Klerus und Gläubige zwischen Kopfschütteln und Mitgefühl

Von: Anna Petra Thomas
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Das Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes (weiß) des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst unmittelbar vor dem Dom von Limburg (Hessen). Die Kosten für den Neubau des Bischofssitzes sollen inzwischen auf 31 Millionen Euro angestiegen sein. Foto: dpa
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Ob starke Gesten ihm noch helfen, darf bezweifelt werden: Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Foto: dpa
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Propst Markus Bruns
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Regionaldekan Gottfried Maria Graaf
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Propst Thomas Wieners

Wassenberg. Betroffen von den Nachrichten, die derzeit aus dem Bistum Limburg kommen, zeigen sich auch die Geistlichen in unserer Region. Bei dem Lebensstil, den Papst Franziskus selbst führe, und seiner damit verbundenen Betonung von Armut und Bescheidenheit, stoße ein solches Finanzverhalten, wie es dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst vorgeworfen werde, natürlich noch deutlicher auf, so der Wassenberger Propst Thomas Wieners im Gespräch mit unserer Zeitung.

Bei den finanziellen Möglichkeiten eines Bischofs sei eine genaue Kontrolle notwendig. Alle relevanten Fakten müssten offengelegt werden. Mehr wolle er dazu jetzt nicht sagen, da er keine weiteren Detailkenntnisse habe, so der Propst.

Eine direkte Auswirkung der Diskussionen um den Limburger Bischof auf die Region sieht er in einer „erhöhten Sensibilisierung“, was die Verwendung von Geldern angeht. „Das wird jetzt aufmerksamer betrachtet“, sagt Wieners.

In seiner Pfarrei nehme er auf der einen Seiten ein Kopfschütteln wahr im Hinblick auf das Finanzverhalten, das dem Bischof vorgeworfen wird, auf der anderen Seite aber auch Mitgefühl mit ihm. Allerdings müsse auch ein Bischof Fehler eingestehen können, wie das für jeden Menschen notwendig sei.

Um für sich selbst zu einer Einschätzung der Situation zu kommen, blickt Wieners weiter zurück. Tebartz-van Elst, der seit 2008 Bischof von Limburg ist, habe dort kein leichtes Erbe übernommen.

„Aber wer in einem Bistum etwas Positives bewirken will, muss natürlich selber mit gutem Beispiel vorangehen, um glaubwürdig zu sein“, so der Propst. Mehr als diese allgemeinen Aussagen seien aber derzeit nicht möglich. Am Ende dieser Woche wisse man sicherlich mehr.

Die aktuelle Situation bedeute für die katholische Kirche insgesamt einen großen Vertrauensverlust und habe große Auswirkungen auf ihre Glaubwürdigkeit, meint Markus Bruns, Propst in Heinsberg. Wie sich die in den Medien geschilderten Geschehnisse im Bistum Limburg auf die Region auswirken würden, werde die Zeit zeigen, macht er sich allerdings auch jetzt schon Gedanken um Kirchenaustritte, um die Bereitschaft von Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren.

„Ich hoffe sehr, dass die Menschen hier differenzieren können und den Unterschied sehen mit den Männern und Frauen der Kirche vor Ort.“ Auch er sei von Gläubigen schon angesprochen worden, sagt er. „Die Reaktionen reichen von Enttäuschung und Sprachlosigkeit bis hin zu deutlicher Verärgerung.“

Erst am Wochenende habe er selbst zum Thema Dankbarkeit gepredigt. „Sie geht da verloren, wo Maß und Mittel verlorengegangen sind“, so Bruns. „Wir haben eine Vorbildfunktion. Unser Lebensstil und unsere Lebensweise müssen mit dem übereinstimmen, was wir vom Evangelium verkünden“. Da mache es keinen Unterschied, ob jemand Bischof, Pfarrer vor Ort oder einfach nur ein Christenmensch sei.

Wie es zu dem geschilderten, finanziellen Fiasko überhaupt habe kommen können, gelte es jetzt zu untersuchen. Eine Investition der Kirchengemeinde bedürfe grundsätzlich der Zustimmung des Kirchenvorstandes. Bei größeren Investitionen sei immer auch der Pfarrgemeinderat zu hören.

„Insgesamt stimmt mich die Situation traurig. Ein bisschen mehr Franziskus täte uns allen gut.“

Nicht detailliert äußern wollte sich Regionaldekan Gottfried Maria Graaff. Er greife gerne aktuelle Themen auf und positioniere sich auch klar. „Doch bitte, unser Bischof schweigt zu dieser Thematik bewusst, so dass ich, als sein Dekan in der Region, mich auch zurückhalten möchte“, erklärte er.

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