JVA Heinsberg: Fußball-Projekt bietet neue Perspektiven

Von: agsb
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Einer der Höhepunkte: Oliver Kahn zusammen mit der Heinsberger Auswahl nach dem Turniersieg in Köln. Foto: -agsb-

Heinsberg. Von der Schule geflogen, keine Ausbildung und kein Job und vielleicht sogar kein Zuhause – viele Jugendliche geraten auf die schiefe Bahn und landen zuletzt in der JVA Heinsberg.

Die jungen Straftäter aber einfach nur wegsperren, das ist der falsche Weg, findet die NRW-Landesregierung. Zum Jahresbeginn 2009 hat sie deshalb ein neues Jugendstrafvollzugsgesetz mit Verstärkung sinnvoller Freizeitgestaltung als Grundlage des Behandlungsvollzuges verabschiedet.

In den Monaten nach Verabschiedung des Gesetzes wurden in den Justizvollzugsanstalten die Freizeitangebote vervielfacht. Auch in der JVA Heinsberg. Sie richtete eine eigene Fußballgruppe als Wohneinheit (pro Abteilung 20 Insassen) ein. Mit in das Wohnkonzept einbezogen wurde das bundesweite Projekt „Anstoß für ein neues Leben“. Kernpunkte des Projektes sind das fußballerische Sozialtraining während der Haft und die Wiedereingliederungshilfen nach Absitzen der Strafe.

Zu den Kooperationspartnern zählen neben dem Justizministerium und der Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußballbundes auch der Westdeutsche Handwerkskammertag. Die Dachorganisation des Handwerks will den jugendlichen Insassen nicht nur sportliche, sondern auch berufliche Perspektiven vermitteln, indem sie der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche hilft.

Viele Erfolge und Höhepunkte

In den Jahren seit Gründung der Heinsberger DFB-Gruppe haben die Spieler schon einige sportliche Highlights erlebt. So ist der Heinsberger Fußballgruppe ein Turnier in Köln im Gedächtnis geblieben, in dem sie als Siegerteam von Torwart-Legende Oliver Kahn ausgezeichnet wurde. Der ehemalige Nationalspieler stellt sich als Pate in den Dienst dieses Projekts. Aber auch andere Fußballgrößen durften die kickenden Häftlinge schon die Hand schütteln – zu Gast in Heinsberg waren bereits Jens Nowotny, Sven Demand und Erik Meijer.

Jüngst weilte das DFB-Mobil hinter den Gefängnismauern – während dieser Tage erlebten die jungen Männer ganz besondere Trainingseinheiten. Mittlerweile hat die Wohngruppe sich total auf Fußball eingestellt. Der Sport steht mehrmals in der Woche auf dem Programm. Spiele gegen Gastvereine werden auf dem neuen Kunstrasenplatz ausgetragen, die Stärke der Truppe auf dem Platz bekam schon so mancher Gegner zu spüren. Von den Insassen spielen inzwischen viele bei Vereinen im Kreis Heinsberg etwa beim TuS Rheinland Dremmen II (B-Liga) oder beim SV Ophoven (C-Liga), der eine Patenschaft übernommen hat. Der SV Ophoven wurde mit dem Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ als Stern des Sports in NRW mit zwei Förderpreisen ausgezeichnet. Vor einigen Tagen sorgte eine Lieferung aus Frankfurt in der JVA für Aufsehen. Der DFB schickte einen Satz Nationalmannschafts-Trikots und Trainingsanzüge. Das Betreuungsteam um Helmut Hotopp und Thomas Klein staunte nicht schlecht. Für die kommenden Fußballspiele ist die DFB-Gruppe bestens ausgestattet, die Gegner werden aus dem Staunen nicht herauskommen. Der Einsatz der Häftlinge und Trainer trägt bereits Früchte – nicht nur auf dem Spielfeld. Viele Insassen haben nach ihrer Entlassung Arbeit und den Kontakt zur Vereinswelt gefunden – und haben damit den „Anstoß für ein neues Leben“.

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