Kompletter Bundestag auf 16 Metern

Von: Rainer Herwartz
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Rege Gespräche im Truck des Deutschen Bundestages: Viele Fragen an die Mitarbeiter des Referates für Öffentlichkeitsarbeit haben einen sehr persönlichen Hintergrund. Foto: Rainer Herwartz
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Bürgermeister Wolfgang Dieder (Mitte) und Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus (links) lassen sich von Michael Kresin den Truck erklären. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Mit über drei Millionen Besuchern im Jahr ist der Bundestag in Berlin als Parlament in der Touristengunst weltweit nicht zu toppen. In Deutschland gebe es überhaupt nur noch eine Attraktion, die häufiger von den Menschen in Augenschein genommen werde, sagt Michael Kresin, und das sei der Kölner Dom.

Damit jedoch auch die Bürger die Chance haben, den Bundestag kennenzulernen, die vielleicht nicht in der Lage sind, hunderte Kilometer bis in die Hauptstadt zurückzulegen, macht sich das Parlament seit 1990 quasi selbst auf die Socken und bereist in jedem Jahr die Wahlkreise der Republik. Na ja, zumindest ein riesiger Truck, prall gefüllt mit drei freundlichen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit und jeder Menge Informationsmöglichkeiten, in gedruckter Form ebenso wie in digitaler oder gleich per Klick vom Truck ins Internet. Noch bis zum Samstag steht der 16 Meter lange Laster des Bundestages nun auch auf dem Heinsberger Marktplatz.

„Die Anfänge wurden vor über 20 Jahren in den neuen Bundesländern gemacht“, erzählt Kresin. Denn da habe es naturgemäß nach dem Fall der Mauer den größten Nachholbedarf an Informationen gegeben. Von März bis Oktober stünden normalerweise 60 Wahlkreise auf der Reiseroute, doch in diesem Jahr seien es wegen der anstehenden Bundestagswahl nicht ganz so viele. Gegen Ende der heißen Wahlkampfphase stehe der Truck lediglich vor dem Bundestag, weil auf diese Weise verhindert werden soll, dass einzelne Parteienvertreter seine Präsenz zu sehr für eigene Werbezwecke nutzen. In den letzten 15 oder 16 Jahren habe das weiße Info-Flaggschiff des Bundestages auch schon etwa viermal im hiesigen Wahlkreis Station gemacht.

„Wir stellen oftmals fest, dass die einzelnen Gremien und Verfassungsorgane bei den Menschen nicht so bekannt sind und wir häufig mit der Bundesregierung verwechselt werden“, sagt Kresin. Doch das nimmt der 49-Jährige gelassen. Schließlich sei er selbst aufgrund seiner Namensähnlichkeit jahrelang für einen Sohn des Zollfahnders Kressin gehalten worden, der in sieben Folgen des ARD-Tatorts in den 70er Jahren als eine Art Vorläufer von Schimanski für Furore sorgte.

Auch wenn es in erster Linie darum gehe, den Bürgern die Arbeitsweise des Parlaments zu verdeutlichen oder Fragen nach den Gehältern der Abgeordneten zu beantworten oder warum denn der Plenarsaal häufig so leer sei, „müssen wir oft auch den Kopf für die Tagespolitik hinhalten“. Selbst wenn ein Abgeordneter des Bundestages sich im Infomobil selbst den Fragen der Besucher stelle, so wie am Freitag zwischen 15 und 17 Uhr der Aachener Linken-Vertreter Andrej Hunko, könne es durchaus sein, dass Gäste des Infomobils lieber mit ihm, Kresin, oder seinen beiden Kollegen Klaus Deuker und Klaus-Ulrich Heukamp sprächen, weil sie den direkten Kontakt zu einem Abgeordneten des Hohen Hauses eher scheuten.

Bei Kindern gebe es in der Regel solche Berührungsängste nicht. Deshalb sei es auch ein wenig schade, dass der Termin in Heinsberg genau in die Osterferien falle und daher wohl nicht mit Schulklassen zu rechnen sei, die sonst das Angebot gerne wahrnähmen. Zu diesem Zweck besitzt der Truck eine neu eingerichtete Kinderecke, wo der Bundestag auf spielerische Weise erklärt wird.

Für die älteren Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren gibt es zudem die Internetplattform „Mitmischen“, die sich verstärkt mit Jugendthemen befasse und sogar das Chatten mit den Abgeordneten erlaube. Wer sich dann noch intensiver mit der Materie befassen möchte, kann dies als „Parlamentsprofi“ tun. Hier kann sogar ein Gesetz initiiert und auf seinem Weg durch die Instanzen begleitet werden.

„Ich genieße es sehr, die unterschiedlichen Regionen kennenzulernen“, geht Kresin immer wieder gerne auf Tour. „In Heinsberg ist das für mich besonders schön, weil meine beste Freundin, die auch meine Trauzeugin war, aus Heinsberg kommt.“

Auch Bürgermeister Wolfgang Dieder, der am Donnerstag mit Ordnungsamtsleiter Wolfgang Paulus im Truck des Bundestages vorbeischaute, ist von der Idee, die hinter dem Konzept steht, begeistert: „Ich finde es nicht nur gut, sondern sehr wichtig, dass der Bundestag über seine Arbeit berichtet und dies den Bürgern näher bringt, dass auch Kinder hier sehen können, was machen die da eigentlich. Deshalb haben wir auch sofort zugegriffen, als wir das Angebot erhielten. Am Markt ist genau der richtige Ort.“

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