Klimaaktivisten: Braunkohleabbau soll „Puste“ ausgehen

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
12845519.jpg
Rund 630 Braunkohlegegner und Klimaaktivisten bezogen bei ihrem Demonstrationszug in Richtung Keyenberg unmissverständlich Stellung. Auf der Wiese vor Haus Keyenberg an der Plektrudisstraße wurde im Anschluss gefeiert und angeregt diskutiert. Foto: Wichlatz
12845521.jpg
Rund 630 Braunkohlegegner und Klimaaktivisten bezogen bei ihrem Demonstrationszug in Richtung Keyenberg unmissverständlich Stellung. Auf der Wiese vor Haus Keyenberg an der Plektrudisstraße wurde im Anschluss gefeiert und angeregt diskutiert. Foto: Wichlatz
12845507.jpg
Dirk Jansen (BUND) und Todde Kemmerlich (Veranstaltungsleiter, rechts) sprachen von einem friedlichen Verlauf der Aktionen.

Erkelenz-Keyenberg. Zum Klimacamp im Rheinland sind auch in diesem Jahr wieder hunderte von Klimaaktivisten und Braunkohlegegnern nach Lützerath gekommen. Sie setzen sich in Workshops der Degrowth-Sommerschule mit alternativen Gesellschaftsformen auseinander.

Am Samstag hatten die Organisatoren des Klimacamps gemeinsam mit lokalen Gruppen und dem BUND zu einer Demonstration mit anschließendem Straßenfest eingeladen.

„Wir wollen an Borschemich entlang nach Keyenberg ziehen“, erklärte Veranstaltungsleiter Todde Kemmerlich. „Vom sterbenden Ort hin zu einem Ort, der überleben wird.“ Tatsächlich ist der aus Aachen stammende Aktivist, der den Tagebau auch monatelang für einen Dokumentarfilm bereiste, überzeugt, dass Keyenberg und die anderen vier Ortschaften nicht mehr abgebaggert werden. Für ihn deute vieles darauf hin, dass dem Tagebaubetreiber „kurz über lang die Puste ausgeht“. Dies müsse daher so schnell wie möglich passieren, kurz „Braunkohleausstieg jetzt!“

Dies meint auch Dirk Jansen vom BUND. Er bemängelt den „zynischen Umgang mit den Betroffenen“, die weiterhin im Unklaren gehalten würden. „Wer weiß, ob es das Unternehmen in zehn Jahren noch gibt“, sagte er. Schlimmstenfalls treffe das Ende des Tagebaus genau in der Phase des Rückbaus der Ortschaften ein. „Dann sind die Orte abgerissen, aber es wird nicht mehr in den Boden gegangen“, beschrieb er das Szenario. „Wie sollte man das den Umsiedlern verständlich machen?“

Die Leitentscheidung der Landesregierung habe kein „klares Ausstiegsszenario“ vorgegeben. Eine klare räumliche Begrenzung und eine zeitliche Vorgabe hätten Planungssicherheit geschaffen. Die Landesregierung habe sich „elegant aus der Affäre gezogen“ und RWE Power den Ball zugespielt. „Da unten liegen noch rund 2,5 Milliarden Tonnen Braunkohle“, betonte Jansen. Ohne eine klare Entscheidung darüber, wie damit umgegangen werden darf, bliebe für die Menschen im Revier weiterhin Unsicherheit.

Rund 630 Teilnehmer sammelten sich an der L277, um von dort aus über die Immerather Straße den Marsch durch den schon fast vom Erdboden verschwundenen Ort Borschemich anzutreten. Menschen aus den umliegenden Ortschaften waren zumeist als Zaungäste vertreten oder gehörten den üblichen Bürgerinitiativen an. „Die meisten haben Angst, denn sie stecken bis zum Hals in Verhandlungen mit RWE Power“, sagte Oliver Kanneberg aus Kuckum. Man habe Angst, bei der Entschädigung schlechter davonzukommen, wenn man Kritik anmeldet.

Zusätzlich verunsichert seien die Betroffenen durch den Druck, der von RWE Power ausgehe. „Derzeit werden in Rekordgeschwindigkeit Häuser aufgekauft“, berichtete er. Gleichzeitig habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der gemeinsame Umsiedlungsstandort mit rund 56 Hektar deutlich kleiner ausfalle als anfangs geplant.

Von der Einmündung zur L277 ging es über die Autobahnbrücke hinein in den Ort, den es nicht mehr gibt. Viele der Teilnehmer hatten so etwas vorher noch nicht gesehen und schossen Fotos von dem, was von dem rund tausend Jahre alten Dorf übrig geblieben ist. Eskortiert wurden sie von Polizeieinsatzkräften, die ebenso wie die Organisatoren der Demo um einen problemlosen Umgang miteinander bemüht waren.

Auch wenn der riesige Bagger in Sichtweite war, blieben Versuche einer Besetzung, wie sie im vergangenen Jahr stattgefunden hatten, aus. Von Borschemich ging es nach Keyenberg, wo auf der Wiese vor Haus Keyenberg an der Plektrudisstraße gefeiert und angeregt diskutiert wurde. Die Veranstalter sprachen von einem rundum friedlichen Verlauf der Veranstaltungen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert