Jetzt im Buch: „Sammler und Jäger der Notfallmedizin“

Von: hewi
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In der Buchhandlung Viehausen in Erkelenz hatte Jörg Nießen (r.) auf Einladung von Christopher Viehausen zur Lesung aus „Die Sauerei geht weiter“ eingeladen. Foto: Koenigs

Erkelenz. „Die Sauerei geht weiter“. Unter diesem Titel meldete sich der Erkelenzer Autor Jörg Nießen im September zurück, nachdem sich sein Erstlingswerk „Schauen Sie sich mal diese Sauerei an“ zu einem großen Erfolg entwickelt hatte.

Zu einer fröhlichen Lesestunde mit den neuesten Geschichten zwischen gepflegtem Ekel und ausgiebigem Schenkelklopfen hatte der Autor in die Erkelener Buchhandlung Viehausen eingeladen. Und es ging natürlich wieder um seine Erlebnisse als Rettungssanitäter in einer nicht näher benannten rheinischen Metropole. Nießens Erzählungen bestechen durch teilweise detailversessene und poetische Betrachtungen und Beschreibungen des alltäglichen Horrors, wenn mal was richtig in die Hose gegangen ist.

Zum Beispiel an einem baustellenbedingten „Unfallhäufigkeitspunkt“ auf einer vielbefahrenen innerstädtischen Straße, mit dem seine erste Geschichte begann. Lustvoll erzählte er von Unfallopfern, die Anekdoten raushauen, während sie eingequetscht in ihrem zertrümmerten Fahrzeug sitzen und einem Klavierspieler, der sich beide Arme gebrochen hatte und dann auch noch in der Klinik die Liebe seines Lebens kennenlernte.

In dieser Geschichte hatte auch die rabiate griechische Ärztin einen erneuten Auftritt, die dem geneigten Leser schon aus dem ersten Band bekannt ist. Sie begrüßte Nießen und seinen Kollegen „Hein“ als „Jäger und Sammler der Notfallmedizin“, bevor sie dem verletzten Klavierspieler erklärte, dass sie ihn normalerweise angesichts seiner Verletzungen einschläfern würde. Ja, da sag mal einer, Mediziner hätten keinen Humor!

Ging es da noch relativ harmonisch zu, legte Nießen bei der zweiten Geschichte noch eine Schippe drauf. Wortreich beschrieb er die verschiedenen Stadien der Verwesung, die sie in der Wohnung eines Mannes vorfanden, der sich in Erwartung des Besuchs einer Prostituierten ausnahmsweise versucht hatte zu waschen. Nießen verglich die Farbenpracht der Schimmelkulturen in der Küche mit intakten Korallenriffen in Mikronesien und erzeugte so Bilder in den Köpfen der Zuhörer, die manche sicher nicht so schnell loslassen sollten.

Einblicke in das soziale Leben der Rettungssanitäter gewährte er auch durch den Bericht über einen Betriebsausflug in eine romantische Kleinstadt, der in einem grandiosen Besäufnis endete, bevor er mit der Geschichte „Psychose“ einen ersten humoristischen Höhepunkt setzte. Wie behandelt man jemanden, der sagt, man habe ihm Stricknadeln in die Augen gestoßen und das uns alle überwachende „Ministerium“ habe ihn auf rund 90 Zentimeter geschrumpft, während vor der Wohnungstür die ehemaligen Liebhaber beiderlei Geschlechts förmlich Amok laufen? Der erfahrene Sani bleibt da ruhig und gelassen und trägt es mit Humor.

Als geschmackvollen Abschluss präsentierte Nießen eine kulinarische Kreuzfahrt auf dem Rhein, die wegen einer um sich greifenden Lebensmittelvergiftung gehörig aus dem Ruder gelaufen und in die Hose gegangen war. Bei aller Sauerei schaffte es Nießen immer, dem Erzählten eine lustige Seite abzugewinnen und das Publikum bestens zu unterhalten. Trotz seines publizistischen Erfolgs will er weiter im Einsatzwagen auf die Jagd nach erzählenswerten Begegnungen gehen und den Menschen in Not zur Seite stehen. An einem dritten Buch über 112 gute Gründe, die Feuerwehr zu lieben, schreibt Nießen bereits.

Musikalisch begleitet wurde der Abend von Wolfgang Wittmann und Markus Fröhlich.

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