Kanalsanierung kommt Gemeinde teuer zu stehen

Von: dawin
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In der Gemeinde Waldfeucht künftig ein gefragtes Gut: Abwasserrohre. Foto: imago/Heike Schreiber-Braun

Waldfeucht. Vor der Sommerpause musste noch einiges abgearbeitet werden. So hatten an diesem Sitzungsabend die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses allerlei Zahlen und Fakten zu verdauen, die ihnen von Planern und Gutachtern serviert wurden.

Ein schwerer Happen war sicherlich der Entwurf des Sanierungskonzeptes für das Kanalnetz. Die Gemeinde Waldfeucht ist nach der Selbstüberwachungsverordnung Abwasser NRW verpflichtet, sämtliche Leitungen mit einer Länge von 70 Kilometern auf Schäden zu untersuchen, diese zu bewerten und eine Zustandsklassifizierung vorzunehmen. Am Ende steht ein Sanierungskonzept, das der Bezirksregierung Köln vorzulegen ist.

Nach der sogenannten Befahrung der Rohre mittels einer Kamera konstatierte die beauftragte Ingenieurgesellschaft Nacken: „Das Kanalnetz ist größtenteils in die Jahre gekommen und schlichtweg veraltet.“ 51 Prozent der Leitungen sind zwischen 25 und 50 Jahren, 10 Prozent sind älter als 50 Jahre, und 38 Prozent sind jünger als 25 Jahre. Die Bewertung hat ergeben, dass bei rund 14 Prozent des Netzes (9,6 Kilometer) „sofortiger“ und bei 21 Prozent (14 Kilometer) „kurzfristiger Handlungsbedarf“ besteht. Allerdings wies der Planer daraufhin hin, dass diese Schäden nicht immer ganze Straßenzüge, sondern zuweilen nur einzelne, marode Hausanschlussstutzen betreffen. „Mittelfristig“ müssen 12 Prozent des Netzes (9 Kilometer) erneuert werden. Immerhin: „Langfristig bzw. gar nicht“ braucht der überwiegende Teil des Netzes, das sind 53 Prozent (37 Kilometer), nicht angepackt werden.

Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen betonte, dass die Gemeinde nun über ein vollständiges Kataster verfüge, das ein exaktes Bild über den Gesamtzustand des Kanalnetzes gebe. „Das verschafft uns die Möglichkeit, Prioritäten zu setzen und die erforderlichen Techniken zur Sanierung auszuwählen.“ Zugleich mahnte er an, dass die Gemeinde jetzt auf der Grundlage des taufrischen Sanierungskonzeptes „ran muss, sonst klopft uns der Regierungspräsident auf die Finger“. Die im Detail aufgelisteten Maßnahmen reichen bis ins Jahr 2030, sie verschlingen nach jetzigem Stand der Dinge rund 20 Millionen Euro. In der Finanzplanung für 2016 und 2017 sind bereits Investitionen berücksichtigt. „Nach dem aktuellen Erkenntnisstand steht fest, dass mehrere Millionen Euro extra auf uns zukommen“, räumte Schrammen ein. Die kommunalen Ausgaben fürs marode Kanalnetz wird der Bürger in seinem Portemonnaie zu spüren bekommen. Denn: Die Gebühren für Schmutzwasser werden ab 2017 Jahr für Jahr sukzessive um 0,17 bis 0,20 Cent pro Kubikmeter angehoben, so dass der Waldfeuchter anno 2026 stattliche 1,70 bis zwei Euro mehr für den Kubikmeter Schmutzwasser berappen wird. Der Ausschuss empfahl mit einstimmigem Votum dem Rat, dem Sanierungskonzept zuzustimmen.

In das obige Erneuerungspaket gehört auch die Kanalsanierung Obspringener Straße, die das Planungsbüro VDH Projektmanagement erläuterte. Die Leitungen in der Obspringener Straße zwischen Kitschbach und Haarener Straße sowie die Rohre in der Haarener Straße zwischen Obspringener Straße und Haarener Straße 80 sowie mehrere Hausanschlüsse weisen erhebliche Schäden beziehungsweise Mängel auf. Die Leitungen in der Obspringener Straße werden von dem Bereich der Vorgärten in die Fahrbahn verlegt, zugleich werden die teilweise brüchigen, gusseisernen Wasserleitungen erneuert. Die Abwasserrohre in der Haarener Straße sollen an gleicher Stelle neu verlegt werden. Die Leitungen sollen größer dimensioniert werden, auch im Hinblick darauf, dass das Neubaugebiet Haa-rener Feld West angeschlossen wird. Im Gleichklang mit der Kanalsanierung soll die Fahrbahn der Obspringener Straße im besagten Teilabschnitt komplett erneuert werden, also auch Bordsteinkante samt Rinne. Das Teilstück der Haarener Straße wird ebenfalls mit einer frischen Asphaltdecke überzogen. Kostenpunkt für die gesamten Maßnahmen: 650.000 Euro. Der Ausschuss goutierte die Pläne und empfahl dem Rat, auch hier zuzustimmen.

Die Geräuschimmissionen, die vom Windpark Gangelt-Breberen, westlich des Waldfeuchter Ortsteils Selsten, ausgehen, unterschreiten deutlich die gesetzlich vorgegebenen Richtwerte. Dies ist das Fazit, das der von der Gemeindeverwaltung beauftragte Gutachter dem Ausschuss mitteilen konnte. Der Bürgermeister hatte nach Beschwerden von Anwohnern, die sich durch Rotorenlärm gestört fühlen, Messungen vornehmen lassen. Weiterhin wollte die Gemeinde Aufschluss darüber, ob weitere Windräder auf Waldfeuchter Gebiet in direkter Nachbarschaft des Breberener Parks - wie vom Energiekontor beantragt - einen zusätzlichen Störfaktor darstellen. Der Experte aus Aachen hatte an zwei Tagen bei unterschiedlichen Windverhältnissen an sechs Stationen bei Selsten und Bocket seine Messgeräte aufgebaut – noch ein Stück weit vor den Häusern. Der jeweilige Abstand bis zum Windpark variierte dabei zwischen 750 und 1800 Meter. „In keinem Fall wurden die in einem Mischgebiet zulässigen 45 dBA überschritten.“ Doch räumte der Gutachter unmissverständlich ein: „Auch wenn die Richtwerte unterschritten werden, heißt das nicht, dass die Windräder nicht hörbar sind. Es ist keine Spinnerei, wenn Leute sagen, sie würden das Schneiden des Windes durch die Flügel wahrnehmen.“

Geräusche kommen nach Feststellung des Experten auch aus Richtung Saeffelen, in der Feldgemarkung dort drehen ebenfalls zahlreiche Windräder. Wichtig für den Ausschuss war sicher die Feststellung, dass sich auch durch die Errichtung neuer Anlagen der Schallpegel von 45 dBA in der umliegenden Wohnbebauung nicht erhöht. Selbst wenn der Wind mächtig blase, mache dies keinen Unterschied: „Andere Nebengeräusche sind dann stärker als die der Anlagen.“ Um 45 dBA einzuhalten, sollten Rotoren auf jeden Fall mindestens 300 Meter von der Bebauung entfernt positioniert werden, lautete die grundsätzliche Empfehlung des Gutachters.

Nach dem Vortrag der Messdaten, die hiernach deutlich im rechtlichen Zulässigkeitsbereich liegen, sprach sich der Bau- und Planungsausschuss dafür aus, dass die Verwaltung mit Energiekontor weitere Abstimmungsgespräche führt, um in einer der nächsten Sitzungen abschließend über den Antrag der Firma zu beraten und zu entscheiden.

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