Karlsruhe bestätigt Urteil für Anhalter-Mörder

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Serienmörder Discomörder Anhaltermörder
Der Angeklagte Egidius S. sitzt im Landgericht Aachen auf der Anklagebank. Der 51-Jährige soll von 1983 bis 1990 fünf junge Frauen erdrosselt und zwei vorher vergewaltigt haben. Foto: dpa

Aachen. Der wegen fünffachen Mordes in Tateinheit mit zweifacher Vergewaltigung im August 2008 verurteilten Serienmörder Egidius Sch. (53) ist mit seiner Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe gescheitert.

Das gab der BGH am Mittwoch bekannt. Nur bei der Bildung der Gesamtstrafe hat der 2. Strafsenat in Karlsruhe kleinere Änderungen angeordnet (Az.2StR51/09).

Egidius Sch. lebte bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2007 völlig unauffällig in Niederkrüchten bei Viersen. Er hatte zwischen 1983 und 1990 in der Region Aachen fünf junge Frauen, die per Anhalter zumeist nach einem Diskobesuch nach Hause wollten, bestialisch umgebracht, zwei von ihnen vergewaltigte er vorher. Die 1. Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts verurteilte den ehemaligen Aachener Krankenpfleger und Versicherungsvertreter zu einer lebenslangen Haftstrafe. Das Gericht stellte eine „besondere Schwere der Schuld” fest.

Der Verteidiger des Verurteilten, Rainer Dietz aus Aachen hatte die Revision gegen das Urteil damit begründet, dass verschiedenen Beweisanträgen nicht Folge geleistet wurde und die Schuld seines Mandanten nicht zweifelsfrei feststehe. Das sah der Bundesgerichtshof anders. Er lehnte die Revision in seiner Entscheidung vom 24. Juni als „unbegründet” ab. Am Mittwoch kündigte Verteidiger Dietz an, sich keinesfalls mit der höchstrichterlichen Entscheidung abfinden zu wollen. Er werde Verfassungsbeschwerde einlegen, sagt er dieser Zeitung.

Das Verfahren wühlte nicht zuletzt wegen der bizarren Verteidigungsstrategie und der spektakulären Art der Überführung des Serienmörders in bundesweiten Medien viel Staub auf. Sch. widerrief damals vor dem Aachener Landgericht sein Polizeigeständnis und behauptet demgegenüber, als Folge seiner sadomasochistischen Orientierung habe er durch das Gestehen nicht begangener Straftaten und angesichts der drohenden Inhaftierung in dunklen Gefängniszellen sexuelle Lust empfunden. Seine Ehefrau berichtete in diversen Medien hemmungslos und massenwirksam über tagelange sadistische Sexpraktiken im Keller ihres Reihenhauses. Fazit: Sie glaube an die Unschuld ihres Mannes.

Durch einen Metalldiebstahl war jener im Sommer 2007 in die Polizeimaschinerie geraten und hatte sorglos eine DNA-Probe abgegeben. Da die Aachener Mordkommission über rund zwei Jahrzehnte die Spermaspuren des dritten Opfers, der aus Wegberg stammenden Angelika S., gesichert und als DNA-Spur in das Zentralarchiv gegeben hatte, wurde Sch. sofort eindeutig identifiziert - die Nachricht schlug wie ein Blitz ein. Die Taten liefen wie folgt ab: Die 17-jährige Angelika S. beispielsweise suchte im August 1984 die Diskothek „Rockfabrik” auf.

Um 24 Uhr wollte sie - wie in jener Zeit oftmals üblich - per Anhalter nach Hause trampen. Er nahm sie an der B221 auf und vergewaltigte sie in einem Waldstück nahe Geilenkirchen. Nach kurzer Weiterfahrt erdrosselte er sie an einem anderen Ort. Die Leiche legte er nackt in ein Brombeergebüsch, zerstreute die Kleidung auf seiner Heimfahrt. Die erste Tat datiert auf Juli 1983, die letzte beging der Aachener „Anhalter-Mörder” im Juni 1990.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert