Johann-Lütter-Festival startet mit eindrucksvollem Auftakt-Konzert

Von: Johannes Gottwald
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Heinsberg. Der Alsdorfer Kirchenmusiker Johann Lütter wäre am 19. Oktober 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass findet nun erstmals ein eigenes Festival statt, das von der Johann-Lütter-Stiftung organisiert wird. Die Stiftung wurde 2001 in Heinsberg gegründet mit dem Ziel, das kompositorische Werk des 1992 verstorbenen rheinischen Musikers bekannt zu machen.

Daher werden bis Ende Oktober vor allem im Raum Heinsberg, aber auch in Lütters einstiger Wirkungsstätte Alsdorf zahlreiche Konzerte, Matineen und Gottesdienste stattfinden. Auch kann in der Kreissparkasse Heinsberg eine Ausstellung zum Leben und Werk Johann Lütters besucht werden.

Hauskonzert

Den Auftakt des Festivals bildete ein Konzert im Hause des 2003 verstorbenen Stiftungsgründers Franz-Josef Lütter in der Rudolf-Diesel-Straße. Hierfür hatte man den deutsch-französischen Pianisten Heribert Koch gewonnen, der seine Ausbildung an den Musikhochschulen Köln und Karlsruhe erhielt, bei Peter Feuchtwanger in London fortsetzte und darüber hinaus weitere Meisterkurse absolvierte. Heute ist er Präsidiumsmitglied der deutschen Sektion der European Piano Teachers Association und bekannter Juror internationaler Wettbewerbe.

Die Gastgeberin Ingeborg Lütter konnte eine ansehnliche Zuhörerzahl im Lütter-Haus begrüßen. Heribert Koch begann seinen Vortrag mit einem reizvollen Experiment: Er ließ das bekannte Präludium Nr. 1 aus dem Wohltemperierten Klavier von Bach unmittelbar in die Etüde C-Dur von Fréderic Chopin übergehen. Beide Stücke sind stilistisch grundverschieden und gehören unterschiedlichen Epochen an –und stehen doch in einer gewissen Beziehung zueinander. Denn beide arbeiten mit der gleichen arpeggierenden Akkordik – man spürt, dass der polnische Romantiker auch ein großer Bach-Verehrer war.

Lütters Klavierwerke

Mit der Ballade in g-moll op. 23 folgte dann noch ein weiteres Chopin-Werk. Unter den Händen von Heribert Koch erstand ein dramatisch-bewegtes, hochpoetisches Klanggemälde. Der Jubilar Johann Lütter war im Anschluss daran mit fünf kleineren Klavierwerken im Programm vertreten. Das erste Stück stammte aus dem Zyklus „Der Tag des Kindes“, die anderen vier waren den „Kleinen Stücken für die Jugend“ entnommen.

Das einleitende „Es war einmal“ war vorwiegend von spätromantischer Harmonik geprägt, zeigte aber mit seiner eigentümliche Quint-Quart-Harmonik durchaus originelle Züge. Einen ähnlichen Eindruck hinterließ auch das „Langsam, schwer lastend“ überschriebene zweite Stücke. Hier nahmen die Quintgänge einen fast fernöstlichen Zug an, wurden dann aber im Mittelteil von gebrochenen Akkorden abgelöst, die an Glockengeläut erinnerten.

Uneinheitlich wirkten dagegen die „Klangspiele“, die zunächst eine freitonale, an Kabalewski oder Schostakowitsch erinnernde Schreibweise zeigten, dann aber wieder in die Spätromantik zurückglitten und in einfache Dur- und Moll-Dreiklangsverbindungen ausmündeten, die im Vergleich zum Vorausgegangenen etwas gekünstelt anmuteten.

Eher konventionell gaben sich danach das „Andante“, dass an Schumann und Brahms gemahnte und das rezitativisch-balladenhaft gestaltete „Andantino“. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Johann Lütter durchaus interessant und gefällig zu schreiben verstand. Als Komponist hat er allerdings eher regionale Bedeutung, mit den Großmeistern des 20. Jahrhunderts ist seine Musik nicht zu vergleichen.

Den Schlusspunkt des Abend setzte Heribert Koch dann mit der gewaltigen Sonate in h-moll von Franz Liszt. Dieses Werk gehört zu den herausragenden Werken der Hochromantik und stellt höchste Ansprüche an den Interpreten. Auf meisterhafte Weise verstand es Koch, dem Steinway-Flügel (der übrigens als Unikat eigens für Franz-Josef Lütter angefertigt wurde!) immer neue Klänge zu entlocken, die vom zarter Entrücktheit bis zur wild aufpeitschenden Leidenschaft reichten.

Motivisch baute sich das Werk auf zwei Tonleitern auf, die gleich zu Beginn erklangen – die eine im phrygischen Kirchenton, die andere im Zigeuner-Moll. Sie bildeten dann auch das stille Ende des Werkes, dass im Gegensatz zu den formal streng klassisch gestalteten Beethoven-Sonaten als einsätzige, freie Fantasie angelegt ist.

Begeistertes Publikum

Mit großem Beifall bedankten sich die Zuhörer bei Heribert Koch, der mit seinem hochvirtuosen Spiel einmal mehr seine internationale Klasse unter Beweis gestellt hatte. Als Nachklang erfolgte noch eine kleine Zugabe aus der Feder Johann Lütters.

Anschließend informierte das Kuratoriumsmitglied Britta Abels über die aktuelle Arbeit der Stiftung, warb um Unterstützung und wies noch auf weitere Konzerte, Ausstellungen und andere Aktivitäten zum Johann-Lütter Festival hin.

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