Kemper Gröne: Narren halten der Politik den Spiegel vor

Von: Anna Petra Thomas
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Tatsächlich aufgeblasen tanzten die Kempener „Dreamboys“ in Rot, Blau und Grün auf der Bühne im Festzelt und hatten dabei jede Menge Spaß. Foto: Anna Petra Thomas
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Mit Flower Power eroberten Prinz Walter IV. und Prinzessin Maggi das Festzelt. Foto: Anna Petra Thomas
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Dort war die Stimmung wie immer prächtig. Foto: Anna Petra Thomas
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Das Publikum begeisterte auch Kempens jüngste Tanzmarie Mila Heuter. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kempen. Mit ihren tänzerischen Aushängeschildern sind die Kemper Gröne seit Jahrzehnten auf den karnevalistischen Brettern der Region bekannt. Bei der diesjährigen Galasitzung in einem mit rund 600 Gästen ausverkauften Zelt in Kempen an der Rur scheint jedoch auch ein neues, eigenes Büttenass geboren worden zu sein.

Als „D’r Flutgraf-Sheriff“ zog Gerd Windeln als Nachbar eigentlich nur als Überraschung für das Prinzenpaar Walter IV. und Maggi (Forscheln) in die Bütt, kam aber anschließend ohne Zugabe gar nicht mehr wieder heraus.

Beherrschendes Thema war auch bei ihm die von der Stadt beschlossene Schließung der Kempener Grundschule. Dazu hatte sich schon zu Beginn der Sitzung in seiner Begrüßung Präsident Guido Peters deutlich geäußert, nicht ohne vorwegzuschicken: „Wir wollen mit Wort, Tanz und Gesang viel Freude und Spaß bereiten, nur eines ist hier verboten – miteinander zu streiten!“

Danach jedoch nahm er kein Blatt mehr vor den Mund. „Ein Bericht der Gemeindeprüfanstalt, war auch vor der letzten Kommunalwahl schon alt. Die Agenda 2025 sollte her, doch vor der Wahl tut man sich mit sowas schwer. Weil da muss man sich bei Feiern und Festen sehen lassen, darf vor der Wahl keinen öffentlichen Auftritt verpassen“, reimte Peters. „Doch wie Don Quijote sich vergeblich gegen Windmühlen mühte, erkannte auch Walter, wie die Politik mit ihm spielte“, erinnerte er an den Rücktritt des Prinzen von seinem Amt als Ortsverbandsvorsitzender der CDU als Konsequenz der Heinsberger Schulpolitik.

„Wer aber Festhalle, Schwimmbäder und Schulen schließt, während das Geld dann ins Begas-Haus fließt, der hat wohl zu schnell vergessen, wessen Votum ihm verhalf in den Sessel. Die Maßnahmen zu verkünden ohne echte Transparenz, dann zu glänzen mit einer gewissen Öffentlichkeitsabstinenz. Außer es gilt an Schafhausen zu überreichen den Hallenstadtpokal, denn da, in Schafhausen, bekommt man auch Applaus aus dem Saal“, reimte der Präsident weiter und schüttelte zu viel Applaus schon selbst das erste Bütten-Ass aus dem Ärmel.

„Und wem meine Reime jetzt waren zu viel Politik, dem hilft auf die Funktion von Karneval zu werfen ein Blick“, schloss Peters. „Die Narren halten den Oberen den Spiegel hin, reinschauen müssen diese selber, das ist der Sinn. Wenn dann nicht erkannt wird, bei den Oberen das gewünschte Bild, dann hat der Karneval erreicht sein Ziel!“

Flower Power an der Rur

Getreu ihrem Motto „Mit Helau und Flower Power pur, feiern wir Karneval in Kempen an der Rur“ genoss danach das Prinzenpaar sichtlich seinen Einzug durch die von Anfang an feiernde Menge, mit ganz viel „Strüssjer“ natürlich auf eine vom Prinzen selbst herrlich in frischem Grün mit Blüten in Weiß und Rosa getauchte Bühne.

Was die Schulschließung betraf, hatte „Flutgraf-Sheriff“ Windeln als zweites Bütten-Ass dann eine ganz einfache Lösung parat: „Neue Schule wird die Kneipe Am Dorfplatz“, verkündete er und hatte gleich eine ganze Schar potenzieller Lehrer bei der Hand. „Wenn dat alles neet klappt, noa Karke wäede se neet jeschekkt, dann wäede se halt domm ennet läeve jesteckt“, wurde er für diese Verweigerungshaltung mit stehenden Ovationen bejubelt.

Den Reigen der tänzerischen Darbietungen eröffnete nach dem Bühnenspiel des Bundesschützen-Trommler-, Pfeifer- und Bläsercorps Tanzmariechen Mila Heuter, dem im Laufe des Abends noch Marie Annika Jütten folgen sollte. Mit ihrem Westerntanz begeisterte die Showtanzgruppe „Magic“. Schon echtes Musical-Format hatte, was die Gruppe „Sunshine“ mit ihrer Geschichte von Peter Pan auf die Bühne zauberte, und nicht minder schön anzusehen war das Spiel der Marionetten, das die Gruppe „Mirage feat. Fantasy“ darbot. Höhepunkt war eine gemeinsame Zugabe mit knapp 40 Tänzerinnen und einem begeisterten Prinzenpaar mittendrin. Die Prinzengarde feierte ihr 1x11-jähriges Bestehen, und die Kempener „Dreamboys“ begeisterten als dicke, aufgeblasene rote, grüne und blaue Männchen.

Den Programmteil „Wort“ der auswärtigen Gäste eröffnet hatte „Feuerwehrmann Kresse“ (Klaus Bömeke) aus Köln mit einem Feuerwerk seines pointiert trockenen Humors. Nach ihrem Erfolg mit der Nummer „Dolls Company“ begeisterten Gerd und Dustin Warree aus Rosendahl die Kempener mit ihrer bayrisch-verrückten Nummer „Uschi & The Crazy Krauts“. Ebenfalls kein Unbekannter auf der Kempener Bühne war Stimmenimitator Jörg Hammerschmidt aus Berlin, der mit seiner Parodie auf Angela Merkel ebenso gut ankam wie als Peter Maffay, Franz Beckenbauer oder als Horst Seehofer mit seiner neuen Biermarke „Hasseschröder“.

Als „letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn“ fegte Achnes Kasulke (Annette Eßer) aus Nettetal so manchen Witz über die Bühne, und ebenfalls mit Wortwitz, aber dazu vor allem mit Akrobatik überzeugten „Tante Luise und Herr Kurt“ aus Bremen. Die Stimmung in Kempen war ob der guten Kombination im Programm nicht zu toppen. So schwammen dann auch die Bands Sang- und Klanglos aus Selfkant-Havert und De Halunke aus Düren, die das Finale gestalteten, auf der großen Welle der Begeisterung mit.

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