Jugendeinrichtung wird Ausgangspunkt für Streetworker

Von: Rainer Herwartz
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Die Jugendeinrichtung Oase an der Erlöserkirche soll für den neuen Streetworker Ausgangspunkt sein, um die Jugendlichen an ihren Treffpunkten zu besuchen. Die alte Kirche dient auch als Sporthalle. Fotos (4): Herwartz Foto: Herwartz
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Die Jugendeinrichtung Oase an der Erlöserkirche soll für den neuen Streetworker Ausgangspunkt sein, um die Jugendlichen an ihren Treffpunkten zu besuchen. Die alte Kirche dient auch als Sporthalle. Fotos (4): Herwartz Foto: Herwartz
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Peter Maaßen (links) und Hans-Walter Schönleber schauen sich auf der Karte die durch Stecknadeln markierten Problemzonen der Stadt an.

Heinsberg-Oberbruch. Von den 1228 Kindern und Jugendlichen, die derzeit in Oberbruch wohnen, beziehen 450 Leistungen nach Hartz IV, mehr als ein Drittel. Dass dies nicht ohne Folgen bleibt, liegt auf der Hand. „Wir stellen in den letzten Jahren immer mehr Probleme bei Jugendlichen in Oberbruch fest“, sagt Jugendamtsleiter Bernd Kleinjans.

Doch dem soll nun wirksam entgegengewirkt werden. Nicht darauf warten, bis die Jugendlichen von selbst kommen, sondern dahin gehen, wo ihre Treffpunkte sind – so ließe sich zusammenfassen, was die Stadt Heinsberg mit ihrer Neuausrichtung der Jugendarbeit in der Innenstadt und jetzt auch im Bereich Oberbruch umsetzen möchte. Der Jugendhilfeausschuss hat eigens hierfür die Mittel bewilligt, um neben den beiden Teilzeitkräften, die in der Jugendeinrichtung Oase im Auftrag der evangelischen Kirche tätig sind, noch eine weitere Vollzeitkraft als Streetworker zu etablieren. Rund 100.000 Euro im Jahr stellt die Stadt für die Arbeitsplätze zur Verfügung.

„Bisher hatten wir das System einer bezuschussten stationären Einrichtung, der evangelischen Oase. Dieses Modell hat sich jedoch als nicht ausreichend erwiesen, um die Klientel zu erreichen, um die es hier geht. Professionelle Sozialarbeiter müssen die Orte aufsuchen, wo sich die Jugendlichen aufhalten“, erläutert Kleinjans. „Es geht auch darum, im Vorfeld tätig zu werden, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist und die Kinder womöglich in teuren Einrichtungen unterzubringen sind“, ergänzt Dezernent Hans-Walter Schönleber. Polizei, Ordnungsamt und Schulen dienten quasi als Frühwarnsystem.

Der Stadtteil Oberbruch ist der zweitgrößte neben dem Stadtzentrum von Heinsberg. Er besteht aus den Ortskernen Oberbruch, Grebben, Eschweiler und Hülhoven. „Hier leben besonders viele Kinder und Jugendliche, von denen wiederum besonders viele aus sozial schwachen Familien kommen“, sagt Peter Maaßen, stellvertretender Jugendamtschef. „Oberbruch hat zwei ausgewiesene Brennpunktbereiche, die Albert-Schweitzer-Straße und die Röntgenstraße, und verfügt über eine große Anzahl von Wohnungen des sozialen Wohnungsbaus.“ Viele Kinder lebten in sogenannten „Multiproblemfamilien“. 62 Kinder und Jugendliche werden durch das Jugendamt im Form der Hilfe zur Erziehung begleitet und 31 Kinder werden von der Jugendgerichtshilfe betreut.

„Insgesamt leben dort zahlreiche junge Menschen, die aufgrund ihres familiären und sozialen Umfelds, ihrer ethnischen und kulturellen Herkunft oder ihrer ökonomischen Situation Benachteiligungen erfahren haben, die ihnen die Integration in die Gesellschaft und den Übergang von der Schule in den Beruf erschweren“, so Maaßen. Im Vergleich zu anderen Heinsberger Stadtteilen weise Oberbruch einen hohen Anteil ausländischer Mitbürger und Migranten auf. Von den 7147 gemeldeten Personen seien 1644 nicht deutscher Herkunft (23 Prozent). Von den eingangs erwähnten 1228 dort lebenden Kindern haben 168 einen Migrationshintergrund (15 Prozent).

„Vielen Jugendlichen im Stadtteil gelingt es nicht, einen höheren Schulabschluss zu erreichen. In den Familien sind sie zum Teil sich selbst überlassen und finden hinsichtlich Bildung und Berufsperspektiven wenig Unterstützung, Rückhalt oder Orientierung“, weiß Maaßen. Insbesondere der Bildungsmangel gelte als eine der Hauptursachen für relative Armut.

Das sieht auch Schönleber so. „Wir wollen präventiv verhindern, dass solche Entwicklungen überhaupt geschehen und kindgerechte Maßnahmen anbieten, um eine normale Sozialisation zu gewährleisten.“

Die evangelische Kirche ist derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Streetworker. Schon zum 1. Juli soll dieser seine Arbeit aufnehmen. Da sich die offene und mobile Kinder- und Jugendarbeit durch die Jugendfreizeiteinrichtung „LoonyDay- Das Jugendcafé“ in Heinsberg schon außerordentlich bewährt habe, soll deren Bezuschussung bis zum 31. Dezember 2021 verlängert werden, mit einer Option auf zusätzliche fünf Jahre.

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