„Klimaschutz rund um die Burg“: Bürger bringen sich bei Workshop ein

Von: Anna Petra Thomas
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Fleißig notierten die Teilnehmer ihre Ideen auf grüne Pappkarten. Foto: Anna Petra Thomas
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Prof. Dr.-Ing. Isabel Kuperjans moderierte die Bewertung aller eingegangenen Ideen. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. „Wir haben schon eine Menge getan. Aber ich denke, wir könnten noch mehr tun.“ Mit diesen Worten begrüßte Bürgermeister Manfred Winkens die Bürger, die sich zum interaktiven Workshop unter dem Motto „Klimaschutz rund um die Burg“ in der Begegnungsstätte am Pontorsonplatz zusammengefunden hatten.

Nur gut ein Dutzend Interessenten waren dem Aufruf der Stadt gefolgt, doch sollte sich im Laufe des Abends zeigen, dass genau sie auch sehr interessante Ideen mitgebracht hatten. Sicherlich höre man immer wieder, dass das Tun eines Einzelnen nicht viel bringe, doch als Stadt müsse Wassenberg auch eine Vorbildfunktion haben, so Winkens. So werde etwa das Parkbad mit Biogas beheizt, alle städtischen Gebäude seien energetisch saniert und fast alle würden mit Blockheizkraftwerken betrieben.

Bevor Prof. Dr.-Ing. Isabel Kuperjans, Geschäftsführende Direktorin des Instituts Nowum-Energy der FH Aachen, den Teilnehmern des Workshops noch einmal die Ausgangszahlen zum Klimaschutzkonzept vorstellte, die sie auch den Mitgliedern des Wassenberger Planungs- und Umweltausschuss bereits präsentiert hatte, ergriff Hermann-Josef Limburg das Wort. Er ist in der Stadtverwaltung für das Thema Klimaschutz zuständig.

Das Klimaschutzkonzept solle keinen umfangreichen Maßnahmenkatalog enthalten, so Limburg, „Es sind wenige, gezielte Maßnahmen festzulegen, die in einem überschaubaren Zeitraum von beispielsweise fünf Jahren umzusetzen sind, verbunden mit einer soliden Finanzierung. Dieser Katalog soll dann jährlich überprüft, aktualisiert und eventuell durch einen noch zu gründenden Klimabeirat ergänzt werden.

Vor allem der Einsatz regenerativer Energien habe noch ein riesiges Potenzial, das geweckt werden müsse, so Limburg weiter. Auf der Internetseite der Stadt könne sich zum Beispiel schon jetzt jeder Bürger mithilfe des dort zu findenden Solarpotenzial-Katasters informieren, ob sein Objekt ein geeigneter Standort für die Installation einer Solaranlage sei. Größere, zusammenhängende Solarflächen seien jedoch vorzuziehen. „Auch sollte erneut der Versuch unternommen werden, das Deponiegelände in Rothenbach als Solarpark zu nutzen“, erklärte er. „Hierzu wurden bereits wieder erste Gespräche aufgenommen.“

Weiter müsse der Ausbau der Windenergie an Land forciert werden. „Hier sind jedoch die Standorte besonders sorgfältig auszuwählen, da die Windräder auch Einfluss auf Mensch und Natur nehmen.“ Geeignete Standorte stünden im Stadtgebiet nur begrenzt zur Verfügung. Man sollte sich hier auf eine oder zwei Konzentrationsflächen beschränken, schlug er vor.

„Die größte, die schnellste, die billigste, aber am meisten vernachlässigt Option für den Klimaschutz ist die Energieeffizienz. Auch ist jeder Einzelne gefragt.“ Schon der Austausch einer alten Kühl- und Gefrierkombination der Klasse C durch ein effizientes Gerät der Klasse A+++ senke die Stromkosten um rund 100 Euro pro Jahr. Effizienz heiße, das Gleiche zu machen mit weniger Verbrauch.

Möglich sei aber auch die Konsistenz, indem man das Gleiche mache, aber anders, zum Beispiel durch den Einsatz erneuerbarer Energien. „Als weitere Strategie bietet sich auch die Suffizienz an“, erläuterte Limburg. Dies heiße, den Verbrauch durch die Veränderung von Gewohnheiten zu reduzieren, etwa durch die Verringerung der Raumtemperatur.

Die Notwendigkeit zum Umdenken sah der Experte der Stadtverwaltung aber auch im Bereich Verkehr. Hier sei die Automobilindustrie in der Pflicht, echte Alternativen zum Benzin-Fahrzeug zu bieten. Zum anderen solle sich jeder Bürger überlegen, ob er wirklich jede noch so kurze Strecke mit dem Auto fahren müsse. „Wenn wir einen Blick zu unseren holländischen Nachbarn werfen, stellen wir fest, dass das Fahrrad dort eine höhere Akzeptanz erfährt.“ In diesem Zusammenhang warf Limburg auch einen kritischen Blick auf die täglichen Fahrdienste von Eltern zu Schulen und Kindergärten. „Dass ein Drittel unserer Kinder nicht schwimmen kann, ist bereits alarmierend. Auf diese Entwicklung steuern wir auch in Bezug auf das Fahrradfahren hin.“

Nach den Informationen von Prof. Dr.-Ing. Isabel Kuperjans waren die Teilnehmer dann aufgefordert, ihre eigenen Ideen in vier verschiedenen Bereichen auf Karten zu notieren: Mobilität und Verkehr, Bauen und Wohnen, erneuerbare Energien sowie Bewusstseinsbildung. Schließlich galt es, den Ideen Punkte zu geben. Zwei Punkte konnte jeder Teilnehmer vergeben. Die meisten Punkte erhielt der Vorschlag von Thomas Lang aus Myhl, schon kurzfristig in Wassenberg eine Energiegenossenschaft zu gründen. Hier sollen eine Genossenschaftsbank, Energieversorger, Handwerker und Bürger unter der Moderation von Hermann-Josef Limburg miteinander kooperieren. Sehr gut kam auch der Vorschlag zu allgemeinen Verhaltensänderungen an, etwa im Rahmen eines sogenannten Autofastens, oder die Idee eines Energie-Sparbriefs.

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