Jürgen B. Hausmann: Humor als Sinn des Lebens

Von: Johannes Bindels
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Jürgen B. Hausmann glänzte in Birgelen vor 400 Zuschauern.
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Willibert Pauels als „Bergische Jung“ fühlte sich inmitten des Publikums pudelwohl. Fotos (2): Bindels Foto: Bindels

Wassenberg-Birgelen. Die Bandbreite des Lebens humorvoll und mit sprachlicher Gewandtheit zu präsentieren, gelang den beiden Akteuren Jürgen B. Hausmann und Willibert Pauels als „Bergische Jung“. Eingeladen hatte das Trommlercorps Birgelen. Gekommen waren mehr als 400 Zuschauer.

Mit Jürgen B. Hausmann begannen die humorvollen „Sprachspiele“ – die Einblicke in die rheinische Grammatik ist ein wesentlicher Bestandteil seiner Geschichten aus dem Leben. „Der Dativ wird immer gebraucht, außer da, wo er richtig wäre“, begann Hausmann und ließ das Beispiel folgen, das auch Programm ist: „Isch glaub‘ et dich“.

Es folgten Beispiele aus dem Leben westdeutscher Nachbarschaft, aus der Schule, zum Auto als „liebstes Kind der deutschen Männer“, den „Liebesbezeugungen“ verheirateter Männer beim Urlaub in schneebedeckter Landschaft und dem Wetter. „Das Rheinland ist die einzige Gegend, wo et kein Wetter jibt“, wusste er zu belegen. Auch wenn viele seiner Beispiele nicht unbekannt waren, das Publikum wurde zu Lachsalven dennoch hingerissen. Dass der „Hausmann“ auch auf aktuelle Besonderheiten einzugehen wusste und virtuos in sein Programm einbaute, konnte das Publikum an einigen Stellen nachvollziehen: „Verstehen Sie mich in den hinteren Rängen auch, oder sitzen Sie da schon in Hückelhoven?“.

Mit dem Dialekt spielen

Mit dem rheinischen Dialekt („Wir haben hier auch schon mal Fisselwetter. Wenn et am Fisselen ist, sind die Puten am tüten“) zu spielen und in Begleitung seines musikalischen Partners Harald Claßen, trug der „Hausmann“ so manches Lied vor und sprach dem Publikum aus der Seele. Mit dem „Kriminaltango“, der die Unbilden des Alltags (dreimal eine falsche Pin eingeben) ansprach, endete sein Programm im verdienten Applaus.

So mancher im Publikum fragte sich, wie es gelingen könnte, nach diesem hervorragenden Auftritt im zweiten Teil mitzuhalten. Die Antwort sei vorweg genommen: es gelang dem „Bergische Jung“ ganz hervorragend, obwohl Willibert Pauels mit „Karneval, Kirche und Klapse“ ein weites Feld betrat und gelungen mit einander zu verbinden wusste.

Nach seiner Ankündigung mischte er sich direkt unters Publikum, blieb sozusagen auf „Augenhöhe“, und warb um Verständnis für die Krankheit „Depression“, unter der er Monate gelitten habe. Mitten in seinem Publikum sein zu können, war dem „Bergische Jung“ eine Freude. Mit der Bitte, mit ihm gemeinsam den Marsch „Heidewitzka, Herr Kapitän“ zu singen, um den „karnevalistischen Teil“ seines Beitrags zu beginnen, marschierte er auf die Bühne.

Auf der Bühne deutete er auf die dort liegenden Requisiten (Jackenjacke und Chormantel), „nur die Zwangsjacke“ fehle, nahm er den Dreiklang von „Karneval, Kirche und Klapse“ als roten Faden wieder auf.

„So, jetzt bin ich wieder da und es geht mir wieder gut. Aber wenn dich die Schwermut bedrängt, dann nimm professionelle Hilfe in Anspruch“ war sein Credo. Witze machen über die eigene Situation sei ihm wieder möglich: „Herr Doktor, ich muss immer Teetassen essen, nur die Henkel schmecken mir nicht“. Worauf der Arzt antwortet, dass verstehe er nicht, „die schmeckten doch am besten“.

Und dann legte er los wie in alten Zeiten. Sein Lieblingskardinal, Joachim Kardinal Meißner, war ebenso Thema wie der Vergleich zwischen den Rheinländern und den Westfalen. Letztere fänden seine Beiträge auch lustig, nur würden diese später lachen. Humor hätte eben viele Ausprägungen; die Bereiche Karneval und Kirche passten sehr wohl zusammen.

Immer wieder gelang es ihm, in seiner unnachahmlichen Weise die Grenzen zu wahren und Humor als Perspektive für ein sinnliches und sinnvolles Leben zu sehen.

Nur gegen Fundamentalismus beziehe er deutlich Stellung – egal welcher Couleur dieser sei. So sei der nachfolgende Witz ein Beispiel dafür, dass zwischen den Religionen und Kulturen ein Auf-den-Arm-nehmen möglich sein muss: „Ein türkischer Mitbürger klopft mit Inbrunst seinen Gebetsteppich aus. Ein deutscher Nachbar im Fenster liegend beobachtet ihn längere Zeit dabei und kommentiert schließlich. Ali, wat iss? Springt er wieder nicht an?“.

Witz und Religion passen zusammen, ist seine Botschaft: „Wenn Tünnes und Schäl nach tiefer Betrunkenheit auf dem Melatener Friedhof morgens aufwachen und Tünnes gefragt wird: Was ist passiert“ Und der antwortet: Das ist die Auferstehung, wir sind nur die ersten“, dann sei dies ein exemplarisches Beispiel für seine, Willibert Pauels Lebensperspektive. Und er schließt vor begeistertem Publikum mit seinem bekannten Satz: „Und im Garten des Lebens….Das sagt euch der Bergische Jung“.„ “

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