Jugendamt sucht Gastfamilien für junge Flüchtlinge

Von: Rainer Herwartz
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Rund 100 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden noch bis Jahresende im Gebiet des Kreises Heinsberg erwartet. Foto: stock/people
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Heinsbergs Jugendamtsleiter Bernd Kleinjans (re.) und Sachgebietsleiter Peter Maaßen sind auf der Suche nach geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten für junge, alleinreisende Flüchtlinge. Foto: Herwartz

Heinsberg. Sie sind meist völlig auf sich allein gestellt, noch nicht volljährig und ohne sorgeberechtigte Begleitung aus ihrem Heimatland in ein anderes geflüchtet oder dort einfach zurückgelassen worden. Sie werden von ihren Familien nach Europa geschickt, haben ihre Angehörigen im Krieg verloren oder auf der Flucht. Im formalen behördlichen Sprachjargon ist die Rede von „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“.

Und diese stellen nun auch die Stadt Heinsberg vor eine neue Herausforderung, denn es ist gesetzlich festgelegt, dass diese Jugendlichen eine besondere Betreuung erfahren müssen.

„Zum ersten November gibt es eine Änderung im Sozialgesetzbuch“, nennt Jugendamtsleiter Bernd Kleinjans den Grund. „Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge werden dann nach einem Verteilungsschlüssel ähnlich wie bei den Erwachsenen zugewiesen. Bislang war es so, dass die Jugendlichen dort untergebracht und versorgt werden mussten, wo sie erstmalig aufgegriffen wurden.“

Wie ab November der neue Verteilungsschlüssel funktioniert, erläutert Kleinjans an ein paar Beispielen. „Bekommt das Land NRW 5000 dieser Flüchtlinge vom Bund zugewiesen, kann pro 3500 Einwohner ein solcher Flüchtling auf die Kommune verteilt werden. Für Heinsberg wären das dann zwölf. Wenn dem Land NRW 7500 zugewiesen werden, ist der Schlüssel ein Kind pro 2350 Einwohner, was 18 für Heinsberg bedeutet. Bei einer Zuweisung von 10.000 für das Land ergäbe sich ein Kind pro 1750 Einwohner und folglich 24 für Heinsberg.“

Doch welche Zahl ist denn nun als realistisch einzustufen? „Wenn wir mal positiv denken“, so Kleinjans, „könnten es etwa 18 für Heinsberg werden. Wenn ich allerdings die Bilder vom Wochenende sehe, sind auch 24 nicht auszuschließen.“

Anders als bei den Erwachsenen, sei das Jugendamt verpflichtet, sich besonders um die Jugendlichen zu kümmern, sagt Sachgebietsleiter Peter Maaßen. „Das heißt, sie dürfen nicht in den Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht werden wie an der Westpromenade, sondern sollen in geeignete Einrichtungen der Jugendhilfe oder zum Beispiel zu Pflegefamilien.“

Kreisweit werde bis zum Jahresende mit über 100 unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen gerechnet. Nur 30 von ihnen könnten jedoch im Rahmen bestehender Jugendhilfeeinrichtungen von freien Trägern untergebracht werden. Bislang gebe es in Heinsberg fünf solcher Jugendlicher, die bereits in entsprechenden Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht sind. „Wir suchen daher nach Gastfamilien, die bereit wären, ein oder zwei Flüchtlinge in der Familie aufzunehmen. Den Jugendlichen wird auch ein Vormund an die Seite gestellt“, erklärt Kleinjans.

Natürlich würden Familie und Flüchtlinge im Alltag durch sozialpädagogische Fachkräfte individuell begleitet. „Das Jugendamt stellt auch den Lebensunterhalt der Flüchtlinge sicher in Anlehnung an die Sätze der Vollzeitpflege. Das bedeutet als Beispiel bei einem 16-Jährigen etwa 850 Euro im Monat, die die Familie erhält.“ Maaßen bekräftigt zudem: „Wir werden eng mit den Gastfamilien zusammenarbeiten und bieten ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten jegliche Unterstützung an.“

Die Intention sei, dass die Jugendlichen sofort in den Inte-grationsprozess überführt würden, was in erster Linie das Erlernen der deutschen Sprache bedeute. „Denn das ist der Schlüssel zur Integration“, meint Kleinjans. „Familien liefern hierzu die besten Voraussetzungen, da sie gefestigte Strukturen und eine bestimmte emotionale Zuwendung bieten“, sagt Maaßen. „Unser dringlichstes Anliegen ist es zu vermeiden, dass Notsituationen entstehen, die lediglich noch die Stellung von Schlafmöglichkeiten und Nahrung ermöglichen.“

Zu 99 Prozent erwarten Kleinjans und Maaßen männliche Jugendliche in Heinsberg. Alle im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. „Sie werden wohl überwiegend aus Syrien und Afghanistan kommen.“ In seiner neuen Gastfamilie sollte der Jugendliche nach dem Wunsch des Jugendamtes über ein eigenes Zimmer verfügen. Auch sollte die Familie finanziell abgesichert sein und die Gasteltern eine solide Lebenserfahrung besitzen.

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