Hückelhoven-Ratheim - Kapitän Klaus Jansen verlässt sein Schiff

Kapitän Klaus Jansen verlässt sein Schiff

Von: Nicola Gottfroh
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Pastor Klaus Jansen vor seiner langjährigen Wirkungsstätte, der katholischen Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Ratheim. Nein, nein, das Bild vom Kapitän, der das sinkende Schiff verlässt, das passt nun doch nicht. Obwohl das „Schiff“, auf dem Pfarrer Jansen vor 40 Jahren angeheuert hat, die katholische Kirche also, sich ganz objektiv in unruhigem Fahrwasser bewegt. Und Klaus Jansen dieses Schiff jetzt verlassen wird.

Am 8. September wird er seine Abschiedsmesse feiern. „Irgendwann muss auch mal Feierabend sein – wie bei anderen Arbeitnehmern auch“, sagt der 67-Jährige. Seelsorger will er aber weiter bleiben.

1974 wurde er zum Priester geweiht. 30 Jahre war er Pfarrer der Gemeinde St. Johannes der Täufer in Ratheim. „Ich habe meinen Beruf immer geliebt“, versichert er. Vor allem die vergangenen Jahre hätten aber stark an ihm gezehrt. Nach der Fusion der zehn Hückelhovener Pfarrgemeinden zu einer Gemeinschaft der Gemeinden habe sich der Druck ständig erhöht.

Immerhin war er – um in der Schiffssprache zu bleiben – der Kapitän über die Matrosen in Kleingladbach, Schaufenberg, Millich und der Pfarren St. Barbara und St. Lambertus in Hückelhoven.

Eine enorme Arbeitsbelastung. Kritik an der Fusion übt er aber nicht. „Es war ja kein geplanter Stellenabbau. Es blieb dem Bistum letztlich gar keine andere Wahl. Wenn es keine Nachfolger für scheidende Pfarrer mehr gibt, dann ist die einzig logische Konsequenz, die Pfarren zusammenzulegen, damit es weitergeht“, sagt er. Und er muss zugeben: „Vor zehn Jahren hätten wir niemals gedacht, dass sich die Situation der Priester so dramatisch verändert.“

Nicht, dass die Gemeinden fusionierten ärgert ihn, auch nicht, dass man nicht schon vor Jahren das Segel umgeschwenkt habe, um dem Nachwuchsmangel vorzubeugen. Vielmehr versteht er nicht, dass Priester der Katholischen Kirche noch immer wenige Freiheiten in ihrer persönlichen Lebensführung hätten. „Und das ist doch schließlich der Grund, weshalb sich kein Nachwuchs findet.

Im 21. Jahrhundert sollte man Themen wie das Zölibat etwas lockerer zu sehen“, sagt der Mann, der sich selbst „Alt-68er“ nennt. Auch das sei der Grund, warum die Kirche und das Priesteramt für junge Menschen einfach nicht mehr besonders attraktiv ist. „Und ich selbst muss auch gestehen – ich bin vor 40 Jahren sehr naiv an die Sache herangegangen. An die Bedeutung einer Partnerschaft habe ich viel zu wenig gedacht“, gibt er zu. Inzwischen, mit 67 Jahren, fühle er sich doch schon oft allein und einsam. „Und je älter man wird, umso stärker wird dieses Gefühl.“

Doch trotz der Einsamkeit und der Kritikpunkte bleibt seine Kirche für Jansen weiterhin attraktiv. Zwar geht der Pfarrer nach seinem Abschiedsgottesdienst am 8. September in eine zweimonatige Pause. „Doch danach werde ich wieder Gottesdienste halten. Ich habe nach wie vor Spaß dabei, die Menschen in der Gemeinde zu begleiten“, sagt er. Arbeiten wolle er zwar in „gemäßigter Weise“, wie er sagt, aber immerhin geht er der Gemeinde nicht gänzlich verloren. Vor allem aber möchte er in seinem Ruhestand reisen, Freunde besuchen und viel lesen.

„Aber auch ohne meine Hilfe bin ich guter Dinge, dass die Gemeinde mich nicht schmerzlich vermissen wird. Der Regionaldekan wird seine Sache gut machen“, sagt Jansen. Gottfried Graff wird einen Teil der Aufgaben von Klaus Jansen übernehmen, bis ein Nachfolger gefunden ist.

Gerne arbeitet Jansen aber auch im Ruhestand mit Kindern und Jugendlichen, um sie ins Leben zu begleiten. „Und das macht man ja vor allem auf Hochzeiten und Taufen – deshalb freue ich mich auf die immer besonders“, sagt Jansen. Wer allerdings die Ringe unter den Augen Jansens tauschen möchte, sollte nicht erst die Gaststätte festmachen und die Einladungen rausschicken, und erst dann einen Termin mit dem Pfarrer machen. „Da es so wenig Priester gibt, steht man im schlimmsten Fall ohne Geistlichen da“, sagt er. Das eine oder andere Brautpaar wird er in seinem abgespeckten Ruhestands-Terminkalender unterbringen können – wenn es früh „bucht“.

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