Junges Theater Bonn mit „Tschick“ in der Stadthalle

Von: hl
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Erkelenz. Mit der zweiten Vorstellung im Theaterjahr 2015/16 brachte die Kultur GmbH Erkelenz ein Stück auf die Bühne der Stadthalle, das in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes war.

Unter der Überschrift „Coming-of-Age-Schauspiel“ (was man übersetzen kann mit „Was heißt erwachsen werden“) brachte das Junge Theater Bonn „Tschick“ nach dem preisgekrönten Roman von Wolfgang Herrndorf und für die Bühne bearbeitet von Robert Koall.

Unter der Regie von Lajos Wenzel, der auch für das imposante Bühnenbild zuständig war, spielten Marian Juhasz (Maik), Justus Einig (Tschick), Andrea Brunetti (Mutter), Jan Hermann (Vater) und Lucia Zitz (Mädchen). Einige von ihnen waren auch in mehreren Rollen zu sehen. Und was alle auszeichnete, war, dass sie ihre Rollen mit Leben erfüllten, so dass die Zuschauer ihnen abnahmen, wen und was sie darstellten.

Das Junge Theater Bonn, 1969 als privates Kinder- und Jugendtheater gegründet und mit mehreren Theaterpreisen ausgezeichnet, ist in jedem Jahr mit rund 250 Aufführungen in Bonn und anderen Städten zu sehen. Unter anderen zeichnet es sich dadurch aus, dass die Rollen mit altersgemäßen Schauspielern besetzt sind.

„Tschick“ erzählt die Geschichte von zwei Jugendlichen, die mit einem geklauten Auto in einem Sommer eine Irrfahrt quer durch Deutschland unternehmen. Mehr durch Zufall zueinander gefunden, erleben die beiden am Ende, was im Leben wirklich zählt: Freundschaft und Freiheit. Maiks Mutter säuft und muss wieder in die Entzugsklinik; der Vater, ein Meister in falsch verstandener Pädagogik, ist mal wieder auf Geschäftsreise mit seiner Assistentin. Und so ist Maik in einem Zustand, den man wohl treffend mit verwahrlost beschreiben kann.

Da trifft er auf den Russlanddeutschen Tschick, der ein wenig nach Mafia „riecht“. Nach anfänglichen Schwierigkeiten im Zueinanderfinden entwickelt sich im Laufe ihrer abenteuerlichen Fahrt ein fast innig zu nennendes Verhältnis. Die Fahrt wird nicht wirklich vorgestellt, sondern von Maik erzählt. Und dabei entstehen immer wieder neue und oft auch skurrile Situationen, die in den Gesprächen der beiden auf die verschiedenste Weise „bearbeitet“ werden: Mal geht es poetisch zu, mal derb, meist witzig, nie langweilig und manchmal mit einem Hang zum Klamauk. Vielleicht haben sich die Älteren unter den Zuschauern hin und wieder gewundert, vielleicht sogar geärgert, über die Sprache der Jugendlichen.

Vielleicht kann der letzte Satz des Stückes, gesprochen nach einer Dusche auf offener Bühne, ein Anliegen dieser Komödie mit ihrem ernsthaften Hintergrund beschreiben und zum Ausdruck bringen: „Man kann nicht ewig die Luft anhalten.“

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