Kirchen machen Raum für Flüchtlinge frei

Von: Ingo Kalauz
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Das Haus der Begegnung in Ratheim wird für die Unterbringung von Asylbewerbern hergerichtet. Foto: kalauz

Hückelhoven. Gut, dass Bernd Jansen eine Sekretärin hat: „Das Telefon steht nicht still“, sagt Hückelhovens Bürgermeister. Und spricht in gleichem Atemzug von „einer Welle der Hilfsbereitschaft, die nicht abebbt“. Was das Land seit ein paar Tagen erfasst hat, war in Hückelhoven schon länger handfest zu greifen: Die Flüchtlinge und Asylsuchenden, die es in die Stadt an der Rur verschlägt, werden mit einer Willkommenskultur aufgenommen, die nicht selbstverständlich ist.

Und der Wille zu helfen, nimmt eher zu als ab. Die Hilfsbereitschaft ist bei allen gesellschaftlichen Kräften zu spüren – sie hat jetzt auch die Kirchen erfasst.

Nachdem St. Gereon in Brachelen vor einigen Wochen als erste Pfarrgemeinde im Stadtgebiet eine Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt hat, ziehen nun auch die katholischen Pfarrgemeinden St. Johannes der Täufer in Ratheim und St. Barbara in Hückelhoven nach. „Wir hoffen, dass wir das Haus der Begegnung (HdB) in Ratheim schon in zwei Wochen für die Unterbringung von Asylbewerbern nutzen können“, sagt Hückelhovens 1. Beigeordneter Helmut Holländer.

Die Stadt, die seit vier Jahren bis Ende 2016 bereits Mieter des Gebäudes der Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer ist, muss noch einige Waschmaschinenanschlüsse legen, Duschgelegenheiten installieren. Dann können an der Danziger Straße in Ratheim bis zu 24 Einzelpersonen untergebracht werden. Der sakrale Bereich des HdB allerdings wird noch für kirchliche Zwecke genutzt, der Antrag auf das Entwidmungsverfahren liegt beim Generalvikariat in Aachen vor. „Man hat uns versichert“, sagt der Bürgermeister, „dass das schneller geht als üblich.“

Von einem „Gebot der Mitmenschlichkeit und Christlichkeit, der Stadt bei ihrer großen Aufgabe, die ihr zugewiesenen Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen“, spricht Pfarrer Winfried Müller. Der für die Administration der katholischen Kirche in Hückelhoven zuständige Geistliche kündigt an, dass auch die Räume von St. Barbara an der Brassertstraße in Hückelhoven in absehbarer Zeit der Stadt für die Unterbringung von Asylsuchenden zur Verfügung gestellt werden können: „Die Factory Church, also die Jugendkirche, zieht nach St. Lambertus um, und auch für das Forum, das dort noch Räume nutzt, werden wir eine Lösung finden“, sagt er.

Sein Kollege Manfred Kappertz weist darauf hin, dass auch St. Barbara noch entwidmet werden muss. Aber er betont: „Wir wollen in Hückelhoven zeigen, dass die Kirche auf Seiten der Armen und Bedrängten steht und jedem zur Seite steht, der vor Krieg und Terror flieht.“ Die Worte des Bischofs und des Papstes würden in Hückelhoven jetzt „mit Leben gefüllt“. Schon in der kommenden Woche, so Helmut Holländer, hofft man, den Mietvertrag über die 154 Quadratmeter Nutzfläche für das alte Pfarrhaus an St. Barbara unterschriftsreif zu haben.

Die Stadt steht unter enormen Zugzwang, Wohnraum für die noch zu erwartenden Asylbewerber zu finden: „Im Augenblick haben wir im Stadtgebiet 400 Flüchtlinge untergebracht“, sagt Sozialamtsleiter Heinz-Josef Schmitz. Aber: „Von diesem Monat an werden uns jede Woche 20 neue Asylbewerber zugeteilt. Das heißt, wir müssen in diesem Jahr noch rund 300 Flüchtlinge aufnehmen.“

Bürgermeister Bernd Jansen ist sicher, dass „wir das vor Ort organisatorisch hinkriegen“. Auch er schiebt ein Aber hinterher: „Das jedenfalls ist unser Signal an das Land und den Bund. Aber: Wir müssen finanziell so ausgestattet werden, das wir das weiter leisten können.“ Darüber werde zur Zeit intensiv verhandelt. Helmut Holländer in seiner Eigenschaft als Kämmerer hat exakte Zahlen parat: „Die 508 000 Euro, die wir im Haushalt für diese Zwecke eingeplant haben, reichen bei weitem nicht. Bis Ende des Jahres brauchen wir ganz sicher mindestens das Doppelte.“

Nachdem sich die katholische Kirche in Sachen Wohnraumbereitstellung deutlich geöffnet hat, scheinen auch die anderen Glaubensgemeinschaften sich zu bewegen, sagt Heinz-Josef Schmitz: „Wir können die 200 Quadratmeter große, freistehende Wohnung von Pfarrer Mischnick an der Haagstraße für einige Monate anmieten. Und auch die Freikirchliche Gemeinde in Baal hat signalisiert, dass dort Wohnraum angemietet werden kann.“

Bürgermeister Bernd Jansen betont, dass es „Philosophie der Stadt Hückelhoven ist, die uns zugeteilten Menschen dezentral unterzubringen. Denn so ist deren Integration in unsere Gesellschaft am besten möglich“.

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