Heinsberg - Kinderbetreuung lässt Kosten bei der Stadt Heinsberg explodieren

Kinderbetreuung lässt Kosten bei der Stadt Heinsberg explodieren

Von: Rainer Herwartz
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Immer mehr Kinder mit seelischen Störungen, zum Beispiel sozial-emotionaler Art, oder Kinder, die unter Asperger Autismus leiden, beschäftigen die Jugendämter. Foto: Maja Hitij/dpa
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Jugendamtsleiter Bernd Kleinjans geht von einer steigenden Betreuungszahl bei Kindern und Jugendlichen in den nächsten Jahren aus. Foto: Herwartz

Heinsberg. Die Ursache liegt in einer Gemengelage aus Gesetzesänderungen und verstärkt auftretenden Krankheitsbildern, die in einer solchen Häufigkeit vor einigen Jahren noch nicht auffällig waren. Das vorläufige Fazit beschreibt den Umstand, dass die Jugendämter den Kommunen immer mehr Geld abverlangen müssen, weil immer mehr Kinder Betreuung benötigen.

Auch in Heinsberg wird der Zuschussbedarf für das kommende Jahr laut Amtsleiter Bernd Kleinjans schon auf etwa 1,5 Millionen Euro festgesetzt. Und dieser könnte in den kommenden Jahren noch steigen.

Musste das Jugendamt im Jahr 2017 noch etwa 750.000 Euro an Unterhaltsvorschussleistungen zahlen, werden es im nächsten Jahr 2,6 Millionen Euro sein. Und die Erstattungen durch das Land halten damit nicht Schritt. Von dort flossen für 2017 zwar 390.000 Euro und im nächsten Jahr etwa 1,4 Millionen Euro, doch unter dem Strich bedeute dies für die Stadt eine Mehrbelastung von rund 800.000 Euro, rechnet Kleinjans vor.

Unterhaltsvorschusszahlungen werden fällig, wenn ein zahlungspflichtiger Elternteil nicht willens oder in der Lage ist, den Unterhaltszahlungen für seine Kinder nachzukommen.

„Bis zum 30. Juni dieses Jahres gab es für Kinder bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres höchstens jedoch sechs Jahre lang Unterhaltsvorschussleistungen“, erläutert Kleinjans. „Seit dem 1. Juli gibt es eine Gesetzesänderung, nach der die Altersgrenze wegfällt, ebenso wie die Höchstleistungsdauer von sechs Jahren. Das heißt, man bekommt jetzt Unterhaltsvorschuss von der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Das bedingt eine Verdreifachung der Fallzahlen.“ Bis zum Ende dieses Jahres rechnet der Heinsberger Jugendamtsleiter mit etwa 900 Fällen.

Bei all der düster stimmenden Rechnerei möchte Kleinjans nicht falsch verstanden werden. „Die Gesetzesänderung ist schon sinnvoll“, meint er, „weil ja nicht mit dem Erreichen des zwölften Lebensjahres plötzlich der Bedarf aufhört. Falsch ist jedoch, dass die Zahlungen den Kommunen ohne adäquaten Ausgleich übergestülpt wurden.“ Es ist ja nicht nur mit den 800.000 Euro beim Unterhaltsvorschuss getan. Die Verdreifachung der Fallzahlen bedingt auch einen stärkeren Personalbedarf. Rechnet man diesen hinzu, fallen noch einmal 155 000 Euro an.“

Die Zahl derer die eine Intensivbetreuung und Heimunterbringung benötigten, nehme ebenfalls stetig zu, erklärt Kleinjans. Für die Stadt bedeute dies eine Mehrbelastung von 550.000 Euro. Auch die Hilfe für junge Erwachsene in stationärer Form schlage 2018 mit etwa 200.000 Euro mehr zu Buche. „Wir haben derzeit acht Fälle, davon sieben mit einer seelischen Behinderung.

Früher war das Verhältnis umgekehrt. Von acht Fällen waren sechs, die eine verzögerte Persönlichkeitsentwicklung aufwiesen und nur zwei mit seelischen Störungen. Diese Menschen benötigen eine intensive und dadurch bedingt teure Betreuung. Wir haben immer mehr Kinder mit seelischen Störungen, zum Beispiel sozial-emotionaler Art, Asperger Autismus oder bei Erwachsenen das Borderline-Syndrom.“

Über die Gründe hierfür ließe sich nur spekulieren, sagt Kleinjans. Aber der Trend setze sich fort. „Wir haben eine stetige Steigerung bei den gebundenen Verpflichtungen. Deshalb werden die freiwilligen Zuschüsse und der Handlungsspielraum immer geringer.“

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