Komödie „Männerhort“: Leichte Kost vor ernstem Hintergrund

Von: Johannes Bindels
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Komödie „Männerhort“: Die Burghofbühne Dinslaken gastierte in Heinsberg. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Mit der Komödie „Männerhort“ des Schriftstellers Kristof Magnusson, von der Burghofbühne Dinslaken in der Begegnungsstätte aufgeführt, ging das Aufführungshalbjahr der Veranstaltungen der Kulturgemeinde Heinsberg zu Ende.

Ein Stück leichtes Theater über Shopping, Beziehungsprobleme und geschlechtsspezifische Bedürfnisse, die ein hartes Stück Arbeit für die vier Akteure Patric Welzbacher (als Helmut), Markus Penne (Eroll), Felix Lampert (Lars) und Arno Kempf (Mario) bedeuteten.

Schwangere Freundin

Der Ort der Handlung ist ein Kellerraum in einem Kaufzentrum, als spärliches Bühnenbild geschickt gestaltet wie eine große Kiste. Dorthin flüchteten drei Freunde vor den „Schrecken“ des gemeinsamen Einkaufsbummels mit den Partnerinnen. Helmut, der arbeitslose Pilot, der seine Arbeitslosigkeit vor den Freunden und seiner Freundin verheimlichte.

Eroll, sich als Frauenversteher gerierend und in Wahrheit ein Harmoniebedürftiger, der den Druck eines Streits durch Reden zu entschärfen versuchte. Lars, von einer Affäre in die andere geratend und, um sein Ego aufzubauen, in die Rolle des Machos flüchtete. Und so war klar, dass auf seinem Mobiltelefon verschiedene Klingeltöne den Anruf seiner schwangeren Freundin und die Anrufe der amourösen Bekanntschaften unterscheidbar machten.

Der Kellerraum wurde zum Rückzugsort der Freunde, der männermäßig eingerichtet wurde. Sofa, Bier, Fernseher und eine selbstgebastelte Antenne aus einem alten Bügel sind die wenigen Utensilien, welche die Männer für ihr Paradies brauchten. In diesem Umfeld klagten die drei Freunde über ihre Beziehungen, immer jedoch mit festen Rollenbildern verbunden. In diese vermeintliche Idylle platzte Mario, der Brandschutzbeauftragte des Einkaufzentrums, der bei seinen Kontrollgängen den Männerhort entdeckte.

Er ist der praktisch Begabte mit dem eher einfach strukturierten Weltbild. Aber auch er hat nach nur zwei Wochen Ehe schon Beziehungsprobleme. Das Belügen der Partnerinnen einte jedoch alle. Wenn Lars – „ich bin Führungskraft“ – Meetings mit Geschäftsfreunden vortäuschte, war Helmut in therapeutischen Sitzungen. Die Sprache der Männer spiegelte ihr Weltbild wider. „Was nutzt dem Mann seine Potenz, wenn die Frau eine Blasenentzündung hat“, gereichte Lars als Entschuldigung fürs Fremdgehen.

Wenn Selbst- und Fremdtäuschung anfänglich das Verhalten zwischen den Männern vorgab, so mussten alle am Ende doch ihre Verunsicherung durch das Leben zugeben, obwohl Schwäche zuzugeben die größte Barriere für die Männer darstellte. So wurde der Kellerraum zur letzten Zuflucht der eigentlich gescheiterten Existenzen. „Ich wohne jetzt auch hier“ und „wir haben da draußen kein Leben mehr“, gaben neben Helmut auch Lars und Mario ihren Rausschmiss zu Hause zu.

Lars, nicht zeugungsfähig, musste zugeben, dass er für die Schwangerschaft seiner Frau gar nicht in Frage komme. Während er mit der Frau von Eroll schlief, war dieser mit Lars‘ Partnerin zusammen und für die Schwangerschaft verantwortlich. Mario, der unbeholfene Bär von Mann, lernte seine neue Bekanntschaft kennen. Und Helmut offenbarte seine Schwäche, aus Feigheit seine Arbeitslosigkeit verschwiegen zu haben.

Als Spion verkleidet

Das Bühnenbild blieb unverändert und forderte so die ganze Schauspielkunst der Akteure heraus. Es gelangen einige erheiternde Szenen. Zum Beispiel, als die Männer trainierten, wie sie sich beim Einkaufsbummel geschickter den Frauen gegenüber verhalten könnten. Komödiantische Höhepunkte waren die Verkleidung Marios als Spion und der Versuch, sich zu zweit auf dem Sofa zum Schlafen hinzulegen.

Trotz eher leichter Kost mit manch ernstem Hintergrund gelang dem Ensemble eine überzeugende Leistung.

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