Kardinal Meisner weiht die neue Donatusglocke in Myhl

Von: Anna Petra Thomas
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Myhler Donatusglocke im Blickpunkt: Joachim Kardinal Meisner weiht die Glocke mit Chrisam, Weihwasser und Weihrauch. Foto: Anna Petra Thomas
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Wassenberg-Myhl. „Das ist Kardinalswetter, hab‘ ich aus Köln mitgebracht“, schmunzelte Joachim Kardinal Meisner auf dem Weg zum feierlichen Einzug in die Kirche St. Johannes der Täufer. Am Altar angekommen, dankte er für die freundliche Einladung und Begrüßung.

Er freue sich bei einer so wichtigen und schönen Aufgabe, wie es die Weihe der Donatusglocke sei, dabei zu sein. „Wenn wir heute eine Glocke weihen, dann ist das kein frommer Luxus“, betonte Meisner in seiner Predigt. Eine Glocke mache den Ruf und die Berufung des Menschen hörbar in einer Zeit, die voller Mikro- und Megafone sei. Die Menschen seien in Gefahr, ihr Gehör zu verlieren und so den „ideologischen Rattenfängern“ ausgeliefert.

Meisner erinnerte an sozialistische Staaten, in denen das Glockengeläut durch Kampfparolen abgelöst worden sei oder an die Zeit des Nationalsozialismus, in der aus dem Material der Glocken Kanonen gegossen worden seien. Damit sei Gott „mundtot“ gemacht worden.

Und dann habe es mit der neuen Donatusglocke ja auch noch eine ganz besondere Bewandtnis, erklärte der Kardinal. Er erinnerte sich an seine Kindheit in Breslau. Er sei dabei gewesen, als die drei Glocken aus dem Turm der Kirche herausgenommen und nach Hamburg transportiert worden seien. Die Erwachsenen hätten sich damals verhalten wie bei einer Beerdigung.

„Ich freue mich, dass die Donatusglocke überlebt hat und wieder nach Hause kommt“, erklärte er zu der Entscheidung der Myhler, die Glocke, die noch im Turm hängt, wieder an die Gemeinde Schildau, dem heutigen Wojanow in Polen, zurückzugeben. Nach dem Krieg war die Glocke mit einem Leihvertrag aus Hamburg in die Myhler Kirche gelangt.

„Sie wurde von den Myhlern wie ein Flüchtling aufgenommen und angenommen“, sagte Meisner. „Möge sie eine Klangbrücke der Verbundenheit sein zwischen den beiden Gemeinden“, sagte er. „Das Leben bekommt erst Glanz und Würde durch das, wozu Dich die Glocke ruft“, nahm der Kardinal die Verbindung zum Glauben wieder auf. „Verstehen wir die Sprache der Glocke heute noch?“, fragte er und gab die Antwort selbst: „Ich sage Ja.“ Dabei erinnerte er sich selbst an eine Glockenweihe während seiner Zeit als Bischof in Berlin. Danach hätten die Mensch sich im märkischen Viertel zu Hause gefühlt und nicht mehr in einer „gottverlassenen Betonwüste“.

Eine Glockenweihe sei so etwas Ähnliches wie die Taufe eines Kindes, sagte Meisner. Wie ein Kind bekomme auch jede Glocke einen Namen. „Gott nummeriert seine Geschöpfe nicht.“ Glocken seien eine Art „akustisches Spurensicherungskommando“, das dafür Sorge, dass niemand von der Spur abkomme. Jeden Sonntag führe es auf dem Weg zu Jesus Christus. „Wir haben nur ein einziges Leben“, sagte Meisner. Es gebe nichts auf Probe und daher sei es wichtig, nicht auf Abwege oder in Sackgassen zu geraten.

Der Kardinal schloss seine Predigt mit einem alten Weihespruch für eine Glocke: „Gott zum Lobe, den Menschen zum Heile, der Stadt zur Ehre und dem Volke zum Segen.“ Der Segensspruch, den er bei der Weihe der Glocke mit Chrisam, Weihwasser und Weihrauch sprach, lautete: „Sie soll die Gemeinde zum Gottesdienst rufen, die Säumigen mahnen, die Mutlosen aufrichten, die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten.“

Norbert Jachmann, der Glockensachverständige des Bistums Aachen, übergab dem Kardinal danach einen Hammer, mit dem er die neue Glocke zum ersten Mal anschlug. Jachmann selbst schlug sie während der Wandlung und auch während der Kommunion an.

Zeichen des Friedens

In den Fürbitten beteten die Menschen in der Kirche auch für eine gute Ankunft der alten Glocke in Wojanow, dass sie „ein Zeichen des Friedens und der Verständigung zwischen Deutschland und Polen sein möge“.

„An Gottes Segen ist alles gelegen“, erklärte Meißner zum Abschluss des Pontifikalamts. „Segnen kann jeder Getaufte“, forderte er alle Anwesenden auf, großzügiger mit dieser Gabe Gottes umzugehen. Bei seiner Einladung zu den anschließenden Kirchenführungen und zum Pfarrfest dankte Pfarrer Thomas Wieners dem Ortsausschuss für seine Vorbereitungsarbeit und dem Gemeinschaftschor aus Birgelen, Effeld, Myhl und Unterstadt unter der Leitung von Heinz-Peter Küppers für die musikalische Gestaltung mit der Missa Brevis in C von Charles Gounod.

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