Inklusives Stadtfest: Begegnungen, die zu Tränen rühren

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
12994579.jpg
Ein Stadtfest im Zeichen der Inklusion: Ulla Schmidt (rechts) besuchte Lebenshilfe-Mitarbeiterin Sandra Küppers bei ihrer Arbeit in einem Heinsberger Geschäft. Foto: Anna Petra Thomas
12994581.jpg
Die Rollstuhl-Tanzgruppe der Rurtal-Schule begeisterte die Gäste der Eröffnungsfeier zum Stadtfest.
12994586.jpg
Die Einrichtung „BeWo“ sammelte wie hier vom Lebenshilfe-Vorsitzenden Klaus Meier (rechts) und dem Rurtal-Schulleiter Volkmar Gilleßen bunte Fingerabdrücke für ein Geschenk an die Lebenshilfe.
12994588.jpg
Die „Gleichs“, eine Pantominengruppe der Lebenshilfe, war in der Innenstadt unterwegs und begeisterte mit ihren Darstellungen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Stadtfest heißt es schon lange, das Wochenende mit verkaufsoffenem Sonntag und buntem Rahmenprogramm, zu dem der Gewerbe- und Verkehrsverein (G&V) einmal im Jahr in die Heinsberger Innenstadt einlädt.

Nie zuvor wurde es jedoch dem zweiten Teil seines Namens so gerecht wie dieses Mal. Dank der beiden Partner Lebenshilfe und Rurtal-Schule, die der G&V mit ins Boot genommen hatte, wurde sogar ganz „saumäßig“ gefeiert, wie es Lebenshilfe-Vorsitzender Klaus Meier nach der Party mit Guildo Horn am ersten Abend auf den Punkt brachte.

Hinzu kamen während der drei Tage unzählige, auch ganz neue Begegnungen von behinderten und nicht behinderten Menschen, die es oft nicht beim Gänsehautfaktor beließen, sondern auch zu Tränen rührten, zu Tränen der Freude über so viel Selbstverständlichkeit im Miteinander behinderter und nicht behinderter Menschen mitten im Leben von Heinsberg.

Die Lebenshilfe feierte beim Stadtfest ihr goldenes Jubiläum, die Rurtal-Schule ihr 40-jähriges Bestehen. Anlass genug für ein inklusives Stadtfest mit vielen Attraktionen in der Heinsberger Innenstadt. „Mit diesem Stadtfest wollen wir ein Beispiel geben für ein zugewandtes Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung“, erklärte G&V-Vorsitzender Peter Heinrichs bei der offiziellen Eröffnung, die mit einer Vorführung der Rollstuhl-Tanzgruppe der Rurtal-Schule begonnen hatte. „Die gelebte Inklusion ist der Grund dafür, dass wir unserer Stadtfest ‚Inklusives Stadtfest‘ genannt haben“, ergänzte er und gab der Einzigartigkeit dieses Festes noch mehr Ausdruck, als er es ein „exklusives inklusives Stadtfest“ nannte.

„Wir haben eine riesengroße Wertschätzung erfahren“, erklärte Meier. Schließlich sei die Lebenshilfe auch ein Wirtschaftsfaktor in Stadt und Kreis, nicht zuletzt durch ihre „Visitenkarte“ mitten in Heinsberg mit dem Museumscafé Samocca am Begas-Haus, das wiederum Kaufkraft in die Innenstadt bringe.

„So viele Menschen waren bei einer Eröffnung noch nicht da“, sagte Bürgermeister Wolfgang Dieder als Schirmherr des Festes beim Blick von der Bühne des großen Festzelts auf dem Marktplatz. Die Lebenshilfe, die 1800 Menschen mit Behinderungen betreue, und die Rurtal-Schule mit weiteren 280 behinderten Kindern seien zu Institutionen in der Stadt geworden. Da sei es selbstverständlich, dass sie auch mitten in der Stadt feiern könnten, erklärte er. „Viele werden noch sehr lange mit Begeisterung an dieses Fest denken. Ich hoffe, dass sie die Initialzündung ist für viele weitere, gemeinsame Veranstaltungen.“

Angeführt von der Oakcity-Jazzband aus Belgien und begleitet von den „Gleichs“, der Pantomimengruppe der Lebenshilfe, machten sich die Eröffnungsgäste dann gemeinsam auf den Weg Richtung Museumscafé. Am Eingang zur Fußgängerzone überraschte sie Frank Sodermanns aus Wassenberg mit einem behindertengerecht umgebauten Fahrzeug, von dem sich auch von einem Rollstuhlfahrer mittels Kran das eigene Quad problemlos herunternehmen lässt.

Am Ziel Museumsafé Samocca war schon zu Beginn des Festes richtig viel los. Zum Programm gehörten Spielmöglichkeiten, Mitmach-Aktionen, Flohmarkt und Livemusik. Nicht zu vergessen die vielen Aktionen zwischen Marktplatz und Museumscafé. Das Festzelt am Marktplatz wurde nach zwei großen Partys von Lebenshilfe und Rurtal-Schule am Sonntagmorgen noch für einen Gottesdienst genutzt sowie im weiteren Verlauf des Tages für einen Frühschoppen und ein Kaffeekonzert.

In 17 Heinsberger Geschäften hospitierten während des verkaufsoffenen Sonntags Mitarbeiter aus den Lebenshilfe-Werkstätten. Das begeisterte auch Ulla Schmidt, die das Fest als Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe am Sonntagnachmittag besuchte. „Das ist eine wirklich tolle Idee“, erklärte sie und sprach mit einigen von ihnen direkt vor Ort. Von der Beratung durch Sandra Küppers in einem Bekleidungsgeschäft war sie so angetan, dass sie ihr gleich eine Weste abkaufte.

„Wir sind in Heinsberg angekommen“, zeigte sich Klaus Meier am Ende des großen Festes bei seinem Resümee sehr bewegt. „Wir setzen hier Zeichen, und das ist gut so!“ Seite 24

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert