Heinsberg - Kaminöfen: Beim Feinstaub ist fein zu unterscheiden

Kaminöfen: Beim Feinstaub ist fein zu unterscheiden

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
8423068.jpg
Schornsteinfegermeister Reinhard Bongartz bei der Feuchtigkeitsmessung: Ist der Wassergehalt im Holz zu hoch, führt dies zu unangenehmer Rauchentwicklung und hinterlässt bei der Verbrennung Rußflächen. Foto: Rainer Herwartz
8417685.jpg
Ein solcher Keramikfilter könnte in manchen Öfen bereits das Feinstaubproblem lösen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. In den letzten Wochen und Monaten war immer wieder davon zu hören, dass für die Kaminbesitzer in unserem Land strengere Regelungen gelten sollen, was die Immission von Feinstaub angeht. Viele fragen sich mittlerweile schon, ob ihr Ofen nun definitiv nachgerüstet werden muss.

Oder vielleicht wäre es, gleich ganz auf die wohlige Wärme durch ein flackerndes Feuer zu verzichten. Sogar von einem „gefährlichen Trend zu Kaminen“ war da die Rede. Angestoßen wurde die Diskussion durch das Umweltbundesamt. Doch was ist dran, an der Gefahr aus dem Kamin?

„Vor der Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes im März 2010 hat sich niemand so recht für die in Haushalten gebräuchlichen Kamin- oder Kachelöfen interessiert“, sagt Reinhard Bongartz, bevollmächtigter Schornsteinfeger. Wirklich neu sind die Regelungen also nicht. Der 50-jährige Schornsteinfegermeister betreut im Bereich Heinsberg und Waldfeucht insgesamt rund 2700 Haushalte. „Es gab zwar Richtwerte, aber die bezogen sich nicht auf die Immission von Öfen, sondern auf technische Anforderungen wie zum Beispiel Brandsicherheit und Montage.“

Seit März 2010 müssten Kaminöfen Grenzwerte für CO und Staub einhalten wie sie in der Verordnung vorgegeben seien. Über einen Kamm scheren lasse sich das allerdings nicht, erläutert Bongartz. „Je nach Art des Heizsystems gibt es dabei unterschiedliche Anforderungen, was die Immission angeht. Das heißt, unterschiedliche Öfen dürfen auch unterschiedlich viel Feinstaub absondern. Öfen, die beispielsweise in Altbauten die einzige Heizquelle darstellen, sind von den Anforderungen der Verordnung ausgenommen. Das Gleiche gilt für nicht gewerbliche Küchenherde oder Backöfen.“ Auch alte Badeöfen unterlägen dieser Befreiung, ebenso wie Feuerstätten, die noch vor dem 1. Januar 1950 errichtet worden seien. Auch so genannte Grundöfen, individuell gefertigte Einzelraumfeuerstätten als Wärmespeicherofen, besäßen quasi einen Freibrief.

Und wann sollte man sich nun Sorgen machen? „Grundsätzlich können die Besitzer eines Ofens davon ausgehen, dass dieser, wenn er nach März 2010 vom Fachhändler erworben wurde, auch die Richtwerte erfüllt.“ Für Öfen vor dieser Zeit gelten laut Bongartz „Übergangsregelungen“. Wer demnach einen Ofen besitzt, der bis zum 31. Dezember 1974 aufgestellt wurde, muss diesen noch bis zum Ende 2014 nachrüsten oder außer Betrieb nehmen. Öfen, die zwischen 1975 und 1984 eingebaut wurden, lassen ihren Eigentümern noch bis Ende 2017 Zeit. Die aus den Jahren 1985 bis 1994 müssen bis Ende 2020 überarbeitet werden und diejenigen, die zwischen 1995 und dem Inkrafttreten der Verordnung im März 2010 ihren Platz im heimischen Wohnzimmer fanden, lassen ihren Eigentümern noch bis 2024 Zeit.

„Da die Nachrüstung eines alten Ofens mit einem modernen Filtersystem auch schon mal bis zu 1500 Euro oder sogar mehr kosten kann, stellt sich in einem solchen Fall natürlich die Frage, ob nicht gleich der Austausch gegen eine effiziente, Umwelt schonende Anlage sinnvoller wäre“, meint Bongartz.

Irgendwie scheint es sich mit den Kaminöfen ohnehin ein wenig so zu verhalten wie mit einem guten Cognac. Der kann durchaus geschmacklich versaut werden und am Ende schlechter schmecken als ein preiswerter, wenn er zu kalt serviert wird. Bei den Öfen sei das Bedienen das „A und O“ sagt Bongartz. „Bei falscher Handhabung des Ofens kann ein neues Gerät durchaus mehr Feinstaub erzeugen als ein altes.“ Bei der richtigen Bedienung eines Ofens komme es schon auf die korrekte Lagerung des Holzes an, dessen Wasseranteil 15 bis 20 Prozent nicht überschreiten sollte. „Beim richtigen Heizen ist auch die Bedienungsanleitung des Ofens bezüglich der zugelassenen Brennstoffe, der empfohlenen Menge und Größe des Brennstoffs zu beachten. Lackierte oder verleimte Hölzer dürfen ebenso wenig verheizt werden wie Plastik oder Müll.“ Natürlich gebe es auch noch Tipps zum Anfeuern. Ob nun von oben oder unten und, und, und...

Offene Kamine, so erklärt Bongartz in Übereinstimmung mit dem Umweltministerium, seien übrigens für die Beheizung völlig ungeeignet und deshalb auch nur für den „gelegentlichen Betrieb“ zugelassen. Nach ständiger Rechtsprechung seien dies lediglich acht Tage im Monat, und dann nur für jeweils fünf Stunden. Um alle Missverständnisse zu vermeiden, rät der Schornsteinfegermeister, im Zweifel immer einen Kollegen seiner Zunft zu befragen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert