Islam-Unterricht: Auf den fünf Säulen des Koran

Von: Norbert F. Schuldei
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Die Hauptschule In der Schlee in Hückelhoven ist die erste Schule im Kreis Heinsberg, an der ganz regulär islamischer Religionsunterricht erteilt wird. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird das Fach dem „normalen“ Religionsunterricht gleichgestellt. Foto: imago/Sven Lambert
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Djemal Garri ist der erste islamische Religionslehrer im Kreis.

Hückelhoven. Das klingt doch gut: „Wir gehören alle anderen Glaubensrichtungen an. Wir unterscheiden uns aber nicht grundsätzlich“. Als Djemal Garri das sagt, hebt er die rechte Hand und zeigt auf seine Finger. „Alle Finger sind unterschiedlich. Aber sie gehören alle zu dieser einen Hand.“ Wenn es doch so einfach wäre... Denn Djemal Garri meint mit den Fingern an seiner Hand die Religionen, die Menschen in den verschiedenen Erdteilen und Ländern angehören und die deren Kulturen oft seit Jahrhunderten prägen.

„Wir sind froh, dass wir Djemal Garri zugewiesen bekommen haben“, sagt Christiane Müller. Sie ist die Rektorin der Hauptschule in der Schlee. Mehr als die Hälfte ihrer Schüler sind türkischer Herkunft oder haben einen anderen islamischen Migrationshintergrund. Djemal Garri ist einer von 60 Lehrern in Nordrhein-Westfalen, die von der Landesregierung für islamischen Religionsunterricht neu eingestellt wurden.

„Es gibt da ja religionsgeschichtlich sehr unterschiedliche Strömungen“, sagt Garri. „Die Aleviten, die Schiiten oder die Sunniten, die Charidschiten – ich suche in meinem Religionsunterricht nach dem gemeinsamen Nenner. Auch nach dem mit dem Christentum.“ Das betont er ganz besonders: Ein Finger seiner Hand hebt sich, als er das sagt.

Ein Jahr Fortbildung hat er in Düsseldorf hinter sich gebracht, um jetzt als zertifizierter Religionslehrer arbeiten zu können. Es gab auch in der Vergangenheit schon so eine Art Religionsunterricht für Kinder islamischen Glaubens an der Schulen in Nordrhein-Westfalen: Islamische Unterweisung nannte sich das eine Zeit lang, dann auch Islamkunde.

„Jetzt wird der islamische Religionsunterricht mit dem anderen Religionsunterricht gleichgestellt“, sagt Christiane Müller. Sie lächelt dabei und ist offenbar sehr zufrieden. „Ja natürlich bin ich das. Denn bisher wussten wir nicht so richtig, was wir mit unseren türkischen Schülern machen sollen, wenn die deutschen Kinder ihren in Anführung normalen Religionsunterricht hatten. Jetzt haben die türkischen Kinder ihren eigenen.“

Djemal Garri hakt da ein: „Es sind ja nicht nur türkische Kinder in meinem Religionsunterricht. Wir haben auch Kinder aus Serbien, aus Bosnien oder aus Afghanistan dabei.“ Hückelhoven ist eine Stadt, in der Menschen aus insgesamt 82 Nationen leben... In welcher Sprache unterrichtet er die Kinder im islamischen Religionsunterricht? „Wir sprechen deutsch miteinander. Natürlich. Die Kinder türkischer Nationalität, die hier geboren werden sprechen deutsch“, sagt er.

Die Suren des Korans – der Koran umfasst 114 Suren mit zusammen 6 236 Versen – werden dabei in arabischer Sprache gelesen. „Wenn man das kann, ist das optimal. Und die Kinder können das“, sagt Garri. „Auch die Exegese der Bibel wird doch in der Ursprungssprache, also griechisch oder lateinisch gemacht.“ Im Islam, sagt Garri, „ist das Leben des Propheten wie eine Taschenlampe für den Koran. Ähnlich wie im Neuen Testament das Leben Jesu für die Christen.“

Neun Stunden wird er künftig mit den Hauptschülern In der Schlee die Suren oder auch die fünf Säulen des Korans im Unterricht behandeln. Wobei jede Schulstunde bei ihm auch 60 Minuten lang ist. Ja, er freut sich auf seine neue Aufgabe an der Hauptschule, sagt er, als er das Zertifikat hebt. „Möge Allah Ihre Arbeit segnen“ wünscht der Beirat für den Islamischen Religionsunterricht dem „Djemal Edine Garri, geboren am 00.00.1960“. Was ist das für ein seltsames Geburtsdatum? „Ja“, sagt Garri und hebt Schultern und Augenbrauen. „Meine Großmutter erzählt, ich sei am 21. Tag, nachdem es kalt geworden war, geboren. Meine Mutter weiß es auch nicht besser.“ Seine Frau habe am 13. Januar Geburtstag, sein Sohn am 15. Januar das Licht der Welt erblickt. Und er feiert – richtig? – am 14. Januar seinen Geburtstag? „Ganz genau!“, schmunzelt der islamische Religionslehrer.

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