JVA Heinsberg: Jens Nowotny gibt Anstoß für neues Leben

Von: agsb
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Jens Nowotny (2.v.li.) plauderte bar aller Starallüren und erzählte einige lustige Anekdoten aus seinem Fußballerleben. Er sitzt fußballerisch jetzt nur noch am Rande. Foto: agsb

Heinsberg. Prominenter Besuch in der JVA Heinsberg: Jens Nowotny, einstiger Fußballprofi, weilte für Stunden im Auftrage der Sepp-Herberger-Stiftung hinter den Gefängnismauern. Der heute 39-jährige kannte während seiner Karriere keine Angst, selbst vier Kreuzbandoperationen steckte der gebürtige Badenser weg, um seinen Traumberuf Fußballprofi weiter Realität bleiben zu lassen.

Was für ein verängstigender Blick des einstigen Fußballprofis Jens Nowotny dagegen, als er jetzt zeitlich begrenzt und freiwillig die Justizvollzugsanstalt Heinsberg besuchte. Nach der Begrüßung in der JVA durch Hildegard Lennartz seitens der Anstaltsleitung erhielt der Fußballspieler einen kurzen Einblick ins Konzept der JVA. Dennoch: Unter der immer wieder genannten „DFB-Wohngruppe“ konnte er sich wenig vorstellen. Die Vertreter der JVA stellten ihm dann diese spezielle Therapiegruppe mit dem Leitziel „Anstoß für ein neues Leben“ in der Anstalt vor.

Den richtigen Weg einschlagen

Hier ist die einstige Torwartlegende des FC Bayern München, Oliver Kahn, Pate für das landesweites Projekt in NRW. Die Jugendlichen sollen über den Sport und mit Unterstützung und in Zusammenarbeit vieler Institutionen, unter anderem der Bundesagentur für Arbeit, Chancen erhalten, in Zukunft den richtigen Weg einzuschlagen. 2008 startete die Sepp-Herberger-Stiftung diese Resozialisierungsinitiative. In den letzten Jahren war Horst Eckel, einer der Helden der Weltmeistermannschaft 1954 zu Gast in Heinsberg. Zum ersten Male wurde nun Jens Nowotny als Vertreter der Sepp-Herberger-Stiftung begrüßt; er hatte Spielebälle und Trikots für die Gruppe im Gepäck.

Als Nowotny diese spezielle Wohngruppe besuchte, wurde es ihm plötzlich mulmig in der Magengegend. Das Aufschließen der Zellentüren machte ihn doch sehr nachdenklich. „Das ist ja wirklich hier eine ganz eigene Welt“, sagte er und musste diesen Moment erst einmal sacken lassen. 334 Spiele in der Bundesliga, 48 Einsätze in der A-Nationalmannschaft – aber diese Minuten in der JVA dürfte der Fußballer in besonderer Erinnerung behalten.

Auf dem Weg von der Wohngruppe zum neuen Kunstrasenplatz fiel die Hemmschwelle auch bei den Jugendlichen, die ersten Kontakte zudem prominenten Gast wurden locker geknüpft. Die Sportbeamten der JVA hatten eine Gesprächsrunde vorbereitet. Hier stellte sich der Nowotny den Fragen der Insassen und auch denen der Bediensteten. Natürlich wurde er auf „Vizekusen“ angesprochen: Viermal wurde Nowotny mit Bayer Leverkusen Deutscher Vizemeister. „In Unterhaching hatten wir es am 20. Mai 2000 selbst in der Hand. Aber wir waren nicht reif genug“, blickte der Fußballer zurück. Ein Remis hatte gereicht – aber Bayer verlor 0:2 und Bayern München zog vorbei und wurde Deutscher Meister. „Wir hatten gar nicht registriert, dass die Meisterschale auf dem Rasen stand. Es war ein riesiger Medienrummel als wir den Platz zum Warm machen betraten. Wir hätten alle zur Meisterschale laufen sollen und sagen müssen: Dich nehmen wir gleich mit“.

Auf die Frage eines Insassen nach seinen wichtigsten Spielen sah Nowotny zwei Matches noch vor sich: „Da war mein erstes Spiel in der Jugendnationalmannschaft im Londoner Wembley-Stadion. Und das Spiel um Platz drei bei der WM 2006 hier in Deutschland zu spielen, war schon grandios – diese WM war ein großer Moment in meinem Leben.“ Jens Nowotny plauderte locker aus seiner Zeit als Aktiver und machte den Insassen damit selbst unbewusst Mut. „Man muss immer ein Ziel vor Augen haben“, so einstige Kapitän von Bayer Leverkusen „Es geht immer weiter. Es ist im Sport genauso wie im normalen Leben“. Nowotny sieht in seinem Besuch keine Einmal-Veranstaltung, versprach wiederzukommen und auch Trainingseinheiten durchzuführen.

„Ich bin ein Mann der Zusammenarbeit“, versprach der 39-Jährige. „Ich kann natürlich nicht jede Woche vorbeikommen, aber ich denke, dass man hier was auf die Beine stellen kann“.

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