Hückelhoven/Erkelenz - Kernkompetenzen der Flüchtlinge fördern

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Kernkompetenzen der Flüchtlinge fördern

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Erste Erfahrungen mit Holz: Qodos Yehafori arbeitet an der Werkbank. Foto: Daniela Mengel-Driefert
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Shafiqh Ibrahimi zeigt einen Drehspiegel, dessen Teile auf unterschiedliche Weise verbunden werden. Foto: Daniela Mengel-Driefert

Hückelhoven/Erkelenz. Junge Flüchtlinge stehen an Werkbänken der Lehrwerkstatt der Kreishandwerkerschaft Heinsberg in Erkelenz-Terheeg. Es wird gefeilt, gesägt und gehobelt, die Männer sind in ihre Arbeiten vertieft. An der Wand sind Fachbegriffe in Farsi zu lesen.

Darunter stehen fertige Holzarbeiten: Fußbänke, Nistkästen, Drehspiegel. Die Männer sammeln unter Anleitung eines Handwerksmeisters erste Erfahrungen im Tischlerhandwerk. Der Berufserkundungskurs ist ein sechswöchiges Angebot der Stadt Hückelhoven. „Wir wollen Flüchtlingen nicht nur Beschäftigungs-, sondern auch Qualifizierungs- und Orientierungsmöglichkeiten bieten“, sagt Bürgermeister Bernd Jansen.

Das Projekt ist außergewöhnlich, weil es sich an die richtet, die sonst durch alle Raster fallen: Asylbewerber mit schlechter Bleibeperspektive. Die Männer kommen aus Afghanistan, sind der Stadt Hückelhoven zugewiesen, haben aber keinen Zugang zu Sprach- oder Integrationskursen. „Auch für die muss man was tun“, sagt Sozialamtsleiter Thorsten de Haas. Franz-Josef Unland, Leiter des Katholischen Forums für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg, sieht das genauso und ergänzt, das Angebot unterstütze die Selbstwirksamkeit der jungen Flüchtlinge. Das Forum unterstützt das Projekt. Mit im Boot sind die Handwerkskammer Aachen und die Kreishandwerkerschaft Heinsberg.

Handwerksmeister und Lehrgangsleiter Gregor Lücke vermittelt den Flüchtlingen Grundlagen der Stoff- und Werkzeugkunde, des Arbeitsschutzes, der Arbeitsplanung, der Vorbereitung und Materialmengenermittlung. Anschließen stellen die Teilnehmer erste Tischlerarbeiten her. „Ich denke, die jungen Menschen bringen aus ihren Ländern eine Kernkompetenz mit, die man nicht brachliegen lassen darf“, bringt der Lehrgangsleiter seine Erfahrungen der vergangenen Wochen auf den Punkt.

Das Ziel ist, die Flüchtlinge im zweiten Schritt in Praktika zu vermitteln und langfristig in den Arbeitsmarkt. „Wenn wir das schaffen, ist das volkswirtschaftlich ein toller Erfolg“, sagt Helmut Holländer, Kämmerer der Stadt Hückelhoven, der bedauert, dass das Projekt nicht mit Mitteln der Bundesagentur für Arbeit gefördert wird.

Die Kosten belaufen sich auf 24.000 Euro. 13.000 Euro trägt die Stadt, 1000 stammen aus Spendengeldern und jeweils 5000 Euro steuern die Handwerkskammer Aachen und das Katholische Forum für Erwachsenen- und Familienbildung hinzu.

Insgesamt sind drei Kurse für jeweils zehn Flüchtlinge geplant. Die Teilnahme ist freiwillig, die Teilnehmer müssen eigenständig für die Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrad sorgen.

Der zweite Kurs läuft gerade an und mit fachbezogenem Deutschunterricht ergänzt.

Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, lobt das Projekt, das auf dem kleinen Dienstweg mit einfachen Mitteln von der Stadt Hückelhoven auf den Weg gebracht wurde. Er sagt aber auch: „Wir sind im Handwerk etwas gefrustet.“ Das Handwerk biete hervorragende Möglichkeiten, um Asylbewerber zu integrieren, doch – und das beklagt er – bewege sich Berlin auf den immer gleichen Gleisen. Für die Integration in den Arbeitsmarkt würden zu hohe Forderungen an die Träger und überzogene Sprachanforderungen an die Teilnehmer gestellt.

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