Kommunalwahl: Mispelbaum setzt auf handfeste Themen

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Bei der Kommunalwahl im Mai hofft Willi Mispelbaum darauf, dass vor allem jüngere Wähler an der Urne für ihn und die Politik der Grünen stimmen. Foto: dpa
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Der 56-jährige Willi Mispelbaum möchte in Heinsberg Bürgermeister werden.

Heinsberg. Beinahe wäre es zu einem Wettstreit um den Heinsberger Bürgermeistersessel gekommen, der ausschließlich von „Wiederholungstätern“ bestritten wird. Nachdem der amtierende Wolfgang Dieder seine erneute Kandidatur erklärt hatte und von der CDU bestätigt wurde, warf auch der SPD-Vorsitzende Dr. Hans Josef Voßenkaul erneut seinen Hut in den Ring – wie schon 2009.

Bei den Grünen gibt es jedoch eine Änderung. An die Stelle der damaligen Herausforderin Birgit Ummelmann von den Grünen tritt diesmal jedoch Ortsverbands-Sprecher Willi Mispelbaum. Unser Redakteur Rainer Herwartz sprach mit dem Newcomer unter den Bürgermeister-Kandidaten.

Sich als Bürgermeisterkandidat einer Partei ins Rampenlicht zu begeben, ist ja durchaus eine Herausforderung. Hat es einer Menge Überredungskunst bedurft, Sie zu diesem Schritt zu bewegen, oder haben Sie sich selbst ins Spiel gebracht?

Mispelbaum: Grundsätzlich hatte ich mir über eine Bürgermeister-Kandidatur zunächst gar keine Gedanken gemacht, bis ich von mehreren Mitgliedern unseres Ortsverbandes direkt angesprochen wurde, mich doch für dieses Amt zur Verfügung zu stellen und zu kandidieren.

War es denn für Sie eine leichte Entscheidung?

Mispelbaum: Aufgrund des mir damit entgegengebrachten Vertrauens in meine Eignung habe ich darüber einige Wochen nachgedacht, Gespräche geführt und auch Informationen gesammelt und mich dann entschlossen, als Bürgermeister zu kandidieren. Es bedurfte somit keiner großen Überredungskunst. Meine Motivation für diese Kandidatur ist aber auch darin begründet, weil Heinsberg mein Geburts- und Wohnort ist, in dem ich nun schon seit 56 Jahren lebe, dessen Strukturen und Besonderheiten ich kenne und dem ich mich verbunden fühle.

Grundsätzlich hatten die Grünen in der Vergangenheit im „schwarzen“ Heinsberg stets einen schweren Stand. Liegt es an den Themen, für die sie in den Augen der Bevölkerung stehen?

Mispelbaum: Es ist richtig, dass wir es als Grüne in der Vergangenheit hier in Heinsberg nicht immer einfach hatten. Ob es an den Themen gelegen hat, kann ich nicht beurteilen. Möglich ist auch, dass sogar bundespolitische Gründe eine Rolle gespielt haben. Mit der von mir vertretenen Kommunalpolitik möchte ich neue Akzente setzen, innovative Wege gehen und konservatives Denken und Handeln durchbrechen. Ich bin zuversichtlich, viele Heinsberger und Heinsbergerinnen mit den Themen, für die ich stehe, überzeugen zu können.

Traut man Ihrer Partei denn vielleicht nicht zu, eine Kommune wie Heinsberg führen zu können?

Mispelbaum: Ob man uns Grünen nicht zutraut, eine Kommune wie Heinsberg zu führen, kann ich nicht beurteilen. Das müsste man die Wähler fragen. Mittlerweile sollte dies eigentlich kein Thema mehr sein, denn ein grüner Ministerpräsident, 37 grüne Bürgermeister und sechs Oberbürgermeister haben schon unter Beweis gestellt, dass Grün es nicht nur kann, sondern es auch besser machen kann! Ich kann nur sagen, ich traue es mir zu und bin zuversichtlich, unsere Stadt Heinsberg gemeinsam mit der Verwaltung in eine vielversprechende Zukunft zu führen.

Die Fraktionssprecherin der Grünen im Rat, Birgit Ummelmann, landete bei der letzten Bürgermeisterwahl am Ende abgeschlagen bei 8,1 Prozent der Wählerstimmen. Wie sehen Sie Ihre Chancen im Mai?

Mispelbaum: Ich sehe der Kommunalwahl zuversichtlich entgegen. Ich denke, wir sind als Grüne hier in Heinsberg richtig aufgestellt und ich gehe davon aus, dass wir viele Themen in unserem Kommunalwahlprogramm berücksichtigen, die von allgemeinem Interesse hier in Heinsberg sind. Wir sagen den Wählern vorher, was wir vorhaben und was sie von uns erwarten können. Von den Christdemokraten kommt da meines Erachtens in dieser Detailtiefe recht wenig.

Was meinen Sie damit genau?

