aussage oder Idee – dann singe es.“ So lautet die Philosophie von Christoph Esser aus Oberbruch. So machte sich ein junger Mann seit der Jugendzeit auf die Suche nach einer Sammlung von Liedgut, die in ihrer Aussage für ihn eine besondere Stärke hat. Die Musik bestimmte Essers Lebensweg mit.

Der Musikunterricht mit den Grundschulkindern inspirierte den Lehrer Christoph Esser. Mit der Zeit entwickelte sich seine besondere Gabe der Musikverständigung zum weiteren Lebenswerk. Dann wurde durch einen Zufall eine Musikgeschichte fast wie in Hollywood Wirklichkeit. Er traf in der Nachbarschaft auf Saxofonspielerin Heike Philippen und auf Michael Kowalski – beide wirkten beim Konzertabend im Kulturhaus Höngen mit, sie unterstützten ihren Freund.

Mit dem Bürgerlied aus dem Jahr 1845 spielte Esser vergessenes Liedgut der alten Ballade über „Prinz Eugen, den edlen Ritter“, welches einst von Folkloresängern wieder aufgegriffen wurde. „Es ist ein Lied, das gesungen werden will“, sagte Esser. Das folgende Lied „Drei Zigeuner, die ich fand“ stammt aus der gleichen Epoche. Ebenso wie das Lied „Die Gedanken sind frei“ von Hoffmann von Fallersleben, hier bat Esser mitzusingen.

Der Sänger blickte auch auf Johann Wolfgang von Goethe und fand die Ballade „Es war ein König in Thule“. Auch Wilhelm Busch hat Liebeslieder geschrieben, wobei er als ewiger Spötter und Junggeselle galt. Esser hielt besonders das Lied „Wärst Du ein Bächlein, ich ein Bach“ für romantisch. Zu jedem Lied hatte der Sänger eine Geschichte parat. Wie die vom so genannten Schamperllied aus dem 16. Jahrhundert. Je nach Zeitgeist hatten es diese Lieder schwer, nicht verboten zu werden. Darin liege auch ein besonderer Reiz solcher Lieder.

Der Sänger wanderte durch die Epochen, präsentierte die „Sachliche Romanze“ und das Stück „Ich hab ein zärtliches Gefühl“ (Text: Erich Kästner).

„Es würde übrigens nicht schwerfallen, heute Abend nur Liebeslieder zu singen, mit denen ich gut etwas anfangen kann. Es gibt aber auch etwas anders“, wurde zur Geschichte des Partisanenliedes über ein Mädchen erklärt, das in einer Frostnacht einen Waffentransport aufhält.

Und auch jiddisches Liebesliedgut mit „Papir ist doch waiß“ und „Lomir sech iberbetn“ verzauberte das Publikum.

Das norddeutsche Lied in Platt „Die Mühle“ ließ eine Vorliebe zu Musik und Liedern mit einem gewissen Hang zur Romantik erkennen. Eine Hommage in Sachen Heimatlieder gab es für den Tüdderner Danny van Dannen (jetzt Berlin). „Zu meiner Zivildienstzeit in den 70er Jahren war er ständig mit seiner Klampfe unterwegs, er hielt in Tüddern die freie Jugendarbeit Area mit am Leben, vorher hatten wir für einige Jahre eine gemeinsame Schulzeit“, sagte Esser. „Ich blieb hier, Funny verschwand nach Berlin“, sagte er. „Freunde der Realität“, „Als Willy Brandt Bundeskanzler war“ und „Die Zeit“ waren Lieder, bei denen Erinnerungen an den alten Freund lebendig wurden.

Kitsch ist erlaubt

Mit „Stell üch vür“ wurde anschließend ein Heimatlied (u.a. BAP) gesungen. Zu den Heimatliedern hat der Sänger seine eigenen Gedanken. „Heimatlieder können und dürfen Kitsch beheimaten, sie dürfen Heimtümlichkeit auf die Schippe nehmen.“

Weiter im Programm waren: „So genannte Klassefrauen“ von Kurt Tucholski, „Woher soll das Brot für morgen kommen?“ von Theodor Kramer, „Was keiner wagt“ von Lothar Zenetti, „He kleiner Fratz“ von Hermann van Veen und „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader sowie „Was wollen wir trinken“ zum krönenden Abschluss. „Alle Lieder, die ich so singe, sagen mir selbst auch etwas. Wenn mir eine Strophe mal nicht passt, wird sie verändert“, sagte Christoph Esser und erklärte damit auch ein Erfolgsrezept seiner Arbeit.

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