Interkulturelle Woche: Kunstgenuss als Beitrag zur Integration

Von: Johannes Bindels
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Musik und Tanz verbinden die Kulturen, das zeigten (v.l.) Claus Schmidt, Reinald Noisten, Talip Elamsulu (Tanz), Shanmugalingam Devakuruparan, Andreas Kneip und Murat Cakmaz. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Die Verschmelzung kultureller Unterschiede durch die Musik als Beispiel für Toleranz und gegenseitigen Respekt gelang einen Abend lang in der evangelischen Christuskirche in Heinsberg. Traditionelle jüdische und arabische Musik und mystischer Derwisch-Tanz wurden in einer christlichen Kirche aufgeführt.

Eingeladen hatte im Rahmen der Interkulturellen Woche im Kreis Heinsberg das Kommunale Integrationszentrum des Kreises Heinsberg in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Heinsberg zum Konzert „Klezmer trifft Derwisch – ein jüdisch-islamischer Dialog“.

Verbindende Elemente

„Sehen Sie das Konzert nicht nur als Kunstgenuss, sondern auch als einen Beitrag zur Integration im Kreis Heinsberg“, lautete einer der Kernsätze von Bernd Laprell, dem Leiter des Kommunalen Integrationszentrums zur Einführung. Dass dieser Wunsch für die Besucher Wirklichkeit wurde, gelang dem Ensemble Noisten mit ihrer aus der jüdischen Tradition stammenden Klezmermusik ebenso, wie dem Musiker Murat Cakmaz mit seinem der arabischen Musik verpflichtenden Sufi-Flötenspiel.

Das verbindende Element brachte Talip Elamsulu mit seinem Derwischtanz mitfühlend und nachvollziehend zum Ausdruck. Klezmermusik sei osteuropäische jüdische Tanz- und Hochzeitsmusik und es sei Musik, die die Lieder der Seele rauslasse, erläuterte Reinald Noisten die vorgetragenen Arrangements, deren historischer Hintergrund bis ins Mittelalter reicht. Und wer seinem Klarinettenspiel bei den Stücken „Freylach 122“ oder „Tanz Jerusalem“ folgte, der wurde zwangsläufig an Marc Chagalls Bilder oder an das Musical „Fiedler on the roof“ (Anatevka – „Wenn ich einmal reich wär“) erinnert.

Mal leise und sanfte Töne seinem variablen Klarinettenspiel bei der Komposition „Krakauer Kalauer“ entlockend und dabei den Zuhörer virtuell an einen Strand entführend, wo die Musik wie leichter Wellenschlag auf dem Sand auslaufend daherkam, gelang Noisten auch, weil er professionell von seinen Ensemblemitgliedern Claus Schmidt (Gitarre), Andreas Kneip (Kontrabass) und Shanmugalingam Devakuruparan (Percussion) begleitet wurde.

Fremdes klingt seltsam vertraut

Mit dem Flötenspiel von Murat Cakmaz (Neyflöte) mischten sich arabische Töne in das gemeinsame Spiel. Es war kein Gegeneinander. In den Arrangements harmonisch aufeinander eingehend, vermischten sich die fremden Töne. Für den Zuhörer fremde Tonleitern klangen dennoch gleichsam vertraut, als berührten sie unbewusstes Wissen und Gefühle, als seien sie im kollektiven Bewusstsein verankert.

Im Tanz der Derwische spiegele sich die Liebe zur Natur, zur Wirklichkeit und zu den Mitmenschen wider, erläuterte Murat Cakmaz die Philosophie der islamischen Sufisten. Im Tanz von Talip Elamsulu wurde nachvollziehbar, dass dies eine Form des Gebetes und der Meditation war, in der Musik und Bewegung auch zu einem ästhetischen Genuss verschmolzen.

Es war eine für ein Gotteshaus würdige, respektvolle und gleichzeitig höchst tolerante Form des Miteinanderumgehens in Freiheit. Seitens der Veranstalter war es ein gelungener Beitrag zur Integration fanden auch die Besucher.

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