Wegberg - Klinik-Skandal: Prozess vor dem Abbruch

Klinik-Skandal: Prozess vor dem Abbruch

Letzte Aktualisierung:
Wegberg Antonius-Klinik neu
Die Wegberger Antonius-Klinik steht vor einem Neuanfang. Foto: dpa

Wegberg. Der Prozess um den Wegberger Klinik- Skandal steht vor dem Aus. Ein Schöffe sei schwer erkrankt und könne am weiteren Verfahren vermutlich nicht mehr teilnehmen. Das bestätigte ein Gerichtssprecher am Donnerstag.

Das Gericht prüfe nun, in der kommenden Woche ein Teilurteil für einen Tatkomplex zu fällen und den Prozess dann abzubrechen. Das Verfahren müsse dann mit einem anderen Schöffen neu gestartet werden. Zuvor waren am Donnerstag bereits zwei der sieben angeklagten Ärzte freigesprochen worden.

Sie hatten an einem Verbandswechsel bei einer Patientin mitgewirkt, die kurz darauf gestorben war. Es sei nicht erwiesen, dass bei dieser Behandlung, wie in der Anklage behauptet, Zitronensaft in die Bauchwunde der schwer kranken Frau gegeben wurde, befand das Landgericht in Mönchengladbach unter Vorsitz von Richter Lothar Beckers. Gegen fünf Mediziner wird weiter verhandelt.

Die Staatsanwaltschaft hat dem ehemaligen Klinik-Besitzer und Chefarzt Arnold Pier vorgeworfen, für den Tod von sieben Patienten und für mehr als 60 Fälle von Körperverletzung verantwortlich zu sein. Pier habe aus Profitstreben seinen Patienten gesunde Organe entnommen und an teuren Medikamenten gespart, so die Anklage. Um teure Desinfektionsmittel zu sparen, sei zu den Zitronen gegriffen worden. Pier und seine Verteidiger haben die Vorwürfe bestritten und die Verwendung des Zitronensaftes als medizinisch vertretbar verteidigt.

Nicht nur die Verteidiger, auch die Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Freisprüche für die 37 und 48 Jahre alten Mediziner beantragt. Ihnen war Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen worden. Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass eine unzulässige Operation außerhalb des OP-Saales auf der nicht sterilen Intensivstation als Verbandswechsel getarnt wurde. Die beiden Ärzte waren nur wegen dieses Tat-Komplexes angeklagt. Während der Beweisaufnahme des Gerichts hatten Zeugen ihre Aussagen gegenüber früheren Befragungen aber deutlich abgeschwächt.

Ein Gutachter hatte den Einsatz von Zitronensaft bei Operationen als gesundheitsgefährdend kritisiert. „Wir würden das nicht am Patienten ausprobieren wollen. Das ist fast wie Salzsäure”, sagte Professor Sebastian Lemmen vom Aachener Uni-Klinikum. Der Einsatz am Menschen habe „experimentellen Charakter”. Bei einer derart ungewöhnlichen Behandlung hätte die Zustimmung der Patienten eingeholt werden müssen.

Pier hatte die wirtschaftlich angeschlagene Klinik in Wegberg bei Mönchengladbach zum 1.1.2006 übernommen. Der Hauptangeklagte war Klinik-Besitzer, Chefarzt und ärztlicher Direktor in einer Person.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert