Konzepte für den künftigen Tagebaurand

Von: Helmut Wichlatz
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Emissionsschutzwall-Baustelle zwischen Kaulhausen und Venrath: Bis hier sollen die Braunkohlebagger von RWE Power einmal vorrücken. Foto: Stefan Klassen
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Wollen ihre Mitbürger zum Mitmachen motivieren: (v.l.) Peter-Josef Gormanns, Rainer Merkens, Tobias Koppenhöfer, Michael Königs und Friederike Grates. Foto: Helmut Wichlatz

Erkelenz-Venrath/Kaulhausen. Auf die Erkelenzer Ortschaften, die einmal am Tagebaurand liegen werden, kommen besondere Probleme zu. Diese gehen über die allgemeinen Strukturprobleme der ländlichen Region hinaus. Dem ist man sich in der Stadtverwaltung auch bewusst.

Daher stellte die Stadt Anfang des Monats einen Antrag bei der Bezirksregierung zur Finanzierung eines Konzeptes, das sich mit der Dorfinnenentwicklung befasst und Handlungsfelder für die Zukunft festlegen soll.

„Unsere Dörfer stehen vor großen Veränderungen und Herausforderungen“, betont auch eine Arbeitsgruppe, die sich deshalb zusammengefunden hat. Die Mitglieder stammen aus den Ortsvereinen und wollen zuerst einmal über den Prozess der Konzepterstellung und ihre Ziele informieren. Doch vor allem, sollen die Venrather und Kaulhausener aktiv mitmachen. „Ohne die Beteiligung der Bürger geht es nicht“, erklärt Friederike Grates im Gespräch mit unserer Zeitung. „Sie sollen ihre Ideen und Vorstellungen einbringen.“

Das ist derzeit auch die schwierigste Hürde. Denn die Mitglieder des Arbeitskreises sehen eine gewisse Verdrossenheit bei den Mitbürgern. Diese sei im Ort zu spüren, zum Beispiel bei der Teilnahme an traditionellen Festen oder Veranstaltungen. Venrath drohe zum reinen „Schlafort“ zu verkommen, befürchtet Peter-Josef Gormanns, der im Arbeitskreis auch den Venroder Wenk vertritt. Daher müsse man sich zuerst auf die Suche machen nach der dörflichen Identität.

„Wenn die Bürger nicht mitmachen, nutzt das beste Konzept nichts“, sagt Michael Königs. Denn mit dessen Erstellung, die gefördert werden soll, ist es nicht getan. Für die spätere Umsetzung der einzelnen Maßnahmen müssten später wieder neue Fördertöpfe angezapft werden. Und vor allem müsse die Initiative zur Umsetzung aus den Ortschaften selbst kommen, weiß Thomas Balzhäuser vom Planungsamt der Stadt.

Er begleitet den Prozess der Konzepterstellung, für den ein Planungsbüro ins Boot geholt werden soll. Durch eine Analyse der Stärken und Schwächen vor Ort werden Handlungsfelder definiert, die vom ÖPNV, neuen Verkehrswegen und der Versorgung mit Glasfaser bis hin zur Erschließung der Ortschaften für neue Wohnformen und der Schaffung einer vitalen Infrastruktur reichen können.

Gewaltige Einschnitte

Mit dem NRW-Programm zur Förderung des ländlichen Raums soll nicht explizit auf die Probleme der Gemeinden am Tagebaurand reagiert werden. Vielmehr sollen die ländlichen Regionen gestärkt und für die Zukunft fit gemacht werden. Durch die unausweichlich bevorstehende Tagebaurandlage kommen auf die Ortschaften jedoch besondere Herausforderungen zu. Denn zu den Problemen, die der demografische Wandel mit sich bringt, kommen erhebliche Einschnitte in Landschaft und Natur sowie gewachsene Nachbarschaften.

Im Interesse der Bürger sollte „ortsbildprägende Bausubstanz“ erhalten bleiben und ein Leerstandskataster angelegt werden. „Da muss mehr passieren als das Aufstellen von Infotafeln und Parkbänken“, meint Tobias Koppenhöfer. Er gehört der jüngeren Generation der Venrather an, um deren Zukunft es in dem Projekt geht. Bei seinen Altersgenossen und der darauf folgenden Generation sieht der Mittdreißiger eine wachsende Bereitschaft, sich wieder für ihr Dorf zu engagieren.

Dem gegenüber stehen Resignation und Verdrängung des Themas Tagebau bei manch anderen. Durch den Baubeginn des Lärmschutzwalls am Ortsausgang in Richtung Kuckum sei das Thema bei vielen Mitbürgern erst bewusst angekommen, vermutet Gormanns. „Als Ende April der Bagger auftauchte, war die Aufregung bei einigen groß.“

Nun heiße es, die Bürger zum Mitmachen zu motivieren und vor allem auch später die Umsetzung der Maßnahmen voranzutreiben. „Dem Planungsamt ist natürlich daran gelegen, dass die Bürger aktiv werden“, betont Balzhäuser. „Das Konzept darf nicht in der Schublade verschwinden.“

Nun sind die Venrather und Kaulhausener aufgerufen, sich Gedanken über ihre Identität zu machen. Was soll erhalten bleiben und worauf legt man besonderen Wert?

Darum werden sich schon im Vorfeld viele Diskussionen in den beiden Nachbarorten drehen, bevor am 26. August die erste Informationsveranstaltung stattfindet. Bis dahin will die Arbeitsgruppe mit Flyern und vielen persönlichen Gesprächen für die gelenkte Dorferneuerung werben.

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