Konzert im Klevchen: Brahms an altem Instrument wiederbelebt

Von: Anna Petra Thomas
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Musikalischer Leckerbissen: Im Rahmen einer Kooperation mit der Jugendmusikschule Heinsberg nutzten Christoph Dohr vom gleichnamigen Musikverlag aus Bergheim (hinten rechts) und der Pianist Philipp Kronbichler aus Köln das Rondell für Aufnahmen auf einem historischen Hammerflügel. Foto: Anna Petra Thomas
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Klavierstimmer Stefan Hartmann-Virnich aus Köln begleitete das Projekt die ganze Woche lang. Foto: Anna Petra Thomas
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Tonmeister Georg Bongartz aus Köln kontrollierte die Aufnahme. Etwa die vier- bis fünffache Zeit der CD ist für die Aufnahme nötig. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Als Ort für Konzerte mit hochkarätigen Musikern hat das Rondell im Klevchen inzwischen einen Namen, der weit über die Stadtgrenzen Heinsbergs hinaus klingt. Dort, wo die Schüler der Realschule ansonsten mittags ihr Essen einnehmen, ertönte jetzt, von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, jedoch noch ein ganz besonderer musikalischer Leckerbissen.

Im Rahmen einer Kooperation mit der Jugendmusikschule Heinsberg nutzten Christoph Dohr vom gleichnamigen Musikverlag aus Bergheim und der Pianist Philipp Kronbichler aus Köln das Rondell für Aufnahmen auf einem historischen Hammerflügel.

Mitten in dem großen runden Raum stand der wertvolle, gut 2,30 Meter lange Flügel aus dunkelbraunem Holz mit der Produktionsnummer 5886, gebaut 1861 in der Wiener Klavierfabrik Johann Baptist Streicher und Sohn. Dohr hat ihn von einem Sammler in Rheinland-Pfalz für die Sammlung Dohr im Klaviermuseum Haus Eller erworben. 2003 nach seiner Restauration schon einmal für eine CD-Aufnahme mit Kammermusik von Franz Wüllner genutzt, ist Dohr gerade dabei, mit Kronbichler alle Klavierwerke von Brahms auf diesem Instrument einzuspielen.

Gefördert wird das Projekt von der Kunststiftung NRW. Die erste mit den Jugendwerken des Komponisten aus seiner Hamburger Zeit, ebenfalls im Rondell aufgenommen, ist bereits im vergangenen Jahr erschienen. In Heinsberg eingespielt wurden jetzt die Nummer zwei mit der dritten Sonate und vier Balladen sowie die dritte mit Variationen von Brahms.

Sicherlich gebe es schon CDs mit den Werken von Brahms, räumte Dohr ein. Diese Einspielung sei aber eine besondere, da der dafür zur Verfügung stehende Hammerflügel in seiner Bauart exakt dem untergegangenen Streicher-Flügel entspreche, der sich im Eigentum von Brahms befunden habe. „Authentischer geht‘s nicht!“, betonte der passionierte Sammler. Vom echten Brahms-Flügel existiere nur noch das Notenpult, wusste er weiter zu berichten und hob gleich noch einige bauliche Besonderheiten hervor, durch die sich das historische Instrument von modernen Konzertflügeln unterscheidet.

So sind seine Hammerköpfe beledert anstelle der heutigen, die aus gepresstem Filz bestehen. „Das Ergebnis ist ein obertonreicherer, silbriger Klang, der eine besonders klare Zeichnung der musikalischen Linien zur Folge hat“, so Dohr. Zudem ist das Instrument noch nicht kreuz-, sondern geradsaitig bezogen, das heißt, die Saiten verlaufen sämtlich parallel zur linken Seitenwand.

Statt des heute üblichen gusseisernen Rahmens gibt es nur zwei Eisenstreben. Schließlich besitzt dieser historische Flügel eine Wiener Mechanik, die später von der englischen Mechanik verdrängt wurde, weil diese den Bau lauter klingender Instrumente für die ständig an Größe wachsenden Säle des Konzertbetriebs ermöglichte.

Seit Ende vergangenen Jahres haben Dohr und Kronbichler dieses neue Projekt vorbereitet, jede Note des Werks genau studiert. „Wenn es hart auf hart kam, haben wir auch in der handschriftlichen Originalkomposition nachgeschaut“, erklärte Dohr. Zudem hatte sich Kronbichler natürlich intensiv mit der so ganz anderen Technik des historischen Instruments vertraut gemacht. Der Anschlag sei viel schwerer, erklärte der an den Musikhochschulen in Salzburg, Wien und Köln ausgebildete klassische Konzertpianist, der seit 2008 neben seinen Auftritten als Pianist unter anderem als Lehrbeauftragter an der Kölner Musikhochschule arbeitet.

Vor diesen Aufnahmen habe er richtig Konditionstraining gebraucht und schon einige Wochen vor der Aufnahme auf diesem Instrument gespielt. Was ihn an Brahms fasziniert, ist die „ungeheure Geistigkeit. Jeder Ton ist sowohl durchdacht als auch empfunden“.

Wenn Klavierstimmer Stefan Hartmann-Virnich aus Köln, der die ganze Woche dabei war, seine Arbeit wieder einmal beendet hatte und die rote Lampe wieder leuchtete, spielte Kronbichler weiter, ganz viele Mikrofone um sich herum. Eines lag sogar unter dem Instrument. Eine Etage tiefer kontrollierte Tonmeister Georg Bongartz aus Köln die Aufnahme. Etwa die vier- bis fünffache Zeit der später veröffentlichten CD sei für die Aufnahme nötig, erklärte Kronbichler. Im Studio wird das Material jetzt weiterbearbeitet. Noch in diesem Jahr soll die nächste CD erscheinen.

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