Kabarettist Hans Georgi mit Kästner zum Schmunzeln und Staunen

Von: Monika Baltes
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Telefonat mit Kästner – im Himmel: Hans Georgi. Er holte den Satiriker Erich Kästner auf die Bühne: Telefonat in den Himmel. Foto: mb

Wassenberg. „Volles Haus, 85 Prozent Frauen“, meldete Kabarettist Hans Georgi wahrheitsgemäß, als er zu Beginn seines Programms ein Telefonat in den Himmel führte, mit Erich Kästner, um genau zu sein. Die Bücherkiste Wassenberg präsentierte die erste Lesung in ihrer neuen Heimat, der Begegnungsstätte Pontorsonplatz.

Mit seinem Programm „Die Welt ist rund – Erich Kästner für Erwachsene“ lud Hans Georgi alte Kästner-Fans ein und alle, die den Autor auf vergnügliche Weise kennenlernen wollten.

Denn die Kinderbücher von Erich Kästner sind wohlbekannt – vom „fliegenden Klassenzimmer“ bis zum „doppelten Lottchen“. Weniger bekannt ist der Kästner für Erwachsene, Moralist und Satiriker mit hintersinnigen Texten, messerscharfen Analysen, vielsagendem Humor. Diesen Kästner holte er auf die Bühne, ließ ihn auf die Banker schimpfen, den synthetischen Menschen erfinden, eine Ansprache an Millionäre halten. Und würzte das Programm mit der Biografie Kästners, beschrieb Zerrissenheit und Lebensumstände, streute Anekdoten.

Er vertonte seine Gedichte zu hinreißenden Liedern und Sprechgesängen. Abwechslungsreich mit überdimensionaler Weihnachtsmütze oder als Drehorgelmann machte er es seinem Publikum leicht, den Texten zu folgen. Denn Mitdenken ist unbedingt nötig, gerne auch mal nachdenken. Staunen stellte sich dann wie von selbst ein, Staunen darüber, dass die Texte nichts an Aktualität verloren haben, immerhin sind sie 80 Jahre alt.

Dafür sorgte Hans Georgi mit dem geschickten Knüpfen von Zusammenhängen in unsere ach so moderne Zeit. Plaudernd, musizierend, kritisierend band er das Publikum in sein Programm ein, ließ den „Klassenbesten“ Triangel spielen und animierte das gesamte Publikum zum Mitsingen des „Weihnachtsliedes, chemisch gereinigt“. Bereitwillig folgten ihm die Zuhörer, wenn es sein musste, auch auf die Bühne.

Hans Georgi ist in Würselen geboren und lebt in Roetgen in der Eifel. Als ausgebildeter Betriebswirt arbeitete er für einen Computer-Konzern ehe er zur Kleinkunst wechselte. 60 bis 70 Lesungen bestreitet er jährlich: „Ich bin viel unterwegs.“

Die Antwort auf die Frage, wie er auf das Thema Kästner gekommen sei, erwies sich als unspektakulär. „Ich habe vier Bücher geschenkt bekommen: Kästner für Erwachsene.“ Mit Genehmigung der Erben vertonte er zahlreiche Gedichte Kästners. Sie sind Bestandteil seines Programms, das er mehr als 500 Mal gespielt hat, für Kulturämter und Volkshochschulen, im Düsseldorfer Kom(m)ödchen und im Kölner Senftöpfchen. Es wurde ein vergnüglicher Abend für die Zuhörer, die viel über Erich Kästner erfuhren, der völlig zu Unrecht auf seine liebenswerten Kinderbücher reduziert wird und ein Erfolg, auf den auch die Ehrenamtler der Bücherkiste stolz sein dürfen.

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