Kinder rufen bei der Tafel laut nach dem Nikolaus

Von: Anna Petra Thomas
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Zusammen mit Pfarrer Sebastian Walde und der Kirchenmaus singen die Kinder Weihnachtslieder und rufen ganz laut nach dem Nikolaus. Schirmherr Albert Zaunbrecher (hinten links) schaut interessiert zu. Fotos (3): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
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Auch der kleine Melwin freut sich über das Geschenk, das der Nikolaus ihm mitgebracht hat.

Heinsberg. „942, okay, nehmen Sie einfach Platz.“ Wer sich korrekt angemeldet hat mit seiner Nummer für die Weihnachtsfeier der Heinsberger Tafel, dem gewährt Geschäftsführer Heinz Werner Küpper Einlass. Nachdem die Ein-Personen-Haushalte schon am Morgen ihre Spendentüten abgeholt haben, sind am Nachmittag in zwei Runden die Familien mit Kindern dran.

Alle Bedürftigen auf einmal fänden in den Räumen an der Erzbischof-Philipp-Straße gar keinen Platz. Insgesamt 198 Haushalte holen heute ihre Weihnachtsspenden ab, vom allein lebenden Menschen bis hin zur Familie mit bis zu neun Kindern. Mehr als 80 Prozent davon sind Flüchtlinge, die inzwischen in Heinsberg eine neue Heimat gefunden haben.

„So viele Geschenke!“, staunt der kleine Halkaft (6), dessen Familie aus dem Irak stammt. Mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder ist er zur Feier gekommen. Ja, er ist wirklich beeindruckend, der Gabentisch für die Kinder. 179 liebevoll verpackte Geschenke türmen sich darauf. 151 davon stammen aus der Aktion „Strahlende Kinderaugen.“

Vorsitzender Sebastian Walde und seine Kirchenmaus freuen sich derweil sehr, dass so viele Menschen zur Weihnachtsfeier gekommen sind. Die Maus versteckt sich allerdings noch hinter ihrer Weihnachtsmütze. Sie habe Angst vor dem Nikolaus, weil sie doch noch nicht so gut zählen könne, erzählt der Pfarrer den Kindern. Sie sei doch gerade erst dabei, die Zahlen zu lernen mit Hilfe der Löcher in ihrem Käse.

Sein Dank geht dann an den Leiter der Heinsberger Realschule, Albert Zaunbrecher, zugleich der Schirmherr der diesjährigen Aktion. Er habe mit seinen Schülern und seinen Kollegen einen ganz großen Beitrag geleistet, so Walde. „Ohne sie wäre so manche Tüte so schlapp und leer wie die Mütze der Kirchenmaus.“ Er vertrete rund 850 Schüler und 50 Kollegen, stellt sich Zaunbrecher selbst den Gästen vor.

Die Realschule sei eine Unesco-Projektschule. „Dadurch fühlen wir uns verantwortlich für das, was um uns herum passiert und vor allem für unsere Mitmenschen“, betont er. Den Gästen der Tafel wünscht er ein friedvolles und frohes Weihnachtsfest, „und mögen alle Ihre Wünsche für das neue Jahr in Erfüllung gehen“, sagt er. In Englisch wiederholt er seine kurze Ansprache.

Danach tritt die Kirchenmaus mit ihrem Pfarrer wieder in Aktion. Gemeinsam mit den Kindern singen die beiden Weihnachtslieder und rufen ganz laut nach dem Nikolaus, der dann tatsächlich so kurz vor Weihnachten eigens für die Kinder der Tafelkunden noch einmal nach Heinsberg gekommen ist. Hafiza (10) aus Laffeld traut sich sogar, „Fröhliche Weihnacht überall“ ganz allein ins Mikrofon zu singen. Eins nach dem anderen werden die Kinder dann aufgerufen und stehen vor dem heiligen Mann, gespannt darauf, welches der vielen Päckchen um sie herum denn wohl ihres sein wird.

Ganz hinten an einem Tisch in der Mitte der Tafel sitzt noch eine alleinerziehende Mutter mit ihrer vierjährigen Tochter. Auch die beiden hoffen darauf, dass ihre Familiennummer schnell an der digitalen Tafel angezeigt wird. Seit zwei Jahren kommt die junge Mutter zur Tafel. „Das ist eine große Unterstützung hier“, sagt sie.

Sich bei der Tafel günstig mit Lebensmitteln versorgen zu können, erlaube ihr, Geld zu sparen für Bekleidung und Spielzeug für ihre Tochter oder auch dafür, mit ihrem Kind einfach einmal etwas unternehmen zu können. Und „ganz toll!“ finden die beiden natürlich auch die Weihnachtsfeier, in deren Rahmen die Mama nicht nur eine Lebensmitteltüte erhält, sondern die kleine Tochter auch noch ihr langersehntes Weihnachtsgeschenk.

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