Mispelbaum: Ich vermisse klare Positionierungen zu bestimmten Themen. Ich bin mir nicht sicher, ob deren Taktik „nichts zu versprechen, um nachher nichts halten zu müssen“ weiterhin aufgeht. Auch bezweifle ich, dass viele Bürger in Heinsberg weiterhin eine Einparteien-Regierung wünschen, für die Bürgerbeteiligung schon fast ein Fremdwort ist und die ihren Regierungsanspruch demonstrativ durchsetzen will, wie zum Beispiel in der Schulpolitik im letzten Jahr. Ich denke, viele Heinsberger wollen nicht länger von einer schwarzen Ratsmehrheit bevormundet werden, sie wollen mitreden und mitgestalten und deshalb ist es Zeit für Erneuerung! Außerdem sind seit der letzten Kommunalwahl fünf Jahre vergangen und damit werden eine Menge jüngerer Wähler jetzt wählen dürfen. Ich gehe davon aus, dass die jüngeren Wähler eher Parteien mit innovativen Themen wählen, statt konservatives Denken und Handeln weiter zu unterstützen.

Sie fungieren als sachkundiger Bürger im Bauausschuss sowie im Schul- und Kulturausschuss. Sehen Sie in diesen Bereichen auch Ihre wesentlichen Talente?

Mispelbaum: Aufgrund meiner persönlichen Interessen und Erfahrungen im Bereich Bauen sowie als dreifacher Familienvater ist es sicherlich mein Anliegen, mich in den beiden genannten Bereichen einzubringen. Daneben sehe ich aber meine Interessenschwerpunkte auch in den Bereichen Soziales, Bürgerrechte, Umwelt- und vor allem Tierschutz.

Apropos Talent – als passionierter Zauberer sind Sie ja ein Meister der Illusion. Haben Sie den Eindruck, dass derlei Fähigkeiten in der Politik bisweilen hilfreich sein können?

Mispelbaum: Als regional bekannter Zauberkünstler habe ich mit dieser Frage gerechnet. Manchmal wünschte ich mir schon, richtig zaubern zu können, um so alle Probleme einfach eliminieren zu können. Aber dies ist eben ein Wunschtraum. In der Kommunalpolitik möchte ich jedoch keineswegs illusionieren, hier möchte ich mit handfesten Themen überzeugen und Heinsberg voranbringen. Ich möchte etwas bewegen, ich möchte mehr gestalten statt verwalten.

Wenn man sich die Zielsetzungen von Kandidaten und Ratsparteien anschaut, unterscheiden die sich in vielerlei Hinsicht kaum. Alle wollen den Schuldenabbau in der Haushaltskasse, eine gute Bildung für die Kinder, mehr Arbeitsplätze durch Gewerbeansiedlungen oder Umwelt- und Klimaschutz. Gibt es dennoch eine Art Maxime, die Sie dabei von den anderen unterscheidet?

Mispelbaum: Jede Ratspartei und jeder Kandidat würde grob fahrlässig handeln, Themen wie zum Beispiel die Haushaltskonsolidierung, Bildung und Arbeitsplätze nicht in den Fokus zu nehmen. Von daher unterscheiden sich die Zielsetzungen zu diesen Themen wohl kaum voneinander. Ich denke die Unterschiede liegen in anderen Bereichen. Gerade zu Themen des Umweltschutzes haben wir Grünen mehr Antworten als andere, die lediglich das Thema selbst nennen. So spreche ich mich gegen Fracking und Massentierhaltung im städtischen Umland aus und lehne auch den „Gülletourismus“ aus den Niederlanden ab, der unsere ohnehin schon nitratbelasteten Böden überproportional belastet. Daneben möchte ich einen Jugend-, Senioren- und Behindertenbeirat etablieren, der die Interessen der einzelnen Gruppen nach vorne bringt. Auch einen Sozialpass für Geringverdiener möchte ich einführen, um diesen die Teilnahme an diversen Veranstaltungen zu ermöglichen. Das Jugendangebot in Heinsberg sehe ich als dringend verbesserungswürdig an. Auch möchte ich die Hundesteuer langfristig abschaffen, wenn es unser Haushalt wieder erlaubt.

Verzeihen Sie, ich bin selbst Hundebesitzer, aber das riecht ein wenig nach Wählerfischen mit netten Gefälligkeiten.

Mispelbaum: Ich möchte betonen, dass es mir dabei nicht um populistischen Wahlkampf und um Wählerstimmen der Hundehalter geht, sondern dass es meine Überzeugung und Einstellung zum Thema ist.

Und wie war das nun mit der Maxime?

Mispelbaum: Wenn Sie mich auf eine Maxime ansprechen, dann möchte ich klar sagen: Ich stehe für ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung, Mitgestaltung und Transparenz, die ich in der von mir beabsichtigten Ausprägung von keinem anderen Kandidaten vernommen habe. Als Bürgermeister möchte ich für die Bürger da sein, ich identifiziere mich mit ihnen und möchte ein offenes Ohr für ihre Belange haben. Ich bin einer von ihnen und deshalb lautet mein Wahlspruch: „Einer von uns – einer für uns!“

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