Kabarett: Hausmann trifft den Nerv des Publikums

Von: Anna Petra Thomas
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Auch das ist der neue Jürgen B. Hausmann: In Birgelen ließ er das 80er-Jahre-Duo Modern Talking mit neuem, eigenem Text auf der Bühne wieder aufleben. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg-Birgelen. Seine Schürze hatte er erst einmal nicht dabei. Im schicken sandfarbenen Anzug eroberte Jürgen Beckers als „Jürgen B. Hausmann“ in der Birgelener Mehrzweckhalle auf Einladung des Trommler- und Pfeifercorps die Herzen der Zuschauer im Sturm.

Zum fünften Mal war er da und ging ganz offen damit um, dass die Show im vergangenen Jahr wegen seiner Erkrankung hatte ausfallen müssen. Und so gehörten zu den knapp 600 Zuschauern im Saal auch diejenigen, die ihre schon 2015 gekaufte Karte für diesen neuen Auftritt einfach aufgehoben hatten.

Sie sahen einen Hausmann, der nicht nur mit seinem neuen Programm „Wie jeht et? Et jeht“ inhaltlich Neues auf die Bühne zauberte. Nicht minder konnte er mit seiner spontanen Situationskomik überzeugen und mit der Fähigkeit, auf der Bühne auch über sich selbst lachen zu können. Nicht zuletzt begeisterte die neue Bühnendekoration, die in der ersten Hälfte mit ganz einfachen Mitteln Küche und Wohnzimmer der Hausmanns bot, in der zweiten eine junge Wohnlandschaft und den Käfer auf dem Weg zum Strand von Rimini irgendwann Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

„Mir jeht et jut“, schickte Beckers vorweg, ehe er zur Tradition griff. Natürlich war auch Hund „Hecktor“ dabei, der genau so heißt, weil er an Hecken und Tore…, na ja. Das Publikum ging begeistert mit. „Ich jlaub, dat wird jut heut“, versicherte der Kabarettist seinem Musiker Harald Claßen schon nach den ersten zehn Minuten.

Hausmann philosophierte über die vielfältige Bedeutung von „jehen“ oder so mancher Floskel: „Ich hau mich auf et Ohr“ oder „Mir fällt de Deck op d´r Kopf“. Einfache Stichworte lieferten bei der humoristischen Beschreibung von all so Alltäglichem die Möglichkeit zum Szenenwechsel, etwa der Pinsel zum direkten Übergang vom morgendlichen Make-up im Bad zum Anstreicher.

Warum die Altkleidersammlung für den Mann wie ein Raubüberfall wirkt, thematisierte er ebenso wie den Versuch, im Wiener Kaffeehaus einen Kaffee zu bestellen, die moderne Insellösung in der Küche und zu früheren Zeiten den Gummibaum im Wohnzimmer als Platzhalter für den Weihnachtsbaum.

Nach der Pause holte Hausmann die guten alten Zeiten komplett hervor. Vom Schwämmchen zur Schiefertafel, das „im Wassertöpfchen downgeloaded“ wurde, erzählte er, oder vom Piercing, das seinen Vorläufer in der Sicherheitsnadel aus Omas Nähkiste hatte. Musikalisch brillierte er nicht nur als Modern Talking mit humorvollen neuen Texten zu bekannten Melodien.

Bei vorwiegend „Mittelalter-Publikum“ traf der Kabarettist dessen Nerv mit seinem Blick in die Kulissen alter Fernsehserien wie Bonanza, Dallas oder Schwarzwaldklinik und hatte da auch immer die passende Kopfbedeckung. Bekannte Shows wie „Der große Preis“ durften ebenso wenig fehlen wie die politische Pointe: „Helene Fischer, die macht alles, wenn die Merkel mal aufhört“. Oder besser noch: „Die Merkel hat noch nicht die Ausstrahlung vom Kohl, trägt aber seine Anzüge.“

Wie das Publikum, das in der Pause vom Trommler- und Pfeifercorps auch kulinarisch verwöhnt worden war, strahlte auch der Hausmann übers ganze Gesicht und war mit seinem Besuch rundum zufrieden: „Veranstaltungen wie die hier, dat macht Spass“, erklärte er. „Da is man nah dran!“

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