Erkelenz - Interdisziplinäres Symposium: Dem Begriff von Heimat auf der Spur

Interdisziplinäres Symposium: Dem Begriff von Heimat auf der Spur

Von: Helmut Wichlatz
Letzte Aktualisierung:
8844329.jpg
Ein interdisziplinäres Symposium beschäftigt sich am kommenden Wochenende auf Haus Hohenbusch mit dem Themenkomplex „Heimat“. Der Begriff von Heimat, die verloren geht, wenn die Braukohlebagger kommen, ist beispielsweise in Keyenberg (Bild) erfahrbar. Foto: Stefan Klassen

Erkelenz. „Heimat“ ist ein Begriff, der die Gemüter spaltet. Die einen fühlen sich an Farbfilm-Schmonzetten aus den 50ern erinnert und lehnen den Begriff als „spießig“ ab, die anderen schöpfen aus dem, was „Heimat“ bedeutet, persönliche Kraft und Sicherheit.

Gerade in Erkelenz hat der Begriff durch den Verlust der Heimat durch den Braunkohletagebau eine durchaus aktuelle Bedeutung. Nun hat sich der Heimatverein des Themas angenommen und gemeinsam mit Experten ein interdisziplinäres Symposium auf die Beine gestellt, bei von Freitag bis Sonntag auf Haus Hohenbusch dem „Heimat“ in seiner Bedeutung, Geschichte und Stellenwert in der Kunst beleuchtet wird. Dabei wird wieder auf die bewährte Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Helmut Brall-Tuchel von der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität zurückgegriffen.

„Heimat in Kultur, Sprache und Kunst – Annäherung an einen problematischen Begriff“ ist eine Veranstaltung, die dem Besucher eine Menge abverlangt. Vor allem Kondition zwischen den Ohren. Literaturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Soziologen nähern sich dem Heimatbegriff und beleuchten seine Entwicklung von der Literatur des Mittelalters bis hin zur Migrationsbewegung der Neuzeit. „Ganz ohne Heimat kommen wir nicht aus“, betonte Brall-Tuchel. „Heimat ist auch ein mentaler Raum.“

Eingebunden in das Symposium wird auch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Heimatbegriff. Am Freitagabend wird der Cornelius-Burgh-Chor des Heimatvereins noch einmal unter der Leitung seines Gründers und langjährigen Leiters Prof. Norbert Brendt ein Konzert mit Kompositionen von Cornelius Burgh bis Edvard Grieg geben.

Am Samstagabend steht dann die Schriftstellerin Ingrid Bachér auf dem Programm, die aus ihrem Roman „Die Grube“ liest, der die Vertreibung durch den Tagebau Garzweiler II behandelt. Gemeinsam mit den Machern der Veranstaltung stellt sie sich bei einer Podiumsdiskussion anschließend den Fragen der Zuschauer zum Thema „Heimat und Erinnerungskultur“.

Texte und Musik

Am Sonntag beginnt um 14 Uhr ein interaktiver Workshop rund um Mundart und Texte lokaler Autoren. Den Abschluss bildet ein Konzert des Duos EigenArt mit dem Titel „Dennoch … Heimat“. Zu dem Thema ist auch eine CD entstanden, auf der neben dem Duo auch andere Künstler aus dem Erkelenzer Land zu hören sind.

Ein wichtiges Element ist auch die Ausstellung, die flankierend das Symposium begleitet und dann bis Ende November samstags und sonntags geöffnet hat. Fünf namhafte Künstler, darunter auch der Erkelenzer Karl-Heinz Laufs, haben sich unter dem Titel „HeimatZeit“ mit dem Verschwinden der Heimat im Tagebaugebiet auseinandergesetzt. Laufs ist auf Spurensuche gegangen in den Orten und hat seine Eindrücke kreativ verarbeitet. Till Hausmann, Anja Quaschinski, Ursula Ströbele und Susanne Fasbender steuern Kollagen, Malerei, Videoinstallationen und Skulpturen bei. Die Direktorin der Oberhausener Ludwig Galerie, Dr. Christine Vogt, wird die Ausstellung im ehemaligen Herrenhaus eröffnen und fachkundig in das Thema einführen.

Nach den Ausstellungen zu Arnold von Harff und Anton Raky und einer interdisziplinären Tagung über die Bedeutung des Wallfahrtswesens im Rheinland setzt der Heimatverein seine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität und den dortigen Fachleuten fort. Dies führe auch dazu, dass Erkelenz auch aus wissenschaftlicher Sicht überregional wahrgenommen wird, erklärte der Vorsitzende des rührigen Vereins, Günther Merkens.

Eintritt ist frei

Natürlich ist der Besuch des Symposiums, des Workshops und der flankierenden kreativen Angebote kostenlos. „Wir wollen, dass möglichst viele Menschen den Weg nach Hohenbusch finden und an den Ergebnissen der Arbeit teilhaben können“, betont Merkens.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert