Klangteppiche: Die Kathedralen mit Leben füllen

Von: Helmut Wichlatz
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Neues Album aufgenommen und bearbeitet: Michael und Silvia Kempe sowie Markus Paulussen. Foto: Wichlatz

Erkelenz-Lövenich. Michael und Silvia Kempe haben sich als e-Tiefengrund weltweit mit ihren drei bisherigen Alben eine treue Fangemeinde erspielt. Das neue Album der sogenannten Voltage-Sessions trägt den Namen „Cathedrals“ und ist wieder bei dem Szene-Label Syngate Records erschienen.

Nun ist es nicht so, dass man die beiden Musiker auf Festivals antreffen oder im Radio hören würde. Denn Silvia und Michael Kempe – in Fachkreisen bekannt als Silvie und Mick von Tiefengrund – haben sich der elektronischen Musik mit analogen modularen Synthesizern zugewandt.

Ganz im Stile von Musikern wie Klaus Schulze oder der Band Tangerine Dream orientieren sie sich an der sogenannten Berliner Schule. Sie produzieren ihre elektronischen Klangteppiche und Sounds auf analogem Wege. Computer kommen erst zum Einsatz, wenn die Session abgeschlossen ist.

Die beiden sind in der regionalen Kunstszene bekannt als die Gründer der Internetplattform Kunstlabor, aus der sie sich aber zurückgezogen haben, um sich ganz ihrer Musik zu widmen. Die Ergebnisse sind musikalische Reisen in eine innere Welt.

Mick von Tiefengrund spricht von „Rückzugsmöglichkeiten“, die er mit Leben füllt. An diesem Gedanken orientiert sich auch der Titel „Cathedrals“. Auf dem Cover ist ein riesengroßes Modularsystem vor der Skyline von Manhattan abgebildet.

Die vier Stücke auf der CD tragen denselben Titel und sind zur besseren Orientierung von eins bis vier durchnummeriert. „Kathedralen sind Orte der Leidenschaft und der Selbstfindung gleichermaßen“, betont Mick. Den Stücken einen Namen zu geben, hätte auch bedeutet, den Hörern etwas vorschreiben zu wollen. Also gibt es keine Titel.

Vernetzte Szene

Mit von der Partie bei der Entstehung des Albums war diesmal auch Markus Paulussen. Der Kleingladbacher ist seinerseits ein Soundtüftler und hat das Album gemastert, also hörgefälliger ausgesteuert. Das ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe, wie Mick betont. Denn die beiden Lövenicher produzieren die Session an einem Stück und auf einer Tonspur. Deshalb könne man auch nicht wie bei Mehrspuraufnahmen das eine oder andere Instrument verstärken oder neu abmischen.

Kennengelernt haben sie sich, wie es sich für die weltweit vernetzte Szene gehört, im Internet. Dabei kommunizierten sie zuerst, ebenfalls szenetypisch in Englisch, bis sie feststellten, dass sie quasi Nachbarn sind. „Zwei ähnlich bekloppte auf so engem Raum, das ist schon eher untypisch“, erklärt Silvie. Paulussen selbst nennt einen Beitrag zum Album „Psychoakustik“, die dazu führt, dass sich die Aufnahmen „satter“ anhören.

Rund 90 Prozent der jeweiligen Sessions seien Improvisation, betont Mick. Gespielt wird ohne Unterbrechungen. Korrekturen sind nicht möglich. Ganz die alte Schule eben.

„Tiefengrund sind Kinder der 70er“, sagt Paulussen. Eine eigene Musik sei eher vom Synthiepop der 80er beeinflusst. Obwohl scheinbar ein Jahrzehnt und musikalische Welten zwischen den beiden liegen, schätzen sie sich sehr. Ihn fasziniere, welchen „sakralen Touch“ die beiden in ihre Sessions geben.

Das Album „Cathedrals – Voltage Sessions IV“ ist bei dem Spartenlabel Syngate Records erschienen.

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