Klimaaktivisten besetzen Wilhelm-Krapoll-Haus

Von: Helmut Wichlatz
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Klimaaktivisten haben sich im Wilhelm-Krapoll-Haus eingerichtet. Sie wollen das Gebäude der Bevölkerung „zurückgeben“. Foto: hewi
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Diese Aktivisten setzten sich am Donnerstag auf kreative Weise am Tagebau Garzweiler für den Ausstieg der Braunkohleverstromung ein.

Erkelenz-Immerath. „RWE zerstört – wir bilden“. Unter diesem Motto besetzten am Donnerstagvormittag Klimaaktivisten das Wilhelm-Krapoll-Haus an der Jackerather Straße. Dort soll nach dem Willen der Braunkohlegegner eine „Schule des Kohleausstiegs“ entstehen.

Ob es so weit kommen wird, hängt vor allem von der Polizei ab, die bislang auf eine Räumung des Gebäudes verzichtet hat, vor Ort aber verstärkte Präsenz zeigt.

Auch wenn die Zukunft der Schule ungewiss ist, setzten die Besetzer gleich auf Manpower und begannen sich einzurichten. Neben Schulungs- und Seminarräumen gibt es einen Raucherraum, eine Küche und Ruheräume.

Joachim Hesse vom Presseteam des Klimacamps gab sich zuversichtlich. Auf die Frage, ob es eine im Vorfeld geplante Aktion sei und ob deshalb in diesem Jahr von einer Besetzung des Braunkohlebaggers abgesehen werde, antwortete er ausweichend. Auch wenn es sich bei der Besetzung um eine „spontane Sache“ handele, müsse diese vorher natürlich organisiert sein. „Die Vorbereitungen haben nicht heute Morgen begonnen.“

„Wenn die Polizei uns nicht rausholt, bleiben wir drin“, erklärte er. Dies würde bedeuten, dass die Braunkohlegegner auch über das Ende des Klimacamps am Wochenende hinaus neben dem Camp im Hambacher Forst eine weitere Aktionsbasis im Rheinischen Revier hätten. Der Braunkohlebetreiber hielt sich zumindest am Donnerstag ebenso zurück wie die Polizei und beobachtete das Geschehen vor dem Wilhelm-Krapoll-Haus aus der Entfernung.

Während auf der Straße eine Tofu-Kanone und ein Crêpe-Stand für die Verpflegung und eine Trommelgruppe für den Soundtrack sorgten, wurde drinnen geputzt und das Workshop-Angebot vorbereitet. Ganz oben auf dem Programm standen Theater und Yoga. Für den Abend war die Premiere der englischsprachigen Fassung des Films „Beyond the red line“ vorgesehen. Der Film wurde von einem Kollektiv erstellt und beschreibt das Leben und den Kampf der Umweltaktivisten.

Das Haus solle durch die Aktion der Öffentlichkeit wiedergegeben werden, betonte Hesse beim Rundgang. Ein Nutzungskonzept werde derzeit diskutiert. Dies solle „so offen wie möglich gestaltet“ sein, erklärte er und fügte hinzu, dass die noch im Ort verbliebenen Immerather natürlich eingeladen seien, das Gebäude ebenfalls zu nutzen.

Besitzer des denkmalgeschützten Hauses ist jedoch RWE Power. „Wir haben Strafanzeige gestellt und werden die rechtlichen Schritte prüfen“, sagte RWE-Pressesprecher Lothar Lampertz zurückhaltend. Einige der Besetzer hatten schon vor drei Jahren Erfahrungen mit Gebäudebesetzungen in Mannheim gemacht. „Man weiß nie, wie die reagieren“, erklärte ein Besetzer.

Die Aktion vor Ort sei jedoch wichtig, um das Thema im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern. „Eine Wende in der Klimapolitik kann nur global funktionieren“, sagte Joachim Hesse. Die Zeichen müssten jedoch dort gesetzt werden, wo die Zerstörungen für jedermann offensichtlich stattfinden.

Die Besetzung des Gebäudes in Immerath sei sicher nicht die einzige Aktion, die bis zum Ende des Klimacamps zu erwarten sei, verriet Hesse.

Parallel zur Eröffnung der Schule fanden in Immerath vor der Kirche und in Borschemich Mahnwachen statt, die ebenso wie eine Kunstaktion und eine Fahrradrallye friedlich verliefen.

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