Wegberg - Kastration könnte bald zur Vorschrift werden

Kastration könnte bald zur Vorschrift werden

Von: mb
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Streuner
Tierschützer fordern, dass Freigängerkatzen kastriert und gekennzeichnet werden müssen. Bei dieser Katze ist das abgezwackte Ohr Kennzeichen der Kastration. Foto: dpa

Wegberg. Der Verein „Tier-Refugium Wegberg“ fordert, dass Freigängerkatzen kastriert und gekennzeichnet werden müssen. Schon im November hatte der Verein einen Bürgerantrag eingereicht, in dem er eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen ab dem 5. Lebensmonat vorschlug.

Freigängerkatzen werden im Gegensatz zu wildlebenden Streunerkatzen als Haustiere gehalten, verbringen jedoch einen Großteil des Tages im Freien. Der Verein begründete seinen Antrag damit, dass unkastrierte Hauskatzen entscheidend dazu beitragen, dass sich die Zahl der Streunerkatzen erhöht. Das „Elend und Leiden“ der Streunerkatzen verstoße gegen das Tierschutzgesetz, so der Verein. Er führte die Ansteckung mit Parasiten und Krankheiten ins Feld und verwies auf Hygienerisiken.

Obwohl der Städte- und Gemeindebund und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW eine Katzenschutzverordnung ablehnt, werde sie in über 100 Städten in Deutschland erfolgreich praktiziert. Die Stadt Wegberg könne im Kreis Heinsberg eine Vorreiterrolle übernehmen.

Die Verwaltung hält die vorgeschlagene Änderung der „Ordnungsbehördlichen Verordnung zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ für rechtlich bedenklich. Um eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen (mit Kosten von bis zu 100 Euro je Kastration) durchsetzen zu können, müsse von diesen Katzen eine allgemeine Gefahr ausgehen, insbesondere eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen etwa durch erkrankte Katzen oder Katzenkot. Da es derzeit keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür gebe, sei eine allgemeine, alle Halter von Freigängerkatzen treffende Kastrationspflicht nicht rechtmäßig. Deshalb möchte die Verwaltung keine Katzenschutzverordnung einführen.

Dem wollte sich die Mehrheit des Ausschusses nicht anschließen. Georg Gelissen, Fraktionsvorsitzender der CDU, beklagte, dass das Land NRW keine klaren Verhältnisse durch ein Gesetz schafft. Nicole von den Driesch von Aktiv für Wegberg empörte sich, dass das Tierrefugium in zwei konkreten Fällen um Hilfe bei der Kastration von wilden Katzenpopulationen gebeten worden sei und in einem Fall „auf den Kosten sitzengeblieben“ sei. Auch Christoph Böhm, Fraktionsvorsitzender der FDP, sah die „Brisanz und den Handlungsdruck“ und schloss nicht aus, dass Wegberg zu einem „anderen Ergebnis kommen könne als andere Kommunen“. Der Auftrag der Politik an die Verwaltung: eine neue Vorlage erarbeiten.

Der zuständige Fachbereichsleiter der Stadt Wegberg, Ulrich Schulz, erklärte dazu nach der Sitzung, dass in dem Fall, den von den Driesch angesprochen hatte – dabei waren Katzen an einem Angelteich in Wegberg eingefangen und kastriert worden –, die Stadt keinen Auftrag erteilt habe. Anderenfalls würden die Kosten ersetzt. Er verstehe, dass die Tierschützer mit der Katzenschutzverordnung für ihr Tun „Rechtssicherheit“ erreichen wollen. Aber „die Belange aller Beteiligten sollen Berücksichtigung finden“.

Die Katzenschutzverordnung richte sich an die Halter der Freigängerkatzen, genau diese seien aber in wilden Katzenpopulationen nicht zu ermitteln. Ob die Verordnung eingehalten wird, könne man nicht kontrollieren, sagte die Erste Beigeordnete der Stadt, Christine Karneth. Schulz sieht das Problem in erster Linie in den von „Tierfreunden“ eingerichteten, frei zugänglichen Futterplätzen: „Dort entstehen die Probleme von wilden Katzenpopulationen.“

In zwei Punkten stimmten Politik und Verwaltung überein: Eine Erörterung des Themas mit dem „Tier-Refugium Wegberg“ in einem persönlichen Gespräch und die Anregung verstärkter Öffentlichkeitsarbeit beim Kreis Heinsberg, um bei Katzenhaltern für eine freiwillige Kastration von Freigängerkatzen zu werben.

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