Johannes-Passion: Erst lange Stille, dann viel Beifall

Von: Johannes Bindels
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Sabine Heiwolt spielte die Viola da Gamba bei der Aufführung der Johannes-Passion in der Kirche St. Georg in Wassenberg. Foto: Bindels

Wassenberg. Ein kirchenmusikalisches und spirituell ergreifendes Ereignis erlebten die mehr als 200 Zuhörer in der St.-Georg-Kirche in Wassenberg mit der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach. Sie folgten einer Aufführung des Kammerchors der Gladbacher Singschule, des Orchesters der Münstermusik und von Solisten unter der Leitung von Münsterkantor Klaus Paulsen.

Die Uraufführung der Johannes- Passion erfolgte am Karfreitag, dem 7. April 1724 in der Leipziger Nikolaikirche. Bach ergänzte die ursprüngliche Passionsgeschichte mit Chorälen, Solo-Arien und frei gesungenen Texten. Die Johannes-Passion besteht aus zwei Teilen in fünf Akten. Der erste Teil enthält den Verrat und die Gefangennahme Jesu (im ersten Akt) und die Verleugnung durch Petrus (zweiter Akt). Im zweiten Teil folgen die Verhöre und die Verurteilung Jesu durch Pontius Pilatus (dritter Akt), die Kreuzigung und der Tod Jesus (vierter Akt) und das Begräbnis (im fünften Akt).

In der Besetzung mit Johannes Klüser (Tenor) als Evangelist, Manfred Bühl (Bariton) als Christus, Katharina Dohmen (Sopran) als Magd und Arien-Solistin, Ceren Gülcelik (Alt) als Arien-Solistin, Irfan Berilo (Bariton) als Petrus und Arioso-Solist, Thomas Beimel (Bass) als Pilatus, gelang jenes musikalisches Nachempfinden der Leidensgeschichte, was Ludwig van Beethoven beschrieb als „Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie“. Begleitet von Chor, Orchester und den Instrumentalbesetzungen mit Udo Witt am Orgelpositiv, Anke Müller am Continuo-Cello, Hans-Peter Küppers am Cembalo und Sabine Heiwolt an der Viola da Gamba führten die sich perfekt ergänzenden Aufführenden das Publikum musikalisch in das Miterleben des Leiden und Sterbens Jesus.

Letzteres in Satz 58 mit der Arie durch Ceren Gülcelik (Alt) vorbereitet, aber auch als Ausblick auf die kommende Rolle Jesu: „Der Held aus Juda siegt mit Macht und schließt den Kampf. Es ist vollbracht.“ Totenstille, kein Laut war zu hören am Ende des Evangelisten-Rezitals: „Und neiget das Haupt und verschied.“

Eine große Leistung des ausführenden Ensembles, welche das zweistündige Werk mit seinen insgesamt 68 Sätzen ohne Pause durchspielte und dem es gelang, mit dieser eindringlichen Musikerfahrung die Gefühle des Publikums zu erreichen. Nachvollziehbar wurde das hasserfüllte Rasen der Menge, wenn der Chor die Hysterie wiedergab mit „Kreuzige, kreuzige“. In jeder Arie wurde eine bestimmte Gemütsbewegung musikalisch gelungen umgesetzt. Wer sich auf die Handlung einließ, begab sich mittels der erzählenden Perspektive durch die Rezitative des Evangelisten mit auf den Leidensweg, oft im Wechsel mit den Passagen des Chors dramatisch gesteigert.

Es war das Verdienst der Aufführenden, die Zuhörer über die gesamte Zeit in ihren Bann zu schlagen, sich mit der Handlung zu identifizieren und die Karfreitags-Geschichte intensiv miterleben zu können. Dafür gab es am Ende minutenlang Beifall.

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