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Kommentiert: Die Attacken von Wassenberg und die Folgen

Ein Kommentar von Thorsten Pracht

Kaum waren unsere Berichte über den Angriff auf drei Asylbewerber in Wassenberg im Internet erschienen, da begann auch schon der Kampf um die Deutungshoheit. Was wohl passiert wäre, wenn ein Deutscher von einer „ethnischen Clique“ vermöbelt worden wäre?

Vermutlich, so mutmaßt der Internetnutzer „Chiricahua“ im Meinungsbereich unserer Internetseite, hätte die Zeitung nicht darüber berichtet. „Peter001“ schiebt seinem Kommentar voraus, für ein buntes Deutschland zu sein. Aber vielleicht sei einer der sieben Schläger ja vorher von einer Gruppe Ausländer angegriffen worden. Darüber würde dann „halt nicht geschrieben“.

Es ist schon bemerkenswert, welchen Schwachsinn manche Gehirne produzieren. Aber es ist eine Errungenschaft unserer Gesellschaft, dass jeder seine Meinung äußern darf.

Fest steht: Die Attacken von Dienstag am Wassenberger Busbahnhof haben Spuren hinterlassen. Wobei reflexartige Bestürzung fast das Mindeste ist, was man nach dem brutalen Überfall erwarten darf.

Noch mal zum Mitschreiben für alle Möchtegern-Kommentatoren in der Tiefe des Internets: Sieben Täter haben drei Menschen angegriffen. Mit Schlagwaffen. Vermummt. Einer der Überfallenen wurde so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Es bedarf keiner zusätzlichen Informationen über Nationalität oder Religionszugehörigkeit der Täter und der Opfer, um festzustellen: Hier handelt es sich um eine Straftat, und um eine besonders feige und schäbige obendrein.

Diese Tat allein, ganz ohne fremdenfeindlichen Hintergrund, ist zu brandmarken. Nimmt man den Kontext dazu, dass die Täter der rechten Szene zuzuordnen sind, Wassenberg ein Tummelplatz dieser Szene ist und die drei Opfer obendrein Asylbewerber waren, beginnt aus bestimmten Ecken plötzlich ein waberndes Rechtfertigungsgelabere.

Vielleicht sind die drei Opfer ja bei Rot über die Straße gegangen? Oder haben in der Nase gebohrt? Genauso funktionieren Pegida & Co.: Ängste schüren, Dinge in die Welt setzen und darauf setzen, dass irgendjemand schon auf das Pferd aufspringen wird.

Leider schwingt nach solchen Taten immer eine gehörige Portion Hilflosigkeit mit. Der einzige der sieben Täter, der gefasst werden konnte, ist wieder auf freiem Fuß. Der Rest der Bande könnte unentdeckt bleiben und dürfte auch in Zukunft rechtes Gedankengut verbreiten.

Zudem belegen die Zahlen der Aachener Polizei, dass die Zahl der rechten Straftaten im Kreis stetig ansteigt. Am Dienstag wird es eine Mahnwache am Tatort gegen, die Wassenberger Grünen heben das Thema wieder auf die politische Agenda. „Wir stehen für ein friedliches, weltoffenes und tolerantes Wassenberg“, schrieb die Fraktion am Freitag an den Bürgermeister. Lobenswert und gleichzeitig schade, dass so etwas überhaupt betont werden muss.

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