Kabarett „Tod im Rheinland“: Mit Humor ist das Sterben eher zu ertragen

Von: jwb
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„Tod im Rheinland“: Das Kabarettprogramm mit Martin Stankowski (am Rednerpult) und Fritz alias Rainer Pause (beim Probeliegen im Sarg) wurde in der Heinsberger Christuskirche präsentiert. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Mit Humor sind selbst Sterben und Tod als Wahrheiten viel eher zu ertragen. Das konnten die Besucher beim Kabarettprogramm „Tod im Rheinland“ in der evangelischen Christuskirche in Heinsberg nachvollziehen.

Das Netzwerk für Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit im Kreis Heinsberg hatte aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens Rainer Pause und Martin Stankowski mit ihrem kulturhistorisch-satirischen Streifzug durch 2000 Jahre Bestattungskultur im Rheinland eingeladen. Mit Fakten, Witz und Humor wurden Tabuthemen wie Tod, Bestattungsformen und Trauerarbeit zum roten Faden eines zweistündigen Kabarettabends. „Wir freuen uns alle auf ihre bunte Knochenlese“, hatte Dr. Cornelia Groschopp, Ärztin beim Gesundheitsamt des Kreises und Sprecherin des Netzwerkes, die Erwartungshaltung des Publikums zum Ausdruck gebracht.

Das Bühnenbild mit Sarg, Granit ummantelter Urne, Rednerpult und Vorstandstisch verortet die Handlung gleich in den Bereich der skurril wirkenden Ansammlung eines Vereinsraumes. „Tod im Rheinland“ spiegelt die Sitzung des Heimatvereins Rhenania wider. Fritz Litzmann (Rainer Pause) – bekannt als Fritz vom Duo „Fritz & Hermann“ im Pantheon-Theater in Bonn – leitet als Alterspräsident den Ablauf. Der Rheinlandhistoriker Dr. Martin Stankowski ist als Experte für historischen Totenkult und Sterberituale zum Referat eingeladen. Sein faktenreicher Vortrag wird jedoch immer wieder von Fritz unterbrochen, der in seiner unnachahmlichen Art mit Einwürfen und Zwischenrufen das Motto praktiziert: Stankowski weiß vieles, aber Fritz weiß alles besser.

Wenn der Experte Stankowski seinen kulturhistorischen Streifzug von den Römern über das Mittelalter, die Aufklärung und die Neuordnung der Friedhöfe durch Napoleon bis hin zum Einfluss der Moderne in schöner Jahrmarktstradition mit Bildtafel erläutert, fällt Fritz als Gegenpol ins Erzählen von Annekdoten zurück. „Am Morgen lese ich die Todesanzeigen, um zu schauen, wie gerecht der Tod ist“, lautet eine seiner Motivationen, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen. „Das Fleisch kann vergehen, die Knochen bleiben bestehen“, formuliert Fritz seine Erkenntnisse zum Knochenhandeln im Mittelalter. Ein Höhepunkt im Programm dann auch die Schilderung zur Sage um den Kölner Bischof Severin, dessen Knochen, ausgelegt auf der Mauer, die Feinde in die Flucht geschlagen hätten, so die Wiedergabe durch Fritz. Wunderbar und knochen­trocken vom Experten gekontert: „Den Severin hat es nie gegeben!“

Der Beruf des Bestatters sei noch ein recht junger Beruf, Aufbahrung und Totenwache seien früher von den Nachbarn und der Familie geleistet worden. Und trotz aller satirischer Darstellung bleibt ein Funken Wahrheit zum Nachdenken übrig, wie bei der Seebestattung, von der Fritz meint, dass es schwierig sei, wenn man mal ein paar Blümchen ans Grab legen wolle. Dann müsse man ja eine Kreuzfahrt buchen. Auch das Probeliegen sei im Sarg eher möglich als in einer Urne, wie Fritz umgehend demonstriert. Und wo die Seele wohl zu finden sei? In Kopf, Herz oder Leber? Und was das für Konsequenzen nach sich ziehen würde, wenn dann der Organhandel mitgedacht würde, sinniert Fritz stellvertretend für das Publikum.

Bei ihren Streifzügen durch die Kulturhistorie werden Themen wie das Fegefeuer oder die Beichte mit angesprochen, alles, auf das Protestanten verzichten müssten, wie Fritz mit einem kleinen Seitenhieb verschmitzt feststellt. Und so findet der Zwiespalt des Umgangs mit Sterben, Tod und Bestattungsriten im Ausspruch von Voltaire in seiner Todesstunde eine Wahrheit, mit der sich auch der moderne Mensch trotz aller Aufklärung konfrontiert sieht: „ Gott, wenn es einen gibt, sei meiner Seele gnädig, wenn ich denn eine habe.“ Aufklärung ja, aber man könne nie wissen, lautet Fritz‘ Fazit. Und so sei auch der Tod im Rheinland hoffentlich der Beginn eines neuen herrlichen Lebens.

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