Innovativ: Gitarrenhalter setzt Maßstäbe

Von: Anna Petra Thomas
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Mit beiden Füßen auf dem Boden: Das neue Stützsystem „RVraiser“ soll bei Gitarrenspielern Rückenproblemen vorbeugen. Es wird mit nicht rutschenden Saugnäpfen am Gitarrenkörper befestigt. Foto: Anna Petra Thomas
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Mit beiden Füßen auf dem Boden: Das neue Stützsystem „RVraiser“ soll bei Gitarrenspielern Rückenproblemen vorbeugen. Es wird mit nicht rutschenden Saugnäpfen am Gitarrenkörper befestigt. Foto: Anna Petra Thomas
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Das kleine Fußbänkchen soll bald der Vergangenheit angehören, ist Roman Viazovskiy von seiner Erfindung überzeugt.

Heinsberg. Fans des internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals kennen den Auftritt: die Gitarre in der rechten, das Fußbänkchen in der linken Hand. So kommen die Stars des klassischen Gitarrenspiels und die Wettbewerbsteilnehmer auf die Bühne der Stadthalle. Doch dieses kleine Bänkchen, auf dem während des Vorspiels einer der beiden Füße ruht, macht dem Rücken der Musiker oft Probleme.

Roman Viazovskiy, künstlerischer Direktor des Festivals, selbst international gefeierter Gitarrenspieler und nicht zuletzt Lehrer an der Heinsberger Jugendmusikschule, kennt das Problem – und jetzt auch die Lösung. Nach zweijähriger Entwicklungsarbeit wird er beim nächsten Festival im Mai 2015 eine ganz neue Stütze präsentieren, mit der sämtliche Rückenprobleme der Musiker der Vergangenheit angehören sollen.

„RVraiser“ ist der Name dieses neuen Produkts. Neben den Initialen des Erfinders deutet das Wort „raiser“ auf das hin, was die neue Stütze tut. Der Begriff ist abgeleitet aus dem englischen Wort „raise“, was so viel heißt wie „heben“. Gehoben wird allerdings mit der Erfindung Viazovskiys nicht der Fuß des Musikers, sondern die Gitarre selbst. Wesentlicher Vorteil dadurch ist, dass der Gitarrist beim Spielen beide Füße auf dem Boden hat und so nicht nur bequem, sondern durch das Instrument, dass er vor sich hält, auch automatisch gerade sitzt. Die ständige Mahnung „Sitz gerade!“ des Lehrers gehöre damit demnächst ebenfalls der Vergangenheit an, weiß Viazovskiy aus ersten Tests mit Schülern der Musikschule zu berichten.

Wesentliche Unterschiede

Sicherlich seien bereits ähnliche Produkte auf dem Markt, räumt er ein, aber doch gebe es da wesentliche Unterschiede zu seiner neuen Entwicklung. Punkt eins ist die Art der Befestigung an der Gitarre. Bisher bekannte Stützen seien entweder so an der Gitarre befestigt worden, dass das Instrument durch die Art „Klemme“ um den Korpus herum Schaden genommen habe. „Und die Klemmen, die mit Saugnäpfen gearbeitet haben, hielten einfach nicht richtig“, weiß der Musiker aus eigener Erfahrung. Für die Befestigung der Stütze auf dem Instrument nutzte Viazovskiy genau den kleinen Bereich, der nicht gewölbt ist. „Denn aufgrund der Wölbung des Gitarrenkörpers haben bisher erhältliche Stützen ihr Befestigungsproblem“, erklärt er. „Luft gerät unter die Saugnäpfe, und beim Spielen lösen sie sich dann ab“, erklärt er.

Vier, in einem Quadrat angeordnete Saugnäpfe geben der Stütze jetzt auf genau berechneter, kleinstmöglicher gerader Fläche sicheren Halt. Weitere Vorteile sind hier, dass für die eigens angefertigten Näpfe ein Kunststoff gewählt wurde, der den Lack nicht schädigt. Darüber hinaus können die Saugnäpfe dank eines je zweiten Bohrlochs mit ihrer Verschraubung variabel so angeordnet werden, dass sie auch für historische Gitarren oder sogar für Kindergitarren genutzt werden können. „Eine derartige Stütze, die beides kann, gibt es bisher noch nicht“, erklärt Viazovskiy. Darüber hinaus ist der neue „RVraiser“ nicht starr, „sondern dreidimensional flexibel“, wie es ihr Erfinder beschreibt.

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass Viazovskiy erste Ideen für seine Innovation entwickelte. „Mit einem zersägten Notenständer und kleinen Winkelchen aus dem Baumarkt ging es dann weiter“, erinnert er sich. Ein Gitarrenbauer lieferte ein Holzmuster für das gerundete Teil der Stütze, das auf dem Oberschenkel des Musikers lagert und für die Saugnapf-Halterung. Mit diesem Prototypen machte sich Viazovskiy auf den Weg zu Mathias Krieg, in dessen Unternehmensgruppe im Dremmener Gewerbegebiet nicht nur innovative Produkte aus Aluminium, Edelstahl und Stahl gefertigt werden, sondern der zudem ein engagierter Förderer des Gitarrenfestivals ist. Wer kennt sie nicht, die riesige Edelstahl-Gitarre als Symbol des Festivals? Sie stammt aus einer Krieg-Werkstatt.

Eineinhalb Jahre habe er zusammen mit Krieg „getüftelt“, erzählt Viazovskiy. Dafür sei er ihm unendlich dankbar. „Ich weiß, was er durchgemacht hat“, schmunzelt der Musiker heute. „Ich bin halt Perfektionist, auch auf diesem Gebiet.“ So wurden im Laufe der Entwicklung zum Beispiel auch die Saugnäpfe mehrfach neu produziert, ehe Viazovskiy grünes Licht gab. „Die Unterschiede zu klassischen Saugnäpfen seien nicht sehr groß“, erklärt er. „Aber genau diese Kleinigkeiten machten letztlich alles aus.“

300 Stück der neuen Stütze wurden in Dremmen in ersten Serie produziert. Auch künftig soll der innovative „RVraiser“ hier gefertigt werden. Den Vertrieb will Viazovskiy selbst übernehmen, vor Ort in der Jugendmusikschule, ansonsten übers Internet. Obwohl das neue Produkt offiziell erst beim nächsten Festival an den Start geht, sind die ersten 100 Stützen schon in Gebrauch, viele natürlich in der Jugendmusikschule. Auch Maximilian Sausen (15) ist begeistert. „Das ist viel angenehmer“, sagt er. „Ganz normal, nicht mehr verkrampft im Rücken.“

Während sich Viazovskiy selbst, wie man ihn kennt, noch ganz bescheiden zu seiner Erfindung äußert, würden Kollegen sie bereits als „einen Quantensprung“ bezeichnen, ist auch Theo Krings, Leiter der Jugendmusikschule und Direktor des Heinsberger Gitarrenfestivals, begeistert von der Entwicklung. Sicherlich sei die neue Stütze eine Entwicklung vom Profi für Profis, „geboren für die Bühne“, fügt Viazovskiy hinzu. Und doch biete sie künftig jedem Gitarristen die Möglichkeit, seinem Hobby ohne Rückenprobleme nachzugehen.

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