Kirchenland billig verpachtet: Vorstand gibt sich zugeknöpft

Von: kalauz
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In St.Dionysius Doveren müsste vieles ausgbessert werden – doch dafür fehlt der Kirchengemeinde das Geld. Auf der anderen Seite „verschenkt“ die Gemeinde viele tausend Euro. Foto: kalauz
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Die Landwirte Hubert Schröder (li.) und Christoph Pauli kritisieren die Pachtvergabe von Kirchenland durch den Kirchenvorstand von St. Dionysius Doveren.

Hückelhoven-Doveren. Die katholische Kirche geht in die Transparenzoffensive: Nach dem Wirbel um den Finanzskandal von Limburg legen immer mehr Bistümer Rechenschaft über ihr Vermögen ab. Das gilt auch und gerade für – lange geheime – Schattenhaushalte wie die Bischöflichen Stühle oder Versorgungswerke. Viele versuchen auch, den genauen Umfang ihrer Besitztümer exakt zu ermitteln, und hinterfragen ihre Entscheidungsstrukturen in finanziellen Angelegenheiten.

Noch liegen nicht alle Zahlen vor, fest steht aber schon jetzt: Die katholische Kirche ist milliardenschwer. Für das Bistum Aachen soll es im Frühjahr erstmals einen Finanzbericht geben. Nach Angaben aus dem Vorjahr beträgt das Vermögen des Bischöflichen Stuhls neun Millionen Euro.

Dennoch sind viele Kirchengemeinden im Bistum Aachen klamm: In St. Dionysius in Doveren beispielsweise ist seit Jahren schon die Lautsprecheranlage in der Kirche defekt. Auf dem von Bäumen gesäumten Weg hoch zur Kirche sind Platten lose – eine Gefahr vor allen Dingen für ältere Kirchenbesucher. Für die nötigen Reparaturen fehlt der Gemeinde offenbar schlicht das Geld. Das ist umso verwunderlicher, als die Katholische Kirchengemeinde St. Dionysius Doveren in den nächsten zwölf Jahren auf mehr als 70.000 Euro Einnahmen verzichtet, die sie ohne einen Finger krümmen zu müssen haben könnte.

Wie im ländlichen Raum üblich, verfügt auch St. Dionysius in Doveren über beträchtlichen Landbesitz. Den beackert die Kirche natürlich nicht selbst, sie verpachtet die Flächen, meist an ortsansässige Landwirte. Vor kurzem wurden rund 30 Hektar Kirchenland neu zur Verpachtung ausgeschrieben. Christoph Pott, der auf Gut Marienhof zwischen Hetzerath und Doveren einen landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb bearbeitet, der schon seit Generationen in Familienbesitz ist, fragte ebenso wie sein Doverener Kollege Hubert Schröder beim Kirchenvorstand an, ob er aus dieser Landmasse Flurflächen pachten könne.

„Lange Zeit hörten wir gar nichts, dann bekamen wir ein Schreiben, dass ich 1,7 Hektar und Hubert Schröder 1,4 Hektar pachten könnten“, sagt Christoph Pott. Die beiden befreundeten Landwirte erkundigten sich nach den Flurstücken, sahen sich das Land an und stellten fest: „Es war von dem, was verpachtet werden sollte, das mit den schlechtesten Bodenwerten“, so Schröder. Der weitaus dickste Brocken der zu verpachtenden Ackerflächen und zudem das Land mit den besten Bodenwerten ging an den landwirtschaftlichen Betrieb des Sohnes eines Mitglieds des Kirchenvorstandes von St. Dionysius.

Der hatte in der Vergangenheit für seinen Betrieb schon immer Kirchenland gepachtet, rund 21 Hektar insgesamt. „Als wir hörten, was wir an Pacht zahlen sollten, waren wir noch mehr überrascht: 250 Euro pro Jahr“, so Christoph Pott. „Ortsüblich sind hier in der Gegend etwa 500 Euro.“ Dem Kirchenvorstand sei sogar bekannt, dass eine Kirchengemeinde im Stadtgebiet Wassenberg vor kurzem ein Stück Land bei Doveren für über 650 Euro pro Hektar verpachtet hat.

„Wir haben dann von uns aus dem Kirchenvorstand das Gespräch angeboten, einfach nur um zu erfragen, ob wir nicht vielleicht mal über die Pachtmodalitäten reden könnten“, sagt Pott. „Aber wir sind vom Kirchenvorstand einfach ignoriert worden“, ergänzt Schröder. Die beiden haben sich daraufhin an den damaligen Leiter der Gemeinde der Gemeinden, Pfarrer Jose Kallupilankal, und Regionaldekan Gottfried Graaff gewandt und ihnen ihr Anliegen vorgetragen. „Die waren entsetzt, als sie das hörten und sagten, dass man darüber reden müsse. Das sei keine geheime Sache“.

Die Landwirte Pott und Schröder sprachen daraufhin beim Bistum in Aachen vor. „Auch die waren dort unserer Ansicht“, so Pott. „Sie schrieben uns dann aber auch, dass das rechtlich sauber sei, das sei ein Beschluss des Kirchenvorstandes“, so Schröder. „Die Kirche will uns doch vermitteln, dass man christlich teilt. Dies hat der Kirchenvorstand St. Dionysius Doveren leider nicht beachtet und nicht angewandt“.

Offenbar sah sich der Kirchenvorstand von St. Dionysius Doveren nach einem Schreiben des Bistums Aachen zum Handeln gezwungen. „Wir bekamen jetzt beide zusammen 6,30 Hektar Kirchenland zur Pacht angeboten für einen Pachtzins von rund 295 Euro“, sagt Christoph Pott. Damit muss nun jeder Landwirt mehr zahlen als bisher – aber immer noch mehr als 200 Euro pro Hektar Ackerland weniger als eigentlich ortsüblich und weniger als die Hälfte des Preises zu dem eine Kirchengemeinde aus Wassenberg verpachtet. Geld, dass die Gemeinde Doveren eigentlich gut gebrauchen könnte. „Unsere Hinweise auf den zu niedrigen Pachtpreis wurden vom Kirchenvorstand ignoriert, auch hier will man nicht mit uns reden!“, so Pott und Schröder.

Berthold Kotterba, Mitglied des Kirchenvorstandes von St. Dionysius in Doveren, dessen Vorsitzender Landwirt Peter Blanken ist, gibt sich zugeknüpft, als er nach den Gründen gefragt wird, warum die Kirchengemeinde ihr Ackerland weit unter dem ortsüblichen Preis verpachtet: „Darüber brauche ich Ihnen keine Auskunft zu geben.“ Aber es wäre doch für das Verständnis nützlich, wenn er die Beweggründe des Kirchenvorstandes erläuterte, das wäre doch sicher auch im Interesse der Kirchengemeinde? „Was wir entscheiden und die Gründe dafür, die sind nicht öffentlich. Das bleibt Sache des Gremiums.“

Übrigens: Die mehr als 22.000 Katholiken im Stadtgebiet von Hückelhoven stehen seit Beginn des Jahres ohne einen regulären Geistlichen da: Gottfried Maria Graaff hat den Bischof in Aachen darum gebeten, ihn von den Aufgaben als Pfarradministrator, Pfarrvikar und Vorsitzenden des Kirchengemeindeverbandes Hückelhoven zu entbinden.

Zum 1. Januar wurde auch José Kallupilankal auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben als Pfarrer, Pfarrvikar und Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Hückelhoven entbunden. Es ist also niemand da, der dem Kirchenvorstand „auf die Finger guckt“.

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