Konzept von Wassenberg in die Welt getragen

Von: Anna Petra Thomas
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So sollen die Passivhäuser aus Schiffscontainern, die bald in der Mongolei gebaut werden, einmal aussehen. Hintergrund des Projektes, das Nomaden feste Wohnhäuser verschaffen soll, ist es, die Landflucht in dem asiatischen Land zu bremsen. Fotos/Animation: Rongen Architekten
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Prof. Ludwig Rongen (r.) und sein Partner Junchao Li liefern die Ideen für innovative Passivhaus-Projekte. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Der eine wusste von dem anderem nicht, und doch arbeiten sie beide an dem einen Ziel, ausgediente Schiffscontainer wieder einer sinnvollen Verwendung zuzuführen. Während sich das Unternehmen Artec360 im Gewerbegebiet Forst dem Umbau solcher Container in Tribünen für kleine Stadien widmet, kommen jetzt aus der Ideenschmiede des Architekten Professor Ludwig Rongen in der Wassenberger Unterstadt die Pläne, aus je zwei solcher Container Einfamilienhäuser zu bauen, im Passivhaus-Standard.

Die Idee stamme von der Universität Paderborn, räumt Rongen ein. Dort habe es ein Forschungsprojekt gegeben mit dem Ziel, Häuser im afrikanischen Ghana zu bauen. Er realisierte darauf aufbauend mit seinen Studenten an der Fachhochschule Erfurt ein Studienprojekt, das jetzt von einem seiner Kunden in der Inneren Mongolei bereits realisiert wird. Die Produktionsanlagen stehen, sogar Roboter sollen beim Bau dieser „Häuser von der Stange“ eingesetzt werden. Das erste Musterhaus ist bereits fertig und steht Interessenten neben einem Einkaufszentrum in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar zur Besichtigung offen. Aufträge für 125 weitere Häuser liegen bereits vor.

Das Büro Rongen lieferte nicht nur die Pläne für diese Häuser, sondern entwickelte auch eigens dafür neue Produkte, etwa sogenannte wärmebrückenfreie Anker für die Fassade. Zudem ist es für die Qualitätssicherung zuständig. Auch in den nächsten Jahren wird vor allem Rongens Partner Junchao Li den Hersteller vor Ort bei der weiteren Optimierung der Produktion unterstützen und sich um die Integration der Mitarbeiter in den Produktionsprozess kümmern.

Hintergrund der Pläne, für die Nomaden in dieser Region schnell komfortable Behausungen zu bauen, sei die Verhinderung der Landflucht, sagt Rongen. Der amtierende Parlamentspräsident des Landes, der neuer Regierungschef werden wolle, habe sich die schnelle Schaffung besserer Wohnungen auf seine Fahne geschrieben und sei daher von diesem Projekt begeistert.

Fertiggestellt ist inzwischen auch das Technical Experience Centre im deutsch-chinesischen Ökopark in Qingdao. Im Juli 2014 hatte Rongen im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und des chinesischen Premierministers Li Kequiang den Architekturvertrag dazu unterschrieben. Dieses Passivhaus in seiner ganz ungewöhnlichen Form wird multifunktional genutzt, etwa für Konferenzen, Schulungen, Konzerte, als Bürofläche oder auch zum Probewohnen.

Wie ein Flusskiesel

„Es ist inzwischen ein in ganz China bekanntes Gebäude, auf das die Chinesen stolz sind“, freut sich Rongen. Es sei einem Flusskiesel nachempfunden, erzählt er von seiner architektonischen Idee dazu. Die Chinesen hätten ihm zu Beginn der Planung erzählt, dass es an dieser Stelle früher einen Flusslauf gegeben habe, was man heute noch an den vielen Flusskieseln in der Region erkennen könne. Und so hat Rongen in seiner Planung nicht nur den zentralen Bau einem großen, weißen Kiesel nachempfunden, sondern auch das vorgelagerte Café und die Lüftungsschächte.

Gerade erst zurückgekehrt ist er schließlich aus Moldawien, wo er der Eröffnung des ersten Kindergartens im Passivhaus-Standard beiwohnen durfte. Hintergrund seien hier die hohen russischen Energiepreise, die dazu geführt hätten, dass nur noch Krankenhäuser, Kindergärten und Altenheime geheizt werden könnten, so Rongen. Daher habe die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) dieses Projekt zusammen mit dem Sozialinvestmentfonds Moldawiens realisiert. Sowohl bei der Grundsteinlegung als auch jetzt bei der Eröffnung sei Moldawiens Premierminister Pavel Filip vor Ort gewesen.

Viele Projekte

„Und dieses Projekt hat wiederum den Anstoß gegeben für Projekte in der Ukraine.“ Rongen trägt das Passivhaus-Konzept von Wassenberg aus in die ganze Welt, durch seine Lehre in Erfurt und zwei weitere Professuren in China, durch seine Vorträge, seine Bücher, seine Pilotprojekte, von denen auch die Christuskirche in Heinsberg eines ist. Es gibt schon ein Altenheim, eine Tagesklinik und eine Schule im Passivhaus-Standard, neben zahlreichen Einfamilienhäusern natürlich.

In Euskirchen wird in Kürze ein Internat hinzukommen, und in Frankreich steht das erste ganz allein von Studenten gebaute textile Passivhaus, das als Wettbewerbsprojekt entstand. Was die Passivhäuser aus den alten Schiffscontainern betrifft, habe daran jetzt auch schon die staatliche chinesische Eisenbahngesellschaft Interesse angemeldet, verrät Rongen schließlich noch.

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