Jugendmusikschule: Musizieren als Tür in eine andere Welt

Von: Rainer Herwartz
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Theo Krings, der Leiter der Heinsberger Jugendmusikschule, weiß um den Zauber der Musik und vor allem des Musizierens. In einem stressigen Alltag mit zahlreichen organisatorischen Aufgaben bietet ihm das Klavierspiel Rückzugsort, Entspannung und Wohlbehagen zugleich. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Gitarre, Bass, Klavier, Schlagzeug oder Geige – die Palette an Musikinstrumenten ist vielfältig. Doch eines verbindet sie alle: Wer ein Instrument erlernen möchte, durchlebt einen jahrelangen Prozess. Das Beherrschen benötigt Disziplin, Willen, musikalisches Gespür und Training, Training, Training.

Doch schon „der Weg ist das Ziel“, lässt sich die berühmte Erkenntnis von Konfuzius hier trefflich verwenden.

„Das aktive Musizieren öffnet meiner Ansicht nach für jeden Menschen die Tür in eine wunderbare Welt vielfältiger Erfahrungen“, sagt Theo Krings, der Leiter der Heinsberger Jugendmusikschule. „Diese umfassen das sinnliche Erleben von Klang, eigenem Körper und Instrument genauso wie die soziale Interaktion und die intellektuelle Auseinandersetzung.“ Es sei nie zu früh und nie zu spät, sich diese Welt zu erschließen, meint Krings. „In der Heinsberger Jugendmusikschule sind die Jüngsten zwei Jahre alt, die Ältesten um die Achtzig. Die Kleinen beginnen in der Eltern-Kind-Gruppe. Hier wird zum Beispiel gesungen, getanzt und geklatscht, um dem gemeinsamen aktiven Musizieren Raum im Leben der gesamten Familie zu geben.“

Die musikalische Frühförderung dient dabei laut Verband der Musikschulen als eine gute Option, die Kinder Schritt für Schritt an die Musik heranzuführen und die individuellen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und entwickeln. Spielerisch machen die Kinder dabei mit Gesang, Tanz und Instrumenten gemeinsam in einer Gruppe die ersten Schritte in die Welt der Musik.

„Inzwischen gibt es ja eine ganze Reihe wissenschaftlicher Studien, die sich mit dem positiven Effekt von Musik gerade auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen“, erläutert Krings. Gefühlt käme so etwa jeden Monat eine weitere hinzu, meint er. „Mich freuen so positive Berichte natürlich. Wissenschaftlich belegt scheint auf jeden Fall, dass aktives Musikmachen die geistige und soziale Entwicklung fördert. Unabhängig vom Alter.“

Wenn eine Studie zeige, dass Kinder, die statt einer Stunde Hauptfachunterricht, eine zusätzliche Musikstunde mit aktivem Musizieren durchliefen, auch bessere Ergebnisse zum Beispiel in Mathematik oder Deutsch erzielten, dann sei das sicher sehr spannend. Doch der eigentliche Wert des Musizierens liege doch, wie bei Kunst oder Sport, in einem komplexeren Geflecht ganz individueller Erfahrungen. „Nicht nur wir Musiker wussten doch eigentlich schon immer, dass Musik einfach guttut. Ganz zu schweigen davon, dass das aktive Musizieren schlicht zentrales Element jeder Kultur ist.“

Jemand, der bereit sei, sich das Spielen eines Instrumentes zu erschließen, oder seine Stimme auszubilden, lerne zuallererst bewusst zu hören. Hören auf den eigenen Klang, den Klang des Instrumentes und des Raums und den Klang des Spielpartners oder der Gruppe. Die Konzentrationsfähigkeit wird dabei ebenso gefördert wie körperliche und geistige Koordination und strukturelles Denken. Auch für Senioren, die erst im fortgeschrittenen Alter ein Instrument erlernen, gilt dies. „Man bleibt fit im Kopf, stärkt motorische Fähigkeiten und sorgt nicht zuletzt für emotionales Wohlbefinden.“

Rund 1000 Musikschüler, die derzeit an der Jugendmusikschule unterrichtet werden, dürften derlei Erfahrungen teilen. „Damit sich all die positiven Aspekte entfalten können, muss man dem aktiven Musizieren den notwendigen Raum geben. Gerade vor dem Hintergrund sich immer weiter verdichtender Zeitpläne auch bei Kindern und Jugendlichen stellt dies heute eine besondere Herausforderung dar. Aus diesem Grund steigt die Jugendmusikschule mit zwei weiterführenden Schulen in ein Forschungsprojekt des Landes NRW zur Vereinbarkeit von allgemeinbildender Schule, aktivem Musizieren und Instrumentalunterricht ein.“

Verraten wollte Krings dazu im Moment aber erst so viel, dass es im Herbst offiziell losgehen und die Vorstellung natürlich gemeinsam mit den Partnerschulen erfolgen soll. Bemerkenswert scheint dabei aber schon jetzt, dass Heinsberg vom Land NRW neben Köln und Leverkusen als einer von nur drei Projektstandorten ausgewählt wurde.

Ziel ist, dem Musizieren Raum zu geben. „Und wenn man diesen Raum öffnet, tritt man in eine Welt, die einem lebenslang Bereicherung und Befriedigung geben kann. Eine Welt mit ganz vielen Komponenten, in deren Zentrum das aktive Tun und die individuelle Auseinandersetzung jenseits des rein passiven Konsums stehen.“

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