Integrationsminister auf „Dialogtour“ beim VIKZ Hückelhoven

Von: kalauz
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Gast und Gastgeber beim Besuch in Hückelhoven: (v.l.) NRW-Integrationsminister Guntram Schneider, VIKZ-Vorsitzender Mehmet Yilmaz und Bürgermeister Bernd Jansen. Foto: kalauz

Hückelhoven-Schaufenberg. Im Rahmen seiner „Dialogtour“ durch nordrhein-westfälische Moscheen war NRW-Integrationsminister Guntram Schneider am Dienstagnachmittag Gast des Integrations- und Bildungsvereins des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) in Hückelhoven. In Anbetracht des wunderbaren Sommerwetters wurde der Besuch kurzfristig in die sonnenüberflutete Anlage des VIKZ an der Jacobastraße in Schaufenberg verlegt.

Dort stellte der Minister für Integration des Landes gleich am Anfang des rund zweistündigen Besuches zur nicht geringen Verwunderung der zu seinem Besuch geladenen Fachleute aus der kommunalen Verwaltung und den verschiedenen Integrationsvereinen eines ganz klar: „Ich weiß eigentlich gar nicht, was Integration ist. Obwohl ich mich schon seit 30 Jahren damit beschäftige.“

Viel Lob parat

Damit wollte er sich keineswegs als ahnungslosen und mithin für den Job völlig ungeeigneten Mann vorstellen – Guntram Schneider machte damit deutlich, dass das Schlagwort der Integration so viele Facetten, Inhalte und auch Widersprüchlichkeiten in sich trägt, dass eine allgemeingültige Definition auch von einem Minister nicht erwartet werden kann.

Die sich anschließende, sehr breite, immer offene, bisweilen lockere, stets lebhafte und, ja, ausgesprochen interessante Diskussion verdeutlichte: Der Mann hat recht. So ganz ohne Hintergrund wird man wohl doch nicht in ein solch hohes Staatsamt gehoben.

Ganz deutlich allerdings konnte Minister Schneider definieren, was Integration nicht ist: „Mit Sicherheit bedeutet Integration nicht Germanisierung. Aber Deutsch ist in diesem Land die Verkehrssprache.“ Auch das Wort „Leitkultur“ nimmt der aus Dortmund stammende Sozialdemokrat im Zusammenhang mit der Diskussion, wie man auch angesichts der stetig steigenden Flüchtlingszahlen die Integration von Menschen, die zu uns kommen, aber in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen sind, voranbringen kann, überaus ungern in den Mund: „Das Wort von der Leitkultur ist in dem Zusammenhang mit Integration Blödsinn. Leitkultur ist unsere Verfassung.“

Minister Schneider sprach sich mit Blick auf seine Gastgeber von der Moscheegemeinde Hückelhoven – für deren Aktivitäten hinsichtlich der Bildung einer solidarischen Gesamtgesellschaft er im Übrigen ebenso viel Lob parat hatte wie für die darauf abzielenden Aktivitäten der Stadt selbst – dafür aus, die islamischen Gotteshäuser nicht nur an einem Tag im Jahr für alle Besucher offen zu halten: „Sie sollten sie täglich für alle öffnen. Denn nur durch das gegenseitige Kennenlernen kann man Vorurteile abbauen.“

Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen betonte, dass man den schwierigen Umbruch in Hückelhoven nach der Schließung der Zeche (Schneider: „Retten Sie das Lebensgefühl des Bergbaus, dann retten oder schaffen Sie den Gedanken der Solidarität.“) und dem damit verbundenen Verlust von 5500 Arbeitsplätzen gemeinsam mit den vielen Bürgern aus anderen Kulturkreisen, die in Hückelhoven ein neues Zuhause gefunden hatten, geschafft habe: „Die Blockade in den Köpfen gibt es schon fast nicht mehr.“

Besonders sei dies bei den Kindern zu beobachten. Auch deshalb lege man in der Stadt größten Wert auf Bildung. Als Jansen das Projekt eines muslimischen Grabfeldes, das man in Kürze anlegen wolle, ansprach, wurde Guntram Schneider sehr hellhörig: „Der Ewigkeitsfrieden ist dabei das größte Problem. Aber da haben wir schon rheinische Lösungen im Kopf.“

Vielfältige Aktivitäten würdigen

Mit seinem Besuch in Hückelhoven wollte Schneider die öffentliche Aufmerksamkeit auf die vielfältigen interkulturellen Aktivitäten muslimischer Moscheegemeinden und deren zivilgesellschaftliches Engagement richten – auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingshilfe in den Kommunen des Landes. Auch da nahm Schneider kein Blatt vor den Mund: „Die Kommunen müssen für die Flüchtlingshilfe mehr Geld erhalten. Denn das ist keine kommunale, das ist eine gesamtstaatliche Aufgabe.“

Des Ministers Fazit seines Besuches in Hückelhoven, der wohl von allen, die an diesem Nachmittag das Gespräch mit ihm fanden, als angenehm-konstruktiv empfunden wurde: „Ich nehme einen sehr guten, überaus positiven Eindruck mit.“

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