Kiosk-Anschlag: 23-Jähriger unter Mordanklage

Von: Heike Ahlen
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Hückelhoven/Mönchengladbach. Der Angeklagte ist klein und zierlich. Sein jungenhaftes Gesicht versteckt der 23-jährige Dominik S. hinter einem Block. Seine Hände zittern, während er die Blätter festhält, um den Blicken der Kameraleute zu entgehen, die sich reichlich zum Prozessauftakt im Saal A100 im Mönchengladbacher Landgericht eingefunden haben.

Denn der Vorwurf gegen den jungen Hückelhovener wiegt schwer: Versuchter Mord, schwere Brandstiftung und ein Verstoß gegen das Waffengesetz.

Es geht um den 6. Mai 2013. An diesem Tag ist auch der zweite Geburtstag seines Sohnes. Doch die Beziehung zur Mutter des Jungen ist zerstört. Eine Kaffeetafel mit Großeltern gibt es für Dominik S. nicht. Er trifft sich mit drei Kumpeln in der Wohnung des einen in Hückelhoven-Ratheim am Luchsweg. Der Treffpunkt ist bekannt, hier wird getrunken und Marihuana konsumiert. Auch an diesem Tag kreist schon ab etwa 13 Uhr die Wasserpfeife. Der stärkere Alkohol soll ab etwa 19 Uhr geflossen sein.

Im wahrsten Sinne des Wortes war es wohl also eine „Schnaps-Idee“, gemeinschaftlich einen Molotow-Cocktail zu bauen, um ihn später am Tag irgendwo auf einem Feld auszuprobieren.

Mit Kindersocke und Korken

Zwei der Freunde sollen an einer Tankstelle 0,16 Liter Benzin in einer Plastikflasche gefüllt haben. Später sollen die vier Männer gemeinsam in einer kleinen Glasflasche mit einer Kindersocke und einem Korken den Cocktail gebaut haben.

Der sei, so die Anklage, dann zunächst auf der Fensterbank stehen geblieben und erst wieder in den Fokus gerückt, als man gegen 22 Uhr in Richtung eines Spielplatzes gezogen sei.

Um selbst etwas zur Tat zu sagen, sei sein Mandant heute zu aufgeregt, sagt Verteidiger Stefan Tierel. Er habe einen Suizidversuch in der Untersuchungshaft hinter sich. Der junge Mann räume aber die Tatvorwürfe ein. Dass er es gewesen sei, der den Cocktail von der Fensterbank mitnahm, sei reiner Zufall gewesen.

Allerdings sei er von den anderen aufgezogen worden, er sei ein Feigling. Den „Glück-Auf“-Kiosk der türkisch-stämmigen Sevim E. habe er nicht bewusst als Ziel ausgesucht, es sei Zufall. Von Fremdenfeindlichkeit – wie nach der Tat spekuliert worden war – könne keine Rede sein.

Sevim E.s Sohn Sercan D. hört den Knall, der nur die äußere Scheibe zu Bruch gehen lässt, kann die Flammen löschen, bevor viel passiert. Aber es hätten viele Menschen in dem Sechs-Parteien-Haus sterben können, betont Staatsanwältin Claudia Hensen. Und das habe Dominik S. billigend in Kauf genommen. Deshalb die Anklage wegen versuchten Mordes.

Seinem Mandanten tun die Taten unendlich leid, betont der Verteidiger. Er werde sich im Lauf des Prozesses noch selbst äußern. Ein Urteil wird Ende Januar erwartet.

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