Internationaler Museumstag: Spuren der Zeit, lebendig und sichtbar

Von: Anna Petra Thomas
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Na? Glänzt da nicht was? Gold waschen und Geoden knacken, das konnten Besucher am Internationalen Museumstag bei den Mineralien- und Bergbaufreunden in Hückelhoven. Die Vereinsmitglieder zeigten, wie es geht und führten auch durch die Ausstellung. Foto: Koenigs
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Sehr viele Besucher haben am Internationalen Museumstag den Weg ins Heinsberger Begas-Haus gefunden. Dort wurde die neue Sonderausstellung mit Ansichten der Innenstadt von früher und heute eröffnet. Foto: Anna
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Pit Siebigs hat fotografiert und komponiert. Foto: Anna

Heinsberg. „So wird Geschichte lebendig!“ Sepp Becker, Vorsitzender des Wassenberger Heimatvereins, sprach aus, was die Besucher am Sonntag bei ihrem Rundgang durch die neue Ausstellung mit 25 großformatigen Fotopaaren im Heinsberger Begas-Haus empfanden.

 „Ansichtssache – Heinsberg früher und heute“ heißt sie und passt damit perfekt zum 40. Internationalen Museumstag, der sich dieses Mal dem Motto „Spurensuche – Mut zur Verantwortung!“ widmete und am Sonntag auch in elf weiteren Museen der Region gefeiert wurde.

Vor fast zwei Jahren schon habe die Planung zur Ausstellung des aus Heinsberg stammenden und Aachen lebenden Fotografen Pit Siebigs begonnen, erklärte Museumsleiterin Dr. Rita Müllejans-Dickmann zur Eröffnung. Man wolle sich in den Wechselausstellungen verstärkt regionalgeschichtlichen Themen widmen. Doch es sei ein schwieriger Prozess gewesen, ergänzte sie.

Es gebe zwar viele Bilder aus der Geschichte der Heinsberger Innenstadt. Doch die meisten seien Reproduktionen. „Es gibt nahezu keine Originalfotos“, erklärte sie und verband damit ihren Appell, dem Begas-Haus historische Originalfotos aus der Region leihweise zur Verfügung zu stellen, damit sie eingescannt und dort archiviert werden könnten.

Die Idee zur Ausstellung, die noch bis zum 23. Juli zu sehen ist, sei sicherlich nicht neu, fuhr die Museumsleiterin fort. Dieses Mal konzentriere sie sich auf den Stadtkern. „Es wird aber nicht die letzte dieser Art sein“, versprach sie. Das Ergebnis der aktuellen Ausstellung mit der Gegenüberstellung von Bildpaaren mit Motiven aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und von heute verdeutliche einen großen Kontrast. Geschuldet sei er vor allem der Bombardierung Heinsbergs im Jahr 1944. Erkennbar seien aber auch städtebauliche Fehler beim Wiederaufbau.

Nach der Begrüßung konnten sich die Besucher auf einen Rundgang durch den bebilderten Stadtkern begeben. Ausgangspunkt war der Blick vom Kirchturm auf die Innenstadt. „Da war ich dabei“, erzählte Dr. Rita Müllejans-Dickmann von „stürmischen“ Aufnahmen. Weiter ging es zum ehemaligen Hindenburgplatz, heute der Kreisverkehr am alten Amtsgericht, zur einst Höheren Mädchenschule an der Geilenkirchener Straße, heute ein Alten- und Pflegeheim, und wieder zurück zu Motiven rund um Begas-Haus und Propstei.

„Ich ziehe den Hut vor den alten Meistern“, erklärte Siebigs. Früher habe es gar keine Amateurfotografen gegeben. Er selbst hat die alten Fotos eingescannt, bearbeitet und dann in der gleichen Größe ausgedruckt wie seine neuen Fotos. Bei den neuen Werken sei es ihm darum gegangen, die aktuelle Situation möglichst unverfälscht einzufangen. „Mir ist es wichtig, dass Bilder nicht getrickst sind. Ich zeige lieber das, was ist“, betonte er.

Mit ein paar Ausnahmen: Angekommen an der Mariensäule geht auf dem Bild nämlich bei ganz genauem Hinschauen gleich sechs Mal derselbe Mann im auffällig blauen Jackett um die Säule herum. Die digitale Technik macht es möglich. Beim Blick vom Burgberg auf St. Gangolf habe schon die alte Vorlage nicht der Realität entsprochen, verriet Siebigs. Und so hat er das gleiche Motiv von heute ebenfalls entsprechend aufwendig bearbeitet. „Ich mache ungern Werbung“, deutete der Fotograf auf die Motive aus der Hochstraße. „Trotzdem haben sie mir nachher gefallen.“ Die Bilder seien nicht immer schön, aber sie seien interessante Dokumente aus unserer Zeit, sagte er.

Das gilt auch für das einzige Doppelmotiv der Ausstellung mit dem Gaswerk oben auf der alten Postkarte sowie Molkerei und Badeanstalt darunter, wo sich heute ein großer Parkplatz und ein Mehrfamilienhaus befinden. „Aber es zeigt doch typisch deutsche Sachen“, erklärte der Fotograf den Baustil und weckte beim Betrachter sogar Interesse für die Rückseite des ebenfalls abgebildeten Hinweisschildes.

Bei einigen Motiven hat der Fotograf seiner künstlerischen Freiheit noch mehr Lauf gelassen, etwa beim neuen Bahnhof bei Nacht oder mit den Fotos vom Marktplatz. Früher stand dort ein Denkmal, heute sind es Kirmesbuden. An die Stelle der Fronleichnamsprozession tritt im Bild heute der Kirchhovener Nikolausverein.

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