Kinderorchester NRW: Hohes Niveau, ausgeprägte Spielfreude

Von: hl
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80 junge Musiker im Alter zwischen zehn und 14 Jahren spielen im Kinderorchester des Landes NRW, das jetzt auf Einladung des Vereins Con brio in Hückelhoven gastierte. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Wieder einmal ist dem Verein „Con brio. Freunde der Kammermusik Hückelhoven“, ein besonderes Glanzstück gelungen: Mit dem Kinderorchester NRW gastierte in der Aula des Gymnasiums eines der besten Ensembles dieser Art in Deutschland mit einem Programm, das die Zuhörer (von denen es allerdings mehr hätten sein können) zu Standing Ovations und Beifall mit Händen und Füßen hinriss.

Dr. Ruth Seidl aus Wassenberg, Abgeordnete der Grünen im Landtag und dort zuständig für Hochschul- und Wissenschaftspolitik, brachte es in ihrer Begrüßung auf den Punkt: „Die Grundlagen, Kunst und Kultur wahrzunehmen, zu interpretieren, zu gestalten und auf dieser Grundlage Wirklichkeit zu verarbeiten, werden in der Kindheit angelegt.“ Dr. Seidl stellte auch kurz das Kinderorchester und seine Arbeitsweise vor, das in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert und aus Kindern von zehn bis 14 Jahren besteht.

Das Konzert begann mit La Réjouissance“ aus Händels Feuerwerksmusik von 1749. Und „Feuerwerk“ hätte durchaus der Titel der gesamten Aufführung sein können. Denn die 80 jungen Musikerinnen und Musiker brillierten in einer Art und Weise, die durchaus einem Profi-Orchester zugestanden hätte. Übrigens war bei der Zugabe, dem Radetzkymarsch, der Namen Wiener Philharmoniker zu hören.

Es folgte „An Unanswered Question“ von Charles Ives. In diesem Stück ohne Rhythmus, wird in drei Schichten wirklich eine unbeantwortete Frage, die bis zum Ende offen bleibt, im Frage-und-Antwort-Spiel behandelt. Aber anstatt einer Antwort gibt es zum Schluss nur so etwas wie verzweifelte Dissonanzen.

Im drittem Satz aus Felix Mendelssohns Sinfonie Nr. 3 und in Andrew Lloyd Webbers Auswahl aus seinem „Phantom der Oper“ entfaltete das Orchester einen geradezu gewaltigen Klang. Erstaunlich waren auch die Flexibilität und die offensichtliche Motivation des „Kinderorchesters“, wobei dieser Name zu falschen Schlüssen führen könnte. Auch bei einer Suite aus „Schwanensee“ von Peter Tschaikowsky und dem abschließenden 4. Satz aus der Sinfonie Nr. 9 von Antonin Dvoák gab es nicht nur ein hohes musikalisches Niveau, sondern auch eine ausgeprägte Spielfreude. Dass bei Dvoáks Musik aus der Neuen Welt durchaus außermusikalische Assoziationen bei dem einen oder anderen aufgetreten sind, ist durchaus möglich.

Witzig und humorvoll

Der Dirigent des Orchesters ist seit 2009 Witolf Werner, augenblicklich Leiter des Bühnenorchesters der Wiener Staatsoper, der dem Thema des Nachmittags „Spielfreude pur“ eine ganz persönliche Note gab. Er führte witzig und humorvoll durch das Programm und stellte dabei Höhepunkte aus der Geschichte des Orchesters vor und Orchestermitglieder mit ihren Aussagen, warum sie gerade in diesem Orchester spielen würden.

Das Dirigat war ebenso präzise wie lebendig und ansteckend. Es war direkt zu spüren, wie gerne die jungen Musikerinnen und Musiker seinem Dirigentenstab folgten. Werner dankte besonders den Eltern der Kinder, ohne deren fahrerischen Einsatz die Proben und Auftritte gar nicht möglich wären, den 13 Dozenten, welche die einzelnen Teile des Orchesters vorbereiteten, und Lena Zimmer, der Projektmanagerin des Ganzen. Präsente für den Dirigenten und die Managerin konnten nur ein kleines Zeichen der Dankbarkeit für ein außergewöhnliches Musikerlebnis sein.

